Rembert Biemond hat das Onlinearchiv für den Anthroposophen und Lehrer Jörgen Smit neu gefasst.
Jörgen Smit (1916–1991) kam 1975 in den Vorstand am Goetheanum, übernahm die Jugendsektion und später auch die Pädagogische Sektion. Der norwegische Hüne machte den anthroposophischen Schulungsweg zum Kulturereignis, lange bevor man anderswo von Persönlichkeitsentwicklung zu sprechen begann. Dreimal hatte er in Norwegen eine Klasse von 1 bis 8 geführt, dann in Järna Studierende unterrichtet und dann kam die Dornacher Zeit. Im zweijährigen Turnus bildete jeweils das Kollegium der Jugendsektion eine Schülerschaft um ihn. Viele aus seinem Jugendumkreis tragen und trugen die Anthroposophie: Nana Göbel (Freunde der Erziehungskunst), Johannes Kühl (Goetheanum), Paul Mackay (Goetheanum, GLS-Bank), Jean Claude Lin und Andreas Neider (Verlag Freies Geistesleben), Anneka Lohn (Evidenz-Stiftung), Markus Jermann (Gemeinschaftsbank). In der Mitte: Rembert Biemond. Erst von den Niederlanden, dann ab 1987 vom Goetheanum aus war und ist er Jörgen Smits Mensch des Vertrauens. Die vier gemeinsamen Jahre 1987 bis 1991 steigerten sich zu vier ereignisreichen Monaten vor Smits Lebensende. Der Zweig am Goetheanum hatte eine Vortragsreihe zum Schulungsweg mit Jörgen Smit vereinbart. Beim ersten Vortrag musste man in den Großen Saal wechseln, beim zweiten gab es selbst dort nur noch Stehplätze. In diesen Gipfel des Schaffens fiel die viermonatige Krankheit, während der Biemond Jörgen – so nannten ihn die meisten – noch enger zur Seite stand. «20–30 Themen im Stakkato hat er täglich vom Krankenlager beauftragt.» Rembert Biemond hat 2010 unter joergensmit.org ein Onlinearchiv aufgebaut, das dessen 50-jähriges anthroposophisches Schaffen zeigt. Ein Juwel darin: der einzige filmisch aufgezeichnete Vortrag, gehalten an der Universität Wien. Jetzt steht das Archiv überarbeitet und erweitert zur Verfügung. In den kommenden Monaten will Rembert Biemond die fehlenden Lücken schließen. Im Archiv findet man die Blättersammlung, in der Jörgen Smit alle 4889 Vorträge mit Datum, Ort und Thema gelistet hat. So ist in 4889 Zeilen zu lesen, was in eine Million Herzen sich senkte. Was fehlt, ist Smits erster Vortrag als neun- oder zehnjähriger Schüler, so Biemond. Er habe vor der Klasse ein Referat halten müssen und vom Lehrer anschließend zwei Kommentare erhalten. Großartiger Inhalt, miserabel in Rhetorik und Aufbau. Jörgens Reaktion: «Das war ein gutes Zeugnis, denn ‹miserablen Aufbau› kann man verwandeln: Ich muss üben!» Diese Erfahrung brachte den großen Redner dazu, wie Rembert Biemond berichtet, sich eine Zehn-Finger-Technik zu geben, der er treu blieb: «Zehn Kerngedanken für die zehn Finger geben dir Struktur und Transparenz.» Seinen letzten Vortrag hielt Jörgen Smit über Venus, über die Liebe. Nach dem Vortrag ging er auf die Terrasse und zeigte Venus am Nachthimmel, als würde er seinen kommenden Sternenweg in den Blick nehmen.
Foto Jörgen Smit, privat

