Neu auf die Bühne kam Goethes ‹Faust› im Herbst 2025 in der Inszenierung von Andrea Pfaehler und Rafael Tavares (Eurythmie-Regie).
Es war ein neuer Aufschlag der Aufführungen von 2020 bis 2022, wo mitten in der Corona-Zeit über 5000 Menschen den ‹Faust› im Goetheanum anschauten. Jetzt im Herbst waren mehr als 2000 Zuschauende bei dem neunstündigen Bühnenereignis dabei. Ein Dreivierteljahr liegt zwischen diesen Aufführungen und den kommenden drei neuen ‹Faust›-Festspielen im Sommer 2026. Ausatmen und Innehalten kann das Ensemble nur kurz, denn einige Rollen sind neu besetzt und auch im Text hat das Regieteam manches geändert. Sie fragten sich: War eine der 48 Szenen unverständlich? Wo fehlte Ruhe, wo Dynamik in der Handlung? Die Antworten lenken den Blick auf Goethes Text. Manche der früher nicht gespielten Passagen klopfen plötzlich an die Tür und andere Verse treten in ihrem Gewicht für diese Inszenierung etwas zurück. Daran lässt sich erfahren, wie lebendig der Text ist. Manchmal führt eine Zeile weniger für eine Rolle dazu, dass ihr Votum prägnanter wird und so an Gewicht gewinnt. Genauso tritt der umgekehrte Fall auf: Einige Zeilen mehr geben einer Figur einen Umraum, in dem sie sich entfalten kann. Immer ist es der unbegreifliche Wechsel eines zeitlosen Textes, der durch die biografische Wirklichkeit der Spielenden selbst Wirklichkeit wird. Versuch eines Vergleichs: ‹Faust› als Text ist so wie das Ewige von uns Menschen. Wird der Text auf der Bühne zur einzigartigen Gegenwart, dann ist es so wie die Inkarnation eines Menschengeists, der aus seiner Überzeitlichkeit in die Zeit geboren wird.
Anders als im Herbst wirft in den kommenden Aufführungen der Sommer sein Licht auf das Festspiel. Faust 2026 spielt im Sommer, Hochsommer! Das Licht, die Wärme, die Lebensfülle des Goetheanumparks prägen dann die Theatertage und schenken sonnige Pausen auf der Goetheanumterrasse, im Gartenpark. Da spielt der ganze blühende Campus mit, wenn es auf der Bühne am 10. Juli mit den Worten «Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten» losgeht. Wie sind die nächsten Schritte? Fertiges neues Textbuch an alle Spielenden ausgeben, Probenpläne verteilen, Kostüme anpassen, das Rahmenprogramm festzurren und dann: ab Ende Mai sechs Wochen auf der Großen Bühne und allen Nebenbühnen des Goetheanum die 48 Szenen von ‹Faust I und II› neu entdecken und so für dreimal Sommerfestspiel bereit sein.
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Bild Gretchen und Faust in der Inszemierung von 2025, Foto: Laura Pfaehler

