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Vom Pfad zum begehbaren Weg

In Brasilien wurde der Hebammenberuf in den 1980er-Jahren abgeschafft. Vor diesem Hintergrund bahnte Angela Gehrke (1956–2000) mit der Casa Angela einen Weg für eine menschliche Geburtshilfe. Merja Riijärvi würdigt hier die Gründerin und alle, die mit diesem Impuls in Monte Azul, São Paulo, arbeiten.


Mutig.

Ob sie selbst wusste, dass sie mutig war? Eher nicht. Sie war eine Hebamme ihrer Zeit, hatte Frédérick Lebouyer besucht und sich von ihm inspirieren lassen. Sie war ehemalige Waldorfschülerin und Tochter einer anthroposophischen Ärztin und hatte eine Sensibilität für die Not und für ihre Umgebung. Sie war warmherzig und konnte Ideen bis auf den Boden bringen.

Zur Favela.

Inspiriert von der Arbeit von Ute Craemer in São Paulo, packte sie ihren Rucksack und ging in einem Blechwand-Ambulatorium in der Favela arbeiten. Da der Hebammenberuf offiziell nicht existierte, schlenderte sie von Hütte zu Hütte, massierte die Beine der Frauen, knüpfte Kontakte. Später begann sie Frauen teilweise illegal zu entbinden.

Immer weiter.

Oft war es gefährlich durch die Präsenz von Kriminellen, Drogensüchtigen, Gewalt. Es war auch ein Kampf mit den Behörden. Aber es lebte auch viel Hoffnung. Frauen gingen auf die Straßen, wollten anders gebären, anders gehört werden. Sie arbeitete weiter. In Notfällen fuhr sie in Windeseile ins Spital, hupend, ein selbst gebasteltes Blaulicht auf ihrem Autodach. Und über den Wiegen gab es immer … einen farbigen Schleier. 1998 erkrankte sie an Krebs, und sie starb am 5. März 2000 in Deutschland.

Jetzt.

Heute gibt es auf dem Monte Azul ein Ambulatorium, ein Geburtshaus und ein Frauengesundheitszentrum mit einem jungen, dynamischen Team. Casa Angela ist Teil des öffentlichen Gesundheitssystems und es gibt jetzt auch eine Hebammen-Lehrstelle an der Universität São Paulo. In der Casa ist immer noch der Mut von Angela unterwegs, und farbige Schleier hängen über den Wiegen.


Mehr: www.casaangela.org.br

Bild: Casa Angela, Angela Gehrke in den 1980er-Jahren

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