Die Konferenz ‹100 Jahre Rudolf Steiner› war die erste Jahreskonferenz des Programms für die ‹Evolution der Spiritualität› der Harvard University, die sich auf eine einzelne Person und eine einzelne spirituelle Strömung konzentrierte. Die Entscheidungen, die bei der Planung dieser akademischen Veranstaltung getroffen wurden, geschahen im Vertrauen auf die Widerstandsfähigkeit und Vielfalt von Rudolf Steiners Leben und Werk. Der Organisator Dan McKanan reflektierte über die Initiative.
Es war mir eine Ehre und Freude, als Fakultätsdirektor des Programms für die Evolution der Spiritualität (PES) die Konferenz ‹100 Jahre Rudolf Steiner› an der Harvard Divinity School (HDS) auszurichten. Die Konferenz war jedoch nicht meine Idee: Ich bin Aaron French und Henry Holland dankbar, dass sie mich davon überzeugten, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie waren maßgeblich an der Gestaltung des Programms beteiligt und planen gerade, zahlreiche der Beiträge zu veröffentlichen. Das PES hat bereits zahlreiche Konferenzen zu verschiedenen spirituellen Traditionen, auch zur Anthroposophie, veranstaltet. Aber wir haben erstmals eine Konferenz einer einzigen Tradition gewidmet. Die studentischen Mitarbeitenden des PES, Matthew Ceurvorst und Sadie Trichler, waren intensiv in alle Aspekte der Konferenzplanung eingebunden und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Hunderte von Menschen sowohl persönlich als auch aus der Ferne teilnehmen konnten.
In Offenheit begegnet
Die Harvard Divinity School ist in der einzigartigen Position, einen inklusiven Treffpunkt für engagierte Anthroposophinnen, Teilnehmer an anthroposophischen Initiativen, neutrale Forschende im Bereich der esoterischen Spiritualität und Vertreter der sogenannten ‹kritischen Steiner-Studien› zu schaffen. Deshalb haben wir diese Konferenz ausgerichtet. Wir waren uns bewusst, dass die Zusammenführung so unterschiedlicher Perspektiven für manche Menschen eine schwierige Erfahrung bedeuten könnte. Ich vermute, fast alle Teilnehmenden sind auf Ideen gestoßen, die als problematisch, voreingenommen oder geradezu beleidigend empfunden werden konnten. Aber ich habe mit Freude beobachtet, dass fast alle diesen Ideen mit echter Offenheit begegnet sind. Das galt meiner Meinung nach sowohl für Menschen, die regelmäßig die sechs Nebenübungen praktizieren, als auch für diejenigen, die dies nicht tun.
Um zu gewährleisten, dass sich alle gleichermaßen willkommen fühlen, haben wir eine schwierige Entscheidung getroffen. Unsere bisherigen PES-Konferenzen umfassten neben wissenschaftlichen Vorträgen auch praktische Workshops, künstlerische Darbietungen und Möglichkeiten zur Teilnahme an Ritualen. Dies war durch meine Erfahrungen mit Tagungen im Goetheanum inspiriert, wo eine wunderbare Mischung aus körperlichen Aktivitäten und intellektueller Reflexion geboten wird. Für die Steiner-Konferenz orientierten wir uns aber stärker an akademischen Konventionen. Zum einen befürchteten wir, dass Nicht-Anthroposophen solche Bewegungserfahrungen abschreckend finden könnten. Zum anderen wollten wir zeigen, dass Steiners Arbeit ein geeignetes Thema für strengste wissenschaftliche Untersuchungen ist. Erfreulicherweise hatten inländische und ausländische anthroposophische Verantwortliche wunderbare künstlerische und liturgische Veranstaltungen vor und nach der Konferenz organisiert. Das war eine Bereicherung!
Eine besondere Freude war für mich, dass so viele Persönlichkeiten des Goetheanum gründlich erforschte, kreative und dialogorientierte Vorträge gehalten haben. Es war beeindruckend, wie Menschen mit administrativer Verantwortung ihre Freude über neue Erkenntnisse teilen. Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft nimmt ihre akademische Verantwortung offensichtlich sehr ernst. Sie hat uns, die wir in eher etablierten akademischen Einrichtungen arbeiten, viel zu bieten. Ich hoffe darauf, dass sich dieser begonnene Dialog fortsetzen wird.
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Video Interviews von der Konferenz ‹100 Years Rudolf Steiner› in Harvard
Titelbild Harvard Divinity School, Foto: Garret Harkawik


