Im Textband zu den Goetheanum-Fenstern erzählt Assja Turgenjewa von den Korrekturen und Hinweisen Rudolf Steiners zu ihrer Suche und ihren Versuchen der Schraffur auf Papier und in Glas. «Der Verstand ist ein böser Hund im Künstlerischen. Gewiss müssen Sie einen Gedanken, eine Idee gehabt haben. Aber Sie müssen sie dann hinter sich lassen, sie vergessen und nur aus dem Gefühl arbeiten.» So erinnert sie Rudolf Steiners Worte und weiter: «Sie dürfen nie vorher wissen, wie das Bild, die Komposition fertig aussehen wird.» Und: «Nur in Ihren Köpfen sind Sie sentimental, das Herz weiß schon das Richtige.» Assja schreibt, dass sie «ratlos vor solchen Worten stand» und sich «bemühte, innerlich zu lauschen». In ihren Werkstattberichten klingt durch, dass sie sich überfordert fühlte. Auch Rudolf Frieling, Mitgründer der Christengemeinschaft, beschreibt, wie es auf seiner Seele laste, dass er nicht ausreichend vorbereitet sei für die Gründung der neuen christlichen Religionsgemeinschaft. In den Chroniken werden dann die Taten gefeiert, und es ist nicht von den Zweifeln, Selbstzweifeln und womöglich der Verzweiflung die Rede. Dass es sie gab, ermutigt, wenn man heute nicht weiterweiß.
Bild Assja Turgenjewa (1890–1966)

