Die Aktionärsversammlung der Weleda und das Interview waren Ende Mai, jetzt vor drei Monaten. Die Zeit schreitet fort. Bei der Weleda, bei der anthroposophisch-medizinischen (AM) Bewegung und bei den Hauptaktionären stehen neue Themen im Fokus. Die Verjüngung der Marke und das forcierte Wachstum der Kosmetik sind gelungen, sie hatten aber ihren Preis. Jetzt brauchen andere Themen mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen. Das ist erkannt und daran wird gearbeitet.
Für den Erhalt einer guten Eigenkapitalquote und damit der Unabhängigkeit der Firma sowie für die Fähigkeit, wieder eine Dividende auszuschütten, bedarf es weiterer Schritte, an denen der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung arbeiten. Die Aktionärinnen und Aktionäre sowie Partizipantinnen und Partizipanten erwarten eine Ausschüttung. Das Goetheanum als Hochschule und die Klinik Arlesheim als Forschungs- und Ausbildungsort brauchen diese Gelder. Mit Grundlagenforschung und Weiterbildung wird langfristig auch die Weleda gestärkt.
Die anthroposophisch-medizinische Bewegung steht neu auch in Deutschland im Gegenwind zur offiziellen Politik. Diesen Sommer wurde die Erstattungsfähigkeit von Anthroposophika durch Krankenkassen gestrichen. Begründung: Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Diese Einschätzung kam nicht über Nacht, aber jetzt ist sie Fakt. Die ganze AM-Bewegung steht in einer herausfordernden Situation. Und damit in neuer Weise auch die Weleda und alle anderen Hersteller von anthroposophischen Arzneimitteln. Wie können aus dieser Krise – und die Pharmasparte der Weleda ist ja schon lange in der Krise – neue Kräfte für eine gesellschaftlich positiv verankerte Anthroposophische Medizin geweckt werden?
So steht die Weleda nach einem umsatzstarken ersten Halbjahr bei der Kosmetik in dem nun beginnenden Herbst vor weiteren intensiven Herausforderungen. Die Zeit schreitet fort.
Bild Tina Müller (CEO Weleda), Thomas Jorberg und Ueli Hurter (Verwaltungsräte Weleda) im Gespräch mit Wolfgang Held, Foto: Eliza Rozenboom



