Ich harre, mich umkreist die Zeit

Sieben weibliche Nebenhauptfiguren aus Goethes ‹Faust› erscheinen hier in einer Reihe: Manto ist die geheimnisvollste unter ihnen. Faust begegnet ihr auf seinem Weg zur ‹asklepischen Kur›, der Heilung und Einweihung im antiken Griechenland. Wieder verschiebt Goethe die Überlieferung. Im griechischen Mythos ist Manto die Tochter des Sehers Teiresias und damit selbst eine Seherin. Dies führt sie nach Delphi zu Apollons Orakel. Bei Goethe ist sie als Prophetin der Zeit enthoben, und deshalb ist ihr Zuruf zu Faust, wenn sie ihn in die Unterwelt eintreten lässt: «Den lieb ich, der Unmögliches begehrt», zugleich eine Weissagung seines Gelingens. Als Tochter des Heilgottes Asklepios ist sie bei Goethe darüberhinaus eine Heilerin und überragt wegen ihrer doppelten Gabe, zu heilen und zu prophezeien, den Heilhalbgott Chiron, der Faust zu ihr führt. Manto zeigt, dass im Heilen Prophetisches liegt.


Goetheanum Faust Sommer-Festspiel

Bild Manto und ihr Vater Tireisias, Gemälde von Henry Singleton

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