Bin ich im Paradies?

Zur Tagung ‹100 Jahre Leier-Impuls›.


An der Tagung Ende August zum 100-jährigen Bestehen der Leier kamen rund 440 Menschen am Goetheanum zusammen. Interessant: Diese Zahl entspricht der Hertz-Frequenz des Kammertons a. Mensch und Musik im Gleichklang. Es war, so Stefan Hasler, ein Zusammenklang von Musikinteressierten aus Asien, Japan, China und Taiwan wie auch aus Süd- und Nordamerika sowie Europa. Jeden Morgen gab es ein gemeinsames Spiel im Großen Saal. Der periphere Ton aus 440 Leiern verzauberte den Saal und hob ihn in eine andere Sphäre. «Dieser Klang hat uns alle im tiefsten Sinne berührt und legte einen Klangboden für die vielen Begegnungen über den Tag. So setzte ich mich irgendwo im Goetheanum hin und sogleich ging mit dem Sitznachbarn ein Gespräch los, und wir hatten beide den Eindruck, dass es wichtig und richtig war, dass wir uns jetzt ausgetauscht haben.»

Der morgendlichen Saitenmusik im Saal ging das Stimmen an 440 Winkeln am Goetheanum voraus, denn alle suchten sich eine Ecke, um ihr Instrument zu intonieren. An den Abenden gab es Konzerte von bis zu 30, 40 Leierspielenden auf der Bühne – Leiertöne in fernöstlicher oder brasilianischer kultureller Färbung. Den Tag über gab es verteilt im Goetheanum kleine Gruppen im gemeinsamen Spiel. Außerdem haben sich Leierbauer und -bauerinnen getroffen und den Klang ihrer Instrumente gegenseitig belauscht. Hasler weiter: «Ein Kollege am Goetheanum, der sein Arbeitsbüro im Erdgeschoss hat und so den ganzen Tag von diesen Leierklängen umgeben war, fragte mich: «Sage mal, bin ich jetzt im Paradies? Oder bin ich gestorben und ich habe es selber gar nicht gemerkt?» Beides zeichnet ein Bild vom besonderen Zustand, in den das Goetheanum durch diese 440 Spielenden getaucht und erhoben war.»

Für die Sektion für Redende und Musizierende Künste zieht Stefan Hasler ein durchweg positives Fazit: «Dass sich so viele Leierspieler und -spielerinnen getroffen und ausgetauscht haben, dass Kompositionen erklangen, die man lange nicht gehört hat, das führte zu diesem einmaligen Ereignis. Die von Rudolf Steiner initiierte Leier hat so eine besondere Würde und Energie erfahren und klingt seitdem etwas anders.»


Foto Xue Li

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