Unvergleichlich

Budapest, Ungarn /Dornach, Schweiz. László Gergő Bialkó ist Alumnus des Onlinekurses ‹Fünf Wochenenden Anthroposophie›. Seine Auseinandersetzung mit Rudolf Steiners Werk führte ihn zum Goetheanum. Ein persönlicher Bericht.


Zum ersten Mal begegnete mir der Name Rudolf Steiner während meines Studiums der Philosophie und Religionsgeschichte – doch ich würde lügen, wenn ich behauptete, sein Werk hätte mich auf Anhieb fasziniert.

Mein späteres, tieferes Interesse an Steiner hatte ursprünglich zwei Gründe: Zum einen wurde die deutsche Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts zu meinem akademischen Forschungsschwerpunkt. Zum anderen erfuhr meine kleine Tochter an einer Waldorfschule jene Zuwendung und Aufmerksamkeit, die jedem Kind zusteht.

Anlässlich des 100. Todestages von Steiner erwarb ich die neu auf Ungarisch erschienene Ausgabe von ‹Die Philosophie der Freiheit›. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, vertiefte ich mich in weitere Werke Steiners und fragte mich, wie es wohl wäre, die Anthroposophie auf strukturiertere Weise zu erkunden. Also meldete ich mich für einen Onlinekurs am Goetheanum an – auch wenn ich damals noch gar nicht wusste, was es mit der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft eigentlich auf sich hat. Ich freute mich sehr über diesen englischsprachigen Kurs, der nicht nur die Teilnahme an Seminaren und Kolloquien erforderte, sondern auch praktische Einheiten und Beratungsgespräche umfasste, in denen wir unter anderem mit Eurythmie und der Waldorf-Malerei in Berührung kamen. Mir wurde klar, dass ich früher oder später das Goetheanum persönlich besuchen sollte.

Schon auf dem Weg nach Dornach begegnete mir eine Welt, die einen förmlich aus dem Alltag herauszustehlen vermag. Je näher wir dem Goetheanum kamen, desto prägnanter trat die organische Architektur hervor. Die Atmosphäre an diesem Ort ist unvergleichlich.

Es herrscht dort eine anheimelnde Ruhe, die mir das Gefühl gab, nach Hause zu kommen. Die schiere Größe des Goetheanum nahm mich auf den ersten Blick gefangen. Ich war fasziniert von den kleinen Nischen, Gängen und Treppen, während die weitläufigeren Säle dazu einluden, sich auf eine Reise durch die Kulturgeschichte und das Reich der Ideen zu begeben. Das Goetheanum ist ein Ort, an dem jedes noch so kleine Detail Beachtung verdient.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Statuen der drei großen deutschen idealistischen Philosophen Fichte, Schelling und Hegel; ebenso der Anblick der Erstausgaben von Steiners Werken sowie der ‹Gedenkhain›, in dem die Asche von Rudolf Steiner und Christian Morgenstern ruht.

Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages zurückkehren werde.


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Bild László Gergő Bialkó, Foto: privat

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