‹Eltern werden› – das ist schwer

Solange die Menschheit sich fortpflanzt, gibt es Eltern. Dies als Aufgabe – und wie man heute sagt – als ‹Beruf› aufzufassen, ist erst seit Ende des 20. Jahrhunderts zum Thema geworden. Elternführerscheine, Elternkurse, Elternpartizipation usw. ist in aller Munde. Doch worüber immer noch viel zu wenig offen gesprochen wird, ist die Not, sind die Zweifel, ist der Zwiespalt, in dem sich viele Eltern erleben, wenn sie plötzlich ‹ungelernt› vor einer neuen Aufgabe stehen: ein Kind zu erziehen.


Ein ganzes Dorf – das es nach einem afrikanischen Sprichwort für die Erziehung eines Kindes braucht – gibt es schon lange nicht mehr; und eher nur ein ungenügender Ersatz gegenüber dem ursprünglichen Familien-Beziehungsgeflecht sind die heutigen Institutionen (Krippen etc). Sie können ja nicht den vielfältigen Bedürfnissen der so verschiedenen Familienbedarfe entsprechen: der alleinerziehenden Mutter, die für ihren Sohn männliche Bezugspersonen sucht, der sozial benachteiligten Familie, die eine stabile und verlässliche Betreuung sucht, kranken oder psychisch belasteten Familien oder einfach nur Müttern und Vätern, die rund um den nicht erlernten Beruf gerne im Austausch sein möchten oder für bestimmte Tage eine Betreuung suchen.

Warum, so fragen wir uns, nutzen wir nicht das Wissen, das dank der (zumindest in Deutschland) durch stattliche Zuschüsse motivierten Krippengründungen erarbeitet wurde? Verlässliche und vielfältige Orte für Familien und Kinder zu schaffen, auf der Basis der Qualitätsstandards, die bereits erarbeitet wurden, wird eine Aufgabe in der Zukunft sein. Ein Netzwerk für das kleine Kind und einen Ort, an dem die Würde mehr gilt als nur ein Wort in der Verfassung. Familienbildungsstätten – und davon sollte es in jedem Ort eine geben – sind eine solche Möglichkeit, doch für manchen ist es einfach nur das Bedürfnis, sich mit drei anderen Eltern so auszutauschen, dass sich daraus eine gemeinsame Betreuung für die Kinder ergibt, eine Art Nachbarschaftshilfe, eine gegenseitige Unterstützung, die aber über eine Einrichtung beraten und geführt werden könnte. Wie können wir uns politisch dafür einsetzen, dass für vielfältige und unterschiedliche Formen der Betreuungen Gelder zur Verfügung gestellt werden? Wie können Ausbildungen so sein, dass ein hohes Maß an Flexibilität geübt wird, um auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Wo könnten Gespräche ‹ehrlich› geführt werden, damit Eltern sich über ihre Nöte und Abgründe, den Spagat zwischen dem in vielen Jahren gelernten Beruf und dem Kind, austauschen können?

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