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Die große Weide

Es ist zehn Jahre her, seit ich mit 40 Reisenden beinahe 1000 Kilometer durch die Mongolei zum Altai-Gebirge fuhr. Dort war die Sonnenfinsternis zu sehen und Flüge von Ulan Bator, dieser kältesten Hauptstadt der Erde, waren zu unsicher.


Also fährt man in russischen Jeeps durch die Steppe, Halbwüste und Wüste und durchmisst so die größte und zugleich am dünnsten besiedelte Weide der Erde. Nur ab und zu paarweise Tupfer auf dem feinen Grün: die Jurten der Hirten. Die Fernsehschüssel dokumentiert die Neuzeit, aber gleichwohl gilt: Wer zu Besuch kommt und niemanden antrifft, kocht Tee und wird so als Gast zum Gastgeber.

Manche Regeln erscheinen wie ein Echo der alten Naturreligion. So wäscht man nichts in den flachen Flüssen, sondern schöpft das Wasser und putzt und reinigt auf dem Trockenen.

Schließlich erreicht man das Altai-Gebirge. Man muss kein Geologe sein, um das gewaltige Alter dieser Berge zu erkennen. Alle Hänge laufen flach in die Landschaft – Erosion über Millionen Jahre. Wie jung sind dagegen die Alpen! Aus dieser Weite, aus diesem Alter schöpft Galsan Tschinag, in diesem ‹Goetheanum› mit Christiane Haid im Gespräch, seine Sprache.


Foto: Wolfgang Held

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