Vor drei Jahren hatte das Stück ‹Der Besucher› von Éric-Emmanuel Schmitt in der Regie von Gosha Valerian Gorgoshidze Premiere. Jetzt kommt es mit vier Aufführungen erneut auf die Bühne.
Ein philosophischer und doch immer amüsanter Dialog zwischen Sigmund Freud und – Gott. Das Stück spielt in Wien, in der Wohnung Freuds. In dieser Nacht wurde seine Tochter Anna von der Gestapo verhaftet. Der Gelehrte ist allein, krank, verängstigt. Plötzlich steht ein Unbekannter im Zimmer. Wer ist dieser Mann? Ein Geisteskranker, ein Einbrecher, der Teufel – oder gar Gott selbst? Oder ist es nur ein Traum, ein Streich, den ihm sein Unterbewusstsein spielt? Geschickt vermeidet es der französische Autor, eine Antwort darauf zu geben, und er schafft es durch immer neue Volten, sowohl Freud als auch die Zuschauenden im Ungewissen zu belassen. «Das eigene Schicksal im großen Schicksal» – so nennt es der Regisseur Valerian Gorgoshidze. Er hat Erfahrungen mit in das individuelle Leben hineinwirkendem Nationalismus im Inneren und Imperialismus von außen. «Was entscheidet da über mein Schicksal? Es geht dabei immer um die Frage der Freiheit – und die hängt mit der Frage nach der Spiritualität zusammen», sagt der Regisseur. «Der Nationalismus macht den Einzelnen zum Gruppenwesen. Anders als dem Nationalismus und dem Imperialismus geht es Sigmund Freud um die eigenen Erlebnisse und Prägungen der Seele.» Éric-Emmanuel Schmitts Einakter ‹Der Besucher› greift den Schicksalsmoment von Freud und seiner Tochter Anna einen Monat nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten aus Deutschland auf. Sie marschieren in Wien ein, die Gestapo verfolgt Jüdinnen und Juden, auch Anna. In dieser Zeit kommt ein Unbekannter zu Freud und deutet an, dass er ‹Gott› sei. Als überzeugter Atheist nimmt Freud seine Worte nicht ernst, doch die Fähigkeiten des Besuchers – beispielsweise Einzelheiten aus dem Leben von Freud zu kennen und die Gabe, in die Zukunft zu schauen – machen Freud nachdenklich.
Valerian Gorgoshidze ist die im Stück angelegte Wirksamkeit des Wortes wichtig. Im Dialog kann es die Kraft entwickeln, Menschen zu verwandeln. «Mit der Sprache öffnet sich im Stück mal der Himmel, mal die Gewalt», so der Regisseur. Entsprechend differenziert arbeitet er vor allem mit der Sprache.
Der Besucher 5. und 12. September um 19 Uhr, 6. und 13. September um 16.30 Uhr

