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Für das Wohl der anderen

‹Parzival› als Epos von Wolfram von Eschenbach kann man bisher nicht auf Hebräisch lesen. Das möchte eine Gruppe junger Menschen ändern und daraus einen hoffnungsvollen Impuls für die Gesellschaft schöpfen. Seit 2017 arbeiten sie an einer eigenen Finanzierung für die Übersetzung und Herausgabe. Wir sprachen mit Roi Schmelzer, einem der Initiatoren.


Wie kam dieses große Projekt zustande?

Es war ganz klein … Wir haben innerhalb unseres Jugendkreises von Anthroposophiestudierenden aus Harduf und Tivon von dem erfahren, was Rudolf Steiner als Bedeutung des ‹Parzival›-Epos für unsere Zeit hervorhebt: dass der Initiationsweg unserer Zeit in ein Kunstwerk verwandelt ist. Wir wollten es also lesen, konnten aber keine hebräische Ausgabe finden. So machten wir uns daran, einen Übersetzer aus Harduf zu kontaktieren. Dann begannen wir Spenden zu sammeln. Der Übersetzer Amos Ben Aharon hat uns die Hälfte seiner Arbeit frei angeboten, wenn wir die andere Hälfte finanzieren können. Außerdem haben wir eine Forschungsgruppe organisiert, die ein Jahr lang ‹Parzival› und die Steiner-Vorträge dazu gründlich studierte. Aus den Spenden ist bis jetzt ein Fünftel der geschätzten Kosten zusammengekommen. Genug, um erst mal weiterzuarbeiten und in ein paar Jahren, wenn das Werk fertig übersetzt ist, ein Crowdfunding zu veranstalten.

Warum interessiert euch ‹Parzival› so sehr?

Parzival ist ein Vertreter der Bewusstseinsseele, ein Individuum, das seinen Weg in einer unsicheren Welt findet und durch sein Leiden fähig wird, sich zu entwickeln und die Wunden seiner Mitmenschen zu heilen. Durch sein Leiden entwickelt er Weisheit und Mitgefühl – das ist gerade in Israel relevant. Wir brauchen die Geschichte auch auf Hebräisch, damit sie allen offensteht. Falls möglich wollen wir die Übersetzung auch professionell in einem Verlag herausgeben.

Welche Aspekte dieser Geschichte sind gerade in Israel relevant?

Die Konflikte in und um Israel sind bekannt. Die Verzweiflung, die sich ausbreitet, und die Hoffnungslosigkeit in Bezug auf eine Wende zum Besseren liegen wie ein Schatten über dem Land. Ich denke, es ist die Kraft dieser Rittergeschichte, sich in der Dunkelheit gegen alle möglichen Widerstände als strebender Mensch zu halten und trotz der Misere und des Schmerzes immer weiterzugehen, ja sogar durchzugehen und daran ein offenes Herz zu entwickeln. Wir müssen nach dieser Möglichkeit streben, dem anderen Menschen aus warmer Anteilnahme und mit Sorge um sein Wohlergehen zu begegnen.


Kontakt zur Initiative roi.schmelzer@gmail.com

Bild: Amberger Parzifal / Wikimedia

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    Sylvia Braun
  • Danke Herr Soldner für diese ausgewogene Ausführung. Man würde ja...
    mgschwindgrieder
  • Danke Annette Bogatay für die Aufklärung diese beiden Begriffe. Genau...
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