Nagomari, Georgien. Neues aus dem georgischen Jugendhaus.
Das Leben im House of Youth of Peace in Nagomari entwickelt sich rasant – manchmal schneller, als wir es selbst fassen können. Von Juni bis Dezember 2025 kümmerten sich nur drei junge Personen um Haus, Tiere und Garten. Das ist nicht viel, vor allem angesichts des Umfangs der zu erledigenden Aufgaben. Doch gerade diese enge Verbundenheit und die geteilte Verantwortung machen den besonderen Reiz der Gemeinschaft aus. Der Hof und das umliegende Land waren schon immer ein Ort der Begegnung. In den vergangenen Monaten kamen Freunde, Veranstaltungsteilnehmende und Gäste aus der Ukraine, aus Russland, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und aus der Türkei nach Nagomari. Gemeinsam arbeiteten wir an den unterschiedlichsten Themen – von biodynamischer Landwirtschaft bis Wirtschaft, vom Sprachenlernen bis zur Pädagogik. Im Sommer fand hier ein Ferienlager für Kinder statt, in dem die jungen Teilnehmenden lernten, miteinander und mit dem Hof in Beziehung zu treten. In diesem Jahr wurde das Haus nach und nach für den Alltag ausgestattet: Wir haben eine Heizung und ein Badezimmer installiert, einen permanenten Wasseranschluss verlegt und führen weiterhin Reparaturen durch, während wir uns um das umliegende Gelände kümmern, die Kühe versorgen, Walnussbäume beschneiden und Trauben ernten. Diese Arbeit ist anspruchsvoll, lehrt aber Verantwortung, Demut und echte Zusammenarbeit. Manchmal schlägt Begeisterung in Erschöpfung um, oder es mangelt an helfenden Händen, Zeit und Klarheit bei der Aufgabenverteilung. Die wichtigste Lektion bleibt, achtsam miteinander umzugehen – bei der gemeinsamen Arbeit, im Gespräch, in der Stille und in Momenten des Konflikts. Die Arbeit in Nagomari geht auch über praktische Aufgaben hinaus: Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Sammeln und Teilen persönlicher Geschichten aus Kriegszeiten – Stimmen von Menschen, die auf verschiedenen Seiten von Grenzen leben. Diese Arbeit ist emotional, ethisch und organisatorisch herausfordernd, öffnet aber die Tür für eine verbindende Erinnerungskultur. Dialoge und gemeinsames kreatives und praktisches Arbeiten schaffen ein Fundament für Heilung und lehren uns gleichzeitig, Grenzen anzuerkennen. In diesem Spannungsfeld liegen sowohl unsere Verletzlichkeit als auch unser Potenzial. Wir danken der Software-ag-Stiftung, der Stiftung FGB, der GLS-Treuhand mit der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der Stiftung Evidenz für ihre finanzielle Unterstützung. Wir freuen uns immer über neue Begegnungen. Ein weiteres Jugendtreffen findet im April statt.
Kontakt leo.smirnov.09@gmail.com und karpovaglafa@gmail.com
Bild Eindrücke aus Nagomari, Foto: privat

