Vorgesegnet

Neulich an einem Abend mit Freunden und deren Kindern am Feuer, im Gespräch über die Sterne und Gott – die Perlenschnur von Elon Musks Satelliten rauschte vorüber wie ein Schwanenzug bei Nacht und wir wussten nicht: Ist das die Eroberung des Himmels oder ein neues Sternbild, das der Mensch kreiert? – versprach sich der 17-jährige Sohn, als er kundtun wollte, dass er ans Schicksal glaube. «Unsere Wege sind vorgesegnet», kam ihm aus dem ‹Kindermund›.


‹Vorgesegnet› hat eine ganz andere Qualität als ‹vorherbestimmt›. Es ist milder, sanftmütiger und birgt einen Vertrauensvorschuss in uns als Menschen, allein nur deshalb, weil wir Menschen sind. Mir als protestantisch sozialisiertem Wesen war das ein Umbruch, der für mich vor allem auf ein Potenzial verweist. Wenn wir ‹Vorgesegnete› sind, lebt auch das Gute, Schöne und Wahre in uns von Anbeginn. Wir sind also auch ausgestattet mit der Kraft, Segen zu spenden, weil er uns gespendet wurde. Nicht nur das Dunkle, die Schattenreiche, das Begierdenhafte, die Egoismen dieser Welt wallen durch uns hindurch. Wir sind ihnen nicht nur ausgeliefert und müssen um das Licht ringen.

Wie sähe es aber aus, der Welt, den Mitmenschen, dem Tier, der Pflanze Segen zu spenden? Kann ich mein Handeln so begehen, dass es auch Segnung ist? Segnende Hände sind liebevoll, wissen, wie und was sie tun. Sie ‹preisen jemanden gut›, aber nicht mehr im Wort, sondern in der Tat. Licht und Licht berührten sich auf der Erde?

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