Der Übergang von äußerer Betrachtung zur innerer Umwandlung – Kolloquium der Naturwissenschaftlichen Sektion vom 29. bis 31. Mai 2026.
«Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf», so schrieb Goethe über seine naturwissenschaftlichen Arbeiten. Als Forschende entwickeln wir uns in unserer Arbeit und beginnen in der Zuwendung zur Natur geistige Organe auszubilden, die uns mit der Welt tiefer verbinden. Doch ist hier Vorsicht geboten: Was Goethe mit der Bedingung «wohl beschaut» meinte, können wir in seiner ‹Farbenlehre› ablesen. Sie führt in drei Kapiteln zunächst tief in eine experimentelle Methode, in der der oder die Forschende ein Gespräch mit dem Gegenstand seiner Betrachtung beginnt, an dessen Ende fast ausnahmslos eine tiefe innere Krise steht: Auf dem Weg von den physiologischen Farben in die physischen und schließlich chemischen Farben geht die Farbe als Erscheinung, als Angeschautes, verloren – es bleiben Stoffe, Pigmente, Säuren, Basen und Bedingungsgefüge allein übrig. Doch dann, so beschreibt es Goethe, können die Forschenden im Inneren an den sich in ihnen aussprechenden Zusammenhängen die Innenseite der Farben entdecken.
Rudolf Steiner beschreibt in ‹Vom Menschenrätsel›, wie man vom gewöhnlichen Bewusstsein zu dem ‹schauenden› Bewusstsein kommen kann, indem man das Denken so verstärkt, dass man zuerst zum Erleben des Gedachten kommt und weiter noch den Willen in das Denken einbringt. Diese besondere Fähigkeit knüpft er an die ‹anschauende Urteilskraft› von Goethe an.
Er beschreibt dazu genau, wie man den eigenen Willen schulen und metamorphosieren muss, um diese Seelenfähigkeit zu entwickeln, und verdeutlicht diesen Vorgang am Beispiel der Pflanzenwelt. So beginnt man in der Betrachtung einer Pflanze zuerst mit der äußeren Seite. Schon im Versuch, zwischen den Merkmalen Zusammenhänge herzustellen, ist die Umkehrung des Willens notwendig. Man kann die Zusammenhänge fließend-organisch erst dann erkennen, wenn man in sie eintaucht und versucht, von innen heraus ihre Entwicklung und alle zum Ausdruck kommenden Qualitäten wach mitzuerleben. So entsteht innerlich ein immer volleres Pflanzenbild, auch im Miterleben ihrer Jahreslaufentwicklung am Standort. Man wird ihrem Wesensanteil immer intensiver begegnen und kann zuletzt ihre Qualitäten sogar moralisch erleben. In die Seele der Betrachtenden fließt nun das Seelisch-Geistige dieser Pflanze ein. Zu diesem Thema veranstaltet die Naturwissenschaftliche Sektion am Wochenende nach Pfingsten ein Meditationskolloquium. Wer eine Arbeitsgruppe hierzu anbieten möchte, um sein «Schwellenerlebnis so präzise wie möglich zu teilen», melde dies bitte bis 31. März 2026.
Bild Veranstaltungsflyer


