Brasilianischer Waldorfkongress

Florianópolis, Brasilien. Wie können Kinder lernen, die Welt aufmerksam, offen und mit echtem Interesse zu betrachten?


Vom 13. bis 18. Juli versammelten sich mehr als 600 brasilianische Lehrkräfte, Forschende, Schulleitungen, Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien in Florianópolis für den siebten brasilianischen Waldorfkongress. Die an der Bundesuniversität von Santa Catarina (UFSC) abgehaltene Veranstaltung stand unter dem Thema: ‹Phänomenologie und Bildung: Betrachtung des Lebensanfangs und seiner Nachwirkungen auf den gesamten Bildungsweg›. Eine der zentralen Fragen des Kongresses war, wie über den gesamten Bildungsweg hinweg die Fähigkeit kultiviert werden kann, die Welt mit Aufmerksamkeit, Offenheit und echtem Interesse zu betrachten. Von den Gesten und dem Spiel in der frühen Kindheit bis hin zur zunehmend bewussten Erforschung von Phänomenen in der Primar- und Sekundarstufe untersuchten die Teilnehmenden, wie sich die Beobachtungsgabe parallel zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen entfalten und vertiefen kann.

Im Rahmen des phänomenologischen Ansatzes bedeutet Beobachten mehr als das bloße Sammeln von Informationen. Es geht darum, einem Phänomen ohne vorweggenommene Schlussfolgerungen zu begegnen, dessen Zusammenhänge und Wandlungen wahrzunehmen, sinnvolle Fragen zu formulieren und Erkenntnis aus der Begegnung zwischen Mensch und Welt entstehen zu lassen.

Das Thema wurde durch Vorträge, Workshops, phänomenologische Praxisgruppen, Podiumsdiskussionen und Forschungspräsentationen erschlossen. Zu den eingeladenen Referenten gehörten der amerikanische Forscher Craig Holdrege, Gründer des Nature Institute, und die Pädagogin und Forscherin Constanza Kaliks, Leiterin der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, sowie brasilianische Lehrkräfte, Kunstschaffende und Forschende.

Das Programm umfasste zudem künstlerische und kulturelle Aktivitäten, Diskussionen zu Inklusion und Vielfalt sowie Feierlichkeiten anlässlich des weltweiten 100-jährigen Jubiläums der Waldorf-Kleinkindpädagogik und des 70-jährigen Bestehens der Waldorfpädagogik in Brasilien. Durch die Zusammenführung von pädagogischer Praxis, akademischer Forschung und Erfahrungen aus verschiedenen Regionen des Landes zielte der Kongress darauf ab, eine Bildung zu stärken, die nicht nur Wissen, sondern auch Achtsamkeit, Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Welt fördert.


Mehr Federacao das Escolas Waldorfe no Brasil

Foto Courtesy/Fernando Fonini

Letzte Kommentare