Princeton, USA / Trondheim, Norwegen. Einen Text auf dem Laptop, Smartphone oder Tablet zu tippen, geht schnell und bequem. Zwei Studien, 2014 und 2024 veröffentlicht, zeigen allerdings, dass das Schreiben von Hand besser für unsere kognitiven Fähigkeiten ist.
Die erste Studie wurde von Psychologieprofessor Daniel Oppenheimer und der Psychologie-Doktorandin Pam Mueller an der US-amerikanischen Princeton University durchgeführt. Sie ließen 327 Studierende während einer aufgezeichneten Vorlesung Notizen machen. Die Hälfte von ihnen schrieb auf Papier mit, die andere tippte ihre Mitschrift auf dem Laptop. Anschließend wurden alle Teilnehmenden darauf getestet, was sie von der Vorlesung verstanden hatten.
Das Ergebnis war eindeutig: Die Studierenden, die von Hand mitgeschrieben hatten, konnten ein deutlich komplexeres Verständnis der Inhalte vorweisen. Oppenheimer und Mueller schlussfolgerten daraus, dass die Studierenden, die von Hand Notizen gemacht hatten, zwar im Schreiben langsamer waren, dadurch jedoch gezwungen wurden, aufmerksamer zuzuhören, zu entscheiden, was von dem Vorgetragenen wichtig war, um es dann in eigenen Worten zu Papier zu bringen.
Die zweite Studie, die von der Gehirnforscherin und Professorin für Neuropsychologie Audrey van der Meer und dem Professor für kognitive Psychologie Ruud van der Weel an der Norwegian University of Science and Technology durchgeführt wurde, untersuchte die Unterschiede zwischen Handschreiben und Tippen auf der Ebene der Gehirnaktivität. Van der Meer und van der Weel statteten 36 Studierende mit einer EEG-Kappe aus, die die elektrische Aktivität in deren Gehirnen während des Experiments aufzeichnete. Die Teilnehmenden sahen auf einem Bildschirm nacheinander unterschiedliche Wörter aufleuchten und notierten sich diese – entweder von Hand oder auf einer Tastatur.
Auf den EEG-Aufzeichnungen war zu sehen, dass die verschiedenen Gehirnregionen für Gedächtnis, Wahrnehmungsverarbeitung und die Integration neuer Informationen beim Schreiben von Hand gleichzeitig und in einem koordinierten Muster aktiv waren. Beim Tippen auf der Tastatur hingegen passierte fast gar nichts im Gehirn. Van der Meer und van der Weel erklärten dies durch die für Handschrift notwendige Koordination zwischen Hand, Auge und Gehirn. Für jeden einzelnen Buchstaben braucht es eine andere Handmikrobewegung, die von Auge und Gehirn mitkontrolliert wird. Bei der Niederschrift auf Tastatur oder Touchscreen ist jedoch nur repetitives Tippen notwendig.
Das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Mit der Hand zu schreiben stimuliert das Gehirn auf signifikante Weise, was besonders für Lernprozesse wichtig ist. Ein weiterer Grund, hin und wieder alle Geräte auszuschalten – insbesondere in Bildungseinrichtungen.
Quellen National Library of Medicine: The pen is mightier than the keyboard und Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity
Foto Eleni Koureas

