Ich verlangte eine Quittung für den viel zu teuren Besuch des kleinen äthiopischen Gehöfts. Aber die Männer sahen nur verständnislos zu mir herüber. Wurde ich gerade übers Ohr gehauen? Ich hörte mich an wie meine Mutter und erkannte unverhohlen, dass ihr Umgang mit den Dingen mich geprägt hatte. Witzig und charmant versuchte ich, die Situation dann zu überspielen, ohne mein Frausein in den Fokus zu rücken. Denn die haben in diesen Dingen bestimmt nicht viel zu sagen hier. Im Stillen befand ich den Guide als überheblich, bevor ich mitbekam, dass er der Linie der Clanführer entstammte. Schlussendlich saß ich in der Hütte der jungen Ehefrau und lauschte ihrem Gesang – so schön wie der Savannenwind um 17 Uhr.
Unter unseren Kleidern aus Gewohnheiten, Habitus, Prägungen, Kultur und Biografie beginnt die Wandlung. Sie sind uns Schutz, auch Werkzeug, sie entzweien oder verbinden uns. Aber erst darunter kann das Gewordene befreit werden. Mit Licht. Und aus Licht muss irgendwann Liebe werden, je mehr es die Materie ergreift. Wo ich mir meiner Identitäten bewusst bin, wo ich nur noch ich bin, hinter meinen Kleidern, da begegne ich meinem Menschengewand.
Bild Gehöft in Südäthiopien, 2023, Foto: Gilda Bartel


