Betrachtet die Pflanze: Sie besitzt zwei Weisen des Seins. Die Blüte trägt ein vergängliches Ich, die Wurzel ein beharrendes Ich. Vielleicht sind wir ebenso beschaffen und bergen irgendwo in uns ein latentes Ich – Quell und Herd unserer aufeinanderfolgenden Existenzen, Wurzel unserer abwechselnden Entfaltungen, zentrale Seele, die wir nach jedem unserer Tode in den Tiefen des Unendlichen wiederfinden. Dort, sofern dieser Hypothese irgendein Grund innewohnt, ruht und erwartet uns das kollektive Bewusstsein aller unserer getrennten Leben und die wahre Einheit unseres Ich.
Victor Hugo
Aus: Préface de mes œuvres et post-scriptum de ma vie. Proses philosophiques, Albin Michel, 1937.
Hat der Mensch himmlische Wurzeln und irdische Blüten? Wurzeln, die im Sternenhimmel wachsen, um auf der Erde in vielfältigen irdischen Leben zu blühen? Jedes Menschenleben wäre eine Blume, deren Himmel bewässert werden müsste.
Übersetzung und Kommentar Louis Defèche
Zeichnung Philipp Tok

