Üben, Üben, Üben

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Kabelvåg, Norwegen / Wien, Österreich. Ein Film über das Aufwachsen in einer krisenbehafteten Welt, über Prinzipien und die Liebe zur Musik.


‹Flygskam› ist das schwedische Wort für Flugscham und bezeichnet das persönliche Unwohlsein, das manche Reisende beim Fliegen empfinden, da sie sich über dessen klimaschädliche Auswirkungen bewusst sind. Teilweise bewegt Flugscham Menschen dazu, gar nicht mehr zu fliegen. Der ehemalige Stuttgarter Waldorfschüler Laurens Pérol hat dieses soziale Phänomen 2023 in einen Spielfilm übersetzt. Sein Regiedebüt ‹Å Øve›, deutsch: ‹Üben, Üben, Üben›, zeigt eindrücklich, vor welche Herausforderungen gerade junge Menschen gestellt werden, die kompromisslos ihren Prinzipien folgen und dabei auf Bequemlichkeiten verzichten, die für den Großteil ihrer Mitmenschen selbstverständlich sind. Der Film handelt von der 18-jährigen Trine, die auf der nordnorwegischen Inselgruppe Lofoten lebt. Sie spielt Trompete und engagiert sich für Klimaschutz. Als sie zu einem Vorspiel an der Oper in Oslo eingeladen wird, kommt es für sie nicht infrage, die 15 000 Kilometer bis zur Hauptstadt im Flugzeug zurückzulegen. Stattdessen entscheidet sie sich, die Distanz in den wenigen Tagen bis zum Vorspiel per Anhalter zu reisen – obwohl sie gleichzeitig noch viel üben muss, um das Piazzolla-Stück dort gut zu präsentieren. ‹Üben, Üben, Üben› verhandelt aktuelle sowie zeitlose Themen: die Klimakrise, die menschliche Bequemlichkeit, die Beziehung zwischen jungen und älteren Generationen sowie die Frage danach, was wirklich zählt. Um sich auf die Dreharbeiten vorzubereiten, ist Pérol die gesamte Strecke zwischen den Lofoten, wo er an der Nordland-Hochschule für Kunst und Film in Kabelvåg studierte, und Oslo getrampt. Genauso wie die Hauptprotagonistin Trine haben er und sein Filmteam sowohl während der Dreharbeiten als auch bei der späteren Filmtour komplett aufs Fliegen verzichtet. Stattdessen reisten sie mit dem Zug, Bus und per Anhalter – auch wenn dies bedeutete, dass Pérol manche Einladungen zu internationalen Filmfestivals nicht annehmen konnte. Trotzdem stieß ‹Üben, Üben, Üben›, der mit vergleichsweise kleinem Budget und in nur zwölf Tagen gedreht wurde, auf eine positive internationale Resonanz und gewann bei zwei deutschen Filmfestivals Preise. Im Interview mit ‹Erziehungskunst› reflektiert Pérol darüber, wie seine Schulzeit an der Michael-Bauer-Schule in Stuttgart seine künstlerische Richtung geprägt hat. Er wünsche sich, dass an Waldorfschulen auch Film neben den anderen künstlerischen Fächern unterrichtet wird, so Pérol. Denn im Film werde so viel vermittelt: Technik, Ästhetik, Teamarbeit, politische Verantwortung, Musik, Sprechen und Bewegung. ‹Üben, Üben, Üben› gibt es ab sofort auf DVD zu bestellen.


Quellen Erziehungskunst, Arsenal Filmverleih und Kino-Zeit

Bild Trine übt in der Wildnis, Foto: Arsenal Filmverleih/Felix Neunzerling PR

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