Wo die Natur sich als Wind oder Flut bewegt, da dachten die Griechen der Antike Naturwesen, die Nymphen. Die Nereiden, hundert Töchter des Nereus, wie Platon erzählt, sind solche auf Delfinen reitenden Elementarwesen im Mittelmeer. Kalypso, die sich in Odysseus verliebt, ist eine der bekanntesten und Galatea, die ‹Milchweiße›, die schönste unter ihnen. Bei Homer ist sie mit dem einäugigen Riesen Polyphem verbunden – derselbe Mythos wie später das Märchen ‹Die Schöne und das Biest›: Schönheit macht das Hässliche schön. Bei Ovid ist sie eine Statue von solcher Schönheit, dass sich der Bildhauer in sein Werk verliebt und Aphrodite ihr darauf das Leben schenkt. Schönheit macht lebendig! Das nimmt Goethe für den ‹Faust›. Dort will der Kunstmensch Homunculus lebendig werden und stürzt sich dazu in diese Naturschönheit. Auch hier: «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.»
Goetheanum Faust Sommer-Festspiel
Bild ‹Triumph der Galatea› von Raffael (1512)


