Ein Sturm

Christopher Marcus zu seinem Regieprojekt ‹Ein Sturm – A Tempest› von William Shakespeare mit dem dritten Jahrgang von amWort.


Die vorangegangene Produktion, die ich inszeniert habe – ‹Die Tagebücher von Adam und Eva› von Mark Twain mit zwei professionellen Schauspielern –, ermöglichte es mir, die Schnittstelle zwischen den fünf griechischen Gymnastikübungen und dem Spiel auf der Bühne zu erforschen. Rudolf Steiner hatte diese Übungen zur Erneuerung der Schauspielkunst gegeben, damit sie Grundlage allen körperlichen und stimmlichen Handelns auf der Bühne werden. Die Studierenden von amWort konnten an den fünf griechischen Gymnastikübungen – Laufen, Springen, Ringen, Diskus- und Speerwurf – Ausdauer und ein offenes Verhältnis zum Text aufbauen. Dies ermöglichte es mir, sie über die Schwelle des intellektuellen Inhalts in ein musikalisches, bewegtes Verhältnis zu dem Text zu führen, der hinter seiner intellektuellen Offenbarung liegt. Rudolf Steiner macht in seinem Schauspielkurs deutlich, dass sich die Spielenden in den Kampf zwischen Materialismus und Stil stellen müssen. Mit den Studierenden suche ich einen Bewegungsstil, der den Text aus seinem intellektuellen Inhalt heraushebt, sodass das Stück zu einem bewegten performativen Kunstwerk wird.

Es ist mir sehr wichtig, zu entdecken, wie sich die Kreativität und die Kunstfertigkeit der Studierenden auf der Bühne auslebt, sich erruptiv befreit – ohne jede Verlegenheit oder jedes Urteil darüber, ob es übertrieben, hässlich, schön oder dergleichen sei. Ich bin sehr glücklich über die Art, wie sie gearbeitet haben. Wie das tatsächliche Ergebnis aussehen wird, kann ich nicht sagen. Das empfinde ich als sehr inspirierend. Was wir inszenieren, wurde von etwa dreieinviertel Stunden Text auf etwa vierzig Minuten gekürzt. Um den beiden nicht deutschsprachigen Spielenden zu helfen, sich frei zu fühlen, lassen wir Prospero einen Teil seines Textes auf Japanisch sprechen und die Schauspielerin, die Caliban und Miranda spielt, einen Teil ihres Textes auf Georgisch. Das bietet dem Publikum die Möglichkeit, mehr das Was als das Wie zu erfahren. Während ich jetzt schreibe, stehen wir noch am Anfang eines Prozesses. Ich muss mir erlauben, mich vom Ausgang überraschen zu lassen. Ich hoffe, dass das Publikum es mit offenem Sinn aufnehmen wird und weniger mit der Erwartung, ‹den Sturm› zu sehen, sondern vielmehr ‹einen Sturm› als eine Spielfassung, um den Studierenden zu ermöglichen, tiefer in ihr Lernen über die Kunst des Schauspielens einzudringen. Bei diesem Lernen hilft ihnen die beinahe außerirdisch klingende atmosphärische Musik von Michael Kiedaisch. Ziel der Inszenierung ist es, zu zeigen, was Prospero sucht und findet: Liebe und Vergebung.


Aufführungen 30. und 31. Oktober, 19 Uhr

Bild Christopher Marcus und Marthe Müller Lüttken, Foto: Wolfgang Held

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