Riskantes Spiel

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Trondheim, Norwegen / Exeter, Großbritannien / Vancouver, Kanada. Die Forschung zeigt, dass das Eingehen von Risiken beim Spielen wichtig ist für die kindliche Entwicklung.


Risky Play, deutsch: riskantes oder wildes Spielen, ist ein Begriff aus der pädagogischen Forschung, der alle Arten des Spielens umfasst, die eine aufregende Ungewissheit und das Eingehen von Risiken erfordern. Ein gutes Beispiel für riskantes Spiel ist das Klettern auf Bäume, über Felsen oder auf hohe Leitern. Für Eltern und Bezugspersonen ist es nicht immer leicht, ihren Kindern beim wilden Spielen zuzuschauen und darauf zu vertrauen, dass schon alles gut gehen wird. Der Wunsch, sie vor möglichem Schaden zu bewahren, ist verständlich. Solange jedoch keine unmittelbare Gefahr besteht, raten Forschende dazu, die Kinder machen zu lassen. Denn riskantes Spiel ist essenziell für eine gesunde körperliche, geistige und emotionale Entwicklung. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Kinder das spielerische Eingehen von Risiken brauchen, um ein räumliches Bewusstsein, motorische Koordination, Selbstsicherheit und eine Toleranz für Ungewissheit zu entwickeln. Weitere Vorteile von riskantem Spiel sind gesteigerte Sozialkompetenzen wie Kooperationsfähigkeit und Empathie und eine stärkere emotionale Resilienz. Die Forschung zeigt auch, dass Kinder besser in der Lage sind, ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, als ihnen von Erwachsenen oftmals zugetraut wird. Ellen Sandseter ist Professorin an der Königin-Maud-Hochschule für Frühkindliche Pädagogik in Trondheim, Norwegen, Pionierforscherin zu riskantem Spiel und Urheberin seiner international verwendeten wissenschaftlichen Definition. Ihre Forschung hat auch ergeben, dass ein Mangel an positiven Formen von riskantem Spiel in der Kindheit bei Jugendlichen später dazu führen kann, dass sie negative Arten des Risikos eingehen, wie beispielsweise Ladendiebstahl. All diese Forschungsergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass man Kinder dazu drängen sollte, auf eine bestimmte Art zu spielen. Wie ein Kind spielt, sollte vom Kind selbst entschieden werden, so Helen Dodd, Kinderpsychologin an der britischen Universität Exeter. Welche Aktivität sich riskant anfühlt, unterscheidet sich zudem von Kind zu Kind. Mariana Brussoni, Professorin für Pädiatrie an der kanadischen University of British Columbia, plädiert dafür, dass Barrieren bezüglich riskantem Spiel abgebaut werden müssen, sodass pädagogische Räume entstehen, in denen sich Kinder aus ihrer Komfortzone in eine Lernzone begeben können. Dafür braucht es vor allem in westlichen Ländern ein gesellschaftliches Umdenken sowie weitere Forschung.


Quelle Nature und After Babel

Foto Alex Smith

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