China lässt nach

«China lockert seine Anti-Covid-Maßnahmen», titeln die Zeitungen seit einigen Tagen. Das ist erfreulich.


Mit seiner ‹Null-Covid›-Politik wurden Menschen manchmal monatelang in ihren Wohnungen eingesperrt, täglich getestet und der Angst ausgesetzt, positiv getestet zu werden und sich in eine der dafür vorgesehenen geschlossenen Krankenstationen begeben zu müssen. Ganz zu schweigen von der Angst, dass der von der Regierung eingesetzte digitale Gesundheitspass plötzlich auf Rot gestellt werden könnte.

Natürlich waren die Anti-Covid-Maßnahmen auch in anderen Ländern der Welt, einschließlich Europas, oft aufdringlich und freiheitsfeindlich. Es scheint jedoch, dass Chinas ‹Null-Covid›-Politik zu besonders schwierigen Lebenssituationen und zu Verzweiflung und selbst Rebellion geführt hat. Dies zeigten uns die Bilder von heftigen Protestdemonstrationen, die uns in den vergangenen Wochen aus China erreichten – ein ungewöhnliches Phänomen im Reich der Mitte. Die Tatsache, dass sich die Regierung eines Landes, das oft als Diktatur bezeichnet wird, dazu entschließt, ihre Maßnahmen angesichts der Proteste zu lockern, ist zu Recht zu begrüßen. Im Übrigen ist anzumerken, dass die Sperrmaßnahmen in China zwar extrem hart, aber immer gezielt waren und dass im Gegensatz zu Europa der Impfzwang ein weitaus weniger eingesetztes Mittel war. Jedes Land hat seine eigenen Strategien.

In der einen oder anderen Form hat die Gesundheitskrise nicht nur großes Leid verursacht, sondern auch auf dem gesamten Globus grundlegende Fragen zur Freiheit aufgeworfen. Es scheint, dass wir in einer Zeit leben, in der das Problem der Freiheit zentral wird. Und angesichts dieses Problems stellt ein anthroposophischer Ansatz zwei Fragen: Kann eine Gesellschaft – auch wirtschaftlich – florieren, ohne die Freiheit des Einzelnen zu wollen und zu fördern? Und: Kann Freiheit unter der Herrschaft einer ausschließlich materialistischen Weltanschauung, die aufgrund ihres mechanistischen Charakters die Freiheit verneint, wirklich gedeihen? Diese Fragen sind in China genauso gültig wie anderswo – aber die Herausforderungen nehmen je nach historischem, kulturellem und politischem Kontext ein anderes Gesicht an.


Bild Strassenansicht in Hohhot, Innere Mongolei, Volksrepublik China, Foto: Quan Jing

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