Basel, Schweiz. Die vom Verein Iconarium kuratierte Ausstellung ‹Forum Res Sacra – Orthodoxe Kunst, Wissenschaft und Religion im aktuellen Dialog› stößt durch die Präsentation wertvoller sakraler Objekte einen interkonfessionellen und interreligiösen Dialog an.
Die Ursprünge und die kulturelle Bedeutung des orthodoxen Kulturerbes für das westliche Christentum sind nur noch wenigen Menschen bewusst. Dabei prägen seine Einflüsse unseren Alltag bis heute. So bezeichnen wir besonders bekannte und erfolgreiche Persönlichkeiten als ‹Ikonen›, ohne zu wissen, woher dieser Begriff stammt. Ebenso haben wir die Vorstellung von Bildern als Zugang zu einer anderen Wirklichkeit oder als Moment der Intimität mit den Malenden verinnerlicht. Auch diese emotionale Dimension hat ihren Ursprung in der Ikone. Sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede der verschiedenen christlichen Konfessionen sind im heutigen gesellschaftlichen und öffentlichen Leben jedoch stark unterrepräsentiert.
Die Ausstellung ‹Forum Res Sacra› und die begleitende Veranstaltungsreihe öffnen im Philosophicum Basel vom 10. Dezember 2026 bis 9. Januar 2027 einen Raum, der sowohl stille Begegnungen als auch eine lebendige Auseinandersetzung mit der Wirkkraft und der Bedeutung von Ikonenwerken ermöglicht. Dabei werden die Exponate in erster Linie als Kultobjekte und erst in zweiter Linie als Kunstobjekte verstanden. Im Mittelalter wurden Ikonen als wirkmächtige Gegenstände geschaffen – als Gott gewidmetes Eigentum mit erkenntnisfördernden Eigenschaften. Sie waren in den sakralen Raumkontext eingebunden, wurden berührt, getragen und aktiv in liturgische Handlungen einbezogen. Michele Bacci, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Fribourg, bezeichnet ein christliches Artefakt in diesem Zusammenhang als ‹Res Sacra›.
Die Exponate stammen aus den Depots verschiedener Museen in Genf, Lenzburg, Morges, Chambésy, Basel, St. Gallen, Romont, Recklinghausen sowie aus Schweizer Privatsammlungen und Klosterbeständen.
In einer Zeit, in der sich die abrahamitischen Religionen in verschiedenen Teilen der Welt in Konflikten gegenüberstehen und dadurch nicht selten zu einer wachsenden Skepsis gegenüber dem Sakralen beitragen, besitzt ein solches kulturell-religiöses Projekt besondere Aktualität. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierungen setzt ‹Forum Res Sacra› ein Zeichen für Verständigung und Versöhnung. Gerade die vertiefte Auseinandersetzung mit sakraler Kunst eröffnet neue Perspektiven und kann dazu beitragen, die zentralen Botschaften des christlichen Glaubens auf zeitgemäße Weise neu zu erschließen und im ökumenischen Sinn zu vermitteln.
Bild Nina Gamsachurdia, Foto: Verein Iconarium

