Die Suche nach dem Verständnis der Welt fällt in hohem Maße mit der Suche nach Selbsterkenntnis zusammen. Vor 26 Jahren begegnete ich dem Goetheanum. Als junger Mensch war dies eine einzigartige Erfahrung, in der etwas Großes in meinem Leben geschah. Ich entwickelte mein Studium in Anthroposophie und forschte in der Naturwissenschaftlichen Sektion und der Sektion für Landwirtschaft. Ich begegnete den Impulsen und der Suche junger Menschen in der Jugendsektion. Ich identifizierte mich als Teil der esoterischen Michael-Schule. Im Laufe der Jahre ist diese Reise immer intimer geworden und sie möchte sich der Welt in Form von Taten und Initiativen präsentieren.
Meine Lebenslandschaft veränderte sich äußerlich und innerlich, doch die Suche nach Selbsterkenntnis und Wissen kannte keine Grenzen. Heute in Brasilien, als Mitglied der Michael-Schule und als Vermittlerin der Ersten Klasse, versuche ich, den Menschen durch die portugiesisch-brasilianische Sprache einen unmittelbaren Zugang zu eröffnen. Persönliche Begegnungen, die von Herzen kommen, sind äußerst wichtig. Offen zuzuhören und Gespräche zu führen, in denen sich alle frei und angeregt fühlen, sich auszudrücken, Erfahrungen und Entdeckungen auszutauschen, ist die Geste und Ermutigung, die ich zu fördern versuche. In den Treffen im Rahmen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, die sehr intim sein können, findet die Wärme der Liebe ihre Erfüllung. Etwas geschieht individuell und intim, aber auch im ‹Dazwischen› der Teilnehmenden offenbart sich das Wesentliche.
Die Sprache der einleitenden Texte und Mantren ist in der Übersetzung ins brasilianische Portugiesisch mit dem verbunden, was subtil im Sinn und in der Bedeutung existiert. Die sprühenden und melodischen Wendungen der Sprache und der Anordnungen der Kompositionen der Imagination der Mantren verlebendigen die Empfindungen. Die Arbeit mit den Texten hilft uns, dem Weg zu folgen, der zum Reichtum der von lebendigen Bildern genährten Mantren führt.
Brasilianisches Portugiesisch ist eine Sprache, die durch die afrikanischen und die Sprachen der ursprünglichen Bevölkerung Brasiliens bereichert wurde, ganz zu schweigen von späteren sprachlichen Einflüssen. Der Klang ist fließend, seine Melodie regt die Seele an, farbenfrohe Imaginationen mit großer Vielfalt zu erleben. Diese Eigenschaft verbessert die Bilder, die verinnerlicht und meditiert werden sollen. Sicherlich ist es eine unserer Aufgaben, diese reiche und zum Nachdenken anregende Qualität der brasilianischen Sprache in den Klassenstunden zu vertiefen. Ich bin jedoch überzeugt, dass im Herzen des Individuums die wahre Bedeutung und das Gefühl der Zugehörigkeit zur Michael-Schule in Brasilien und weltweit widerhallen.
Wie kann ich die tägliche landwirtschaftliche Arbeit durch die Erfahrungen mit den Inhalten der Klassenstunden stärken und andere Menschen daran beteiligen? Diese Frage ist für mich ständig in Bewegung, wenn ich auf die Reiche der Natur und die vier Elemente stoße. In der Landwirtschaft beschäftigen wir uns mit der sinnlichen Welt, aber auch mit den Kräften, die diese Existenz und ihre Rhythmen antreiben. Wir beobachten die himmlischen Rhythmen in der Bewegung der Sonne, des Mondes und der Planeten sowie ihr Mitwirken in der landwirtschaftlichen Praxis. Als Landwirtinnen und Landwirte sind wir in die Erfahrung zweier Welten eingebettet: der sinnlichen und der übersinnlichen. Brücken zwischen ihnen zu bauen, wird zur herausfordernden Aufgabe. In den Reichen der Natur finde ich, was mich als spirituelles Wesen verankert. Von den Elementen empfinde ich den Anreiz in den Kräften, die mich dazu bewegen, mich zu verwandeln, um zu lernen, mein Herz für die Bedürfnisse der Zukunft der Erde und der Menschheit zu öffnen. Die Arbeit auf dem Land ist die Praxis der Meditation in Form von Handlungen, in der Verwirklichung der Vermenschlichung des Individuums. «Der Landwirt ist ein Meditant!» Diese Erwähnung von Rudolf Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs berührt. Die tägliche Erfahrung der Elemente, Rhythmen und Reiche der Natur lädt ein, subtile Dimensionen des Lebens wahrzunehmen und ein Denken zu entwickeln, das sich in der Beziehung zwischen den Offenbarungen bewegt. Die Sinneswelt wird transparenter für das Handeln des Geistes, da sind wir aktiver Teil des Prozesses.
Bild ‹Six› von Helen Comerford

