Journalismus für die Gesundheit

Annette Bopp – Biologin und Journalistin, (Co-)Autorin von inzwischen 36 Büchern, Chefredakteurin des Magazins ‹Gesundheit Aktiv› und Bloggerin – steht seit nunmehr 37 Jahren für einen engagierten Journalismus in Medizin und Kultur. Das neueste Produkt aus ihrer ‹Werkstatt› ist eine Multimedia-Reportage anlässlich von ‹100 Jahre Anthroposophische Medizin›, die sie für ‹Gesundheit Aktiv› komponiert hat. Wir sprachen mit ihr.


Wie kam es zu der Idee der Multimedia-Reportage?

Wir wollten anlässlich des Jubiläums ‹100 Jahre Anthroposophische Medizin› etwas Neues in die Welt bringen, etwas, was über eine Broschüre oder ein Magazin hinausgeht. Wir wollten am Beispiel dessen, was Patienten und Patientinnen ganz konkret erlebt haben, nachvollziehbar machen, was Anthroposophische Medizin ist, will und kann – in Wort und (Bewegt-)Bild. Dass sie nicht eine Art ‹Sahnehäubchen› auf der Schulmedizin ist, etwas Zusätzliches, ein ‹nice to have›, sondern dass sie von vornherein den Menschen in der Krankheit sieht und nicht nur die Krankheit im Menschen. Sie hat per se einen anderen Blick auf den Menschen. Und sie ermutigt ihn, sich seiner eigenen Gesundheitsquellen bewusst zu werden und diese zu aktivieren.

Was wollen Sie mit dieser Reportage erreichen?

Am Beispiel dieser porträtierten Patienten und Patientinnen wird deutlich, dass jeder seinen Weg durch eine schwere Krankheit finden und in diesem Sinne auch eine Eigenverantwortung übernehmen muss. Die Anthroposophische Medizin respektiert das und begleitet Menschen auf diesem Weg. Wir wollen ermutigen, das einzufordern und sich nicht fremdbestimmen zu lassen.

In welchem Zusammenhang steht das mit dem Journalismus in unserer Zeit?

Gerade in der Medizin tragen wir Medienschaffende eine hohe Verantwortung, deshalb müssen wir genau nachfragen und hinter allem immer nach der Wahrheit suchen, auch wenn das letztlich ein unerreichbares Ideal ist. Es anzustreben ist dennoch sinnvoll und war für mich immer Leitfaden in meiner Arbeit. Leider wird heute weniger als früher in Recherche investiert, die Kollegen und Kolleginnen erarbeiten das meiste vom Schreibtisch aus, und das ist dann eben oft nur die halbe Wahrheit. Vieles erscheint vor Ort in einem anderen Licht. Und Menschen reden anders, wenn man ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt. Mir ist die Authentizität deshalb besonders wichtig, und ich freue mich, dass wir Menschen gefunden haben, die bereit waren, uns so offen ihre Geschichte zu erzählen. Dafür bin ich sehr dankbar.


Mehr: Annette Bopp.de und Gesundheit Aktiv.

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