Drei Jahre nach der Veröffentlichung seines Buches zur Christengemeinschaft im Nationalsozialismus erschien im Sommer 2025 Frank Hörtreiters neues Buch ‹Die Christengemeinschaft – Skizzen aus 100 Jahren›.
Auf 200 Seiten (einschließlich der Anhänge) nimmt der Autor die Leserinnen und Leser mit auf eine spannende Reise in die hundertjährige Vergangenheit der ‹Bewegung für religiöse Erneuerung›. Das Buch behandelt in neun großen Kapiteln die wichtigsten Phasen der Entwicklung der Christengemeinschaft, von den Anfängen bis zur Gegenwart. Es beleuchtet Themen wie die ersten Gemeindegründungen, die Vor- und Nachkriegszeit, thematisiert die Gemeindegründungen im deutschen Ausland, die Mitarbeitenden der Christengemeinschaft, die Christengemeinschaft in der ddr sowie die Zeit nach der Wende. Wer sich gern mit Architektur beschäftigt, wird hier auch fündig.
Das Buch verzichtet bewusst darauf, bereits Vorhandenes zu wiederholen. Wer Näheres über die Gründung der Christengemeinschaft oder über ein bestimmtes Land erfahren möchte, findet entsprechende Hinweise im Laufe der Kapitel sowie eine ausführliche Literaturliste im Anhang, welche auch Periodika, biografische Zeugnisse über Priesterinnen und Priester sowie Gemeindechroniken enthält.
Es ist aus meiner Sicht ein absoluter Glücksgriff, dass die skizzenhaften Kapitel z. B. mit einem Porträt aus der Hand von Claus von der Decken oder mit einer Skizze eines Kirchenbaus abgerundet werden. Diese künstlerisch hochwertigen Bilder, die der Autor in wenigen persönlichen Sätzen kommentiert, ergänzen und bereichern den Text. Sie verleihen dem Buch einen ganz eigenen Charme.
Das Buch geht an einigen Stellen auf das komplexe Verhältnis zwischen Christengemeinschaft und Anthroposophischer Gesellschaft ein und scheut nicht, auf Versäumnisse auf beiden Seiten hinzuweisen.

Besonders erfreulich finde ich die Tatsache, dass Frank Hörtreiter nicht nur das Wirken von Pfarrerinnen und Pfarrern, sondern auch die viele (oft ehrenamtliche und unsichtbare) Arbeit von Gemeindehelferinnen und Mitarbeitenden zu würdigen weiß. Der Autor, selbst verheirateter Priester, spricht diesen vielen Laien, ohne die die Christengemeinschaft schlichtweg nicht existieren könnte, seine tiefste Anerkennung und Wertschätzung aus: «Vor ihrer Weihe legen Priesterinnen und Priester ein Gelübde ab. Damit verpflichten sie sich, ihre Arbeit der Christengemeinschaft auf Lebensdauer zu widmen. Doch gibt es auch Menschen, die sich ohne Pfarramt ähnlich intensiv an diese Gemeinschaft binden. Sie haben keinen minderen Rang in der Hierarchie.»
Wie sein voriges Buch lebt auch dieses Opus davon, dass Lesende viele Einblicke in Priesterrundbriefe und dadurch in zentrale interne Quellen bekommen, die Laien ansonsten nicht zugänglich sind. Insbesondere dann, wenn es sich um Zeiträume handelt, die vor der eigenen Geburt liegen, sind auch die zitierten Briefe sehr hilfreich. Dieses Buch, welches an ein Kaleidoskop denken lässt, ist ein Lesevergnügen für alle, die sich eingehender mit der Geschichte der Christengemeinschaft beschäftigen und sich innerhalb weniger Stunden einen lebendigen Überblick darüber verschaffen möchten.
Buch Frank Hörtreiter: Die Christengemeinschaft – Skizzen aus 100 Jahren. Urachhaus, Stuttgart 2025








