Ewigkeit im Augenblick

Die Welt des Wandels mit dem Bild des Ewigen auszustatten – das sei, so der Ägyptologe Jan Assmann, das Motiv des historisch gewaltigsten Bauimpulses der Menschheitsgeschichte gewesen. In Ägypten stehen noch heute 120 von wohl ursprünglich 800 Pyramiden als Zeugnis dieser steinernen Zeitlosigkeit. ‹Djet› nannten die Ägypter dieses Zeitmaß, und die Kulte und pharaonischen Riten dienten dazu, sich dieser himmlischen Zeit immer wieder zu vergewissern. Vom ersten sagenumwobenen ägyptischen König Narmer oder Nemes bis zu Kleopatra kurz vor der Zeitenwende sind es 3000 Jahre – kein anderes Reich bestand über solch eine Zeitspanne und vermochte so mit dem Begriff der ‹Ewigkeit› zu spielen. Sieben Weltwunder listete der griechische Dichter Antipatros in einem der ältesten Reiseführer der Geschichte und nur die Pyramiden von Gizeh von diesen ‹sieben Sehenswürdigkeiten der bewohnten Welt› haben die Zeit bis heute überdauert und werden wohl noch in 1000 Jahren stehen. Schon für die Griechen waren sie antik und Napoleon rief seinen Soldaten zu: «40 Jahrhunderte blicken auf euch herab!»

Mit 40 Menschen und 25 000 Litern Nilwasser baute 2009 der Künstler Joachim Eckl eine neue Pyramide – jetzt aus Eis. Weiß und aus Quadern wie die antiken Vorgänger stand die kühle Skulptur in der Wüste und war schon bald wieder verschwunden. Feierten die antiken Vorbilder die Ewigkeit, wurde Eckls Pyramide zum Bild des Augenblicks, der einmaligen und unwiederbringlichen Gegenwart. «Die Innenseite des Augenblicks ist die Ewigkeit», schreibt Plato, und tatsächlich war die ecklsche Eispyramide – so flüchtig sie ist – Bild eines ewigen geometrischen Prinzips, und so erscheint das Ewige im Augenblick.


Eispyramide in der ägyptischen Wüste / Eis-Skulptur Nr. 1, Faiyum/Ägypten, 3. März 2009. Ein Projekt von Joachim Eckl. heim.art ®

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