Wir sind freie Gestalter unseres Schicksals

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… freie Gestalterin unseres Schicksals. Mit diesem geflügelten Wort vom Dottenfelder Hof in der Zeit von Manfred Klett und Georg Glöckler eine Nachlese zur Landwirtschaftlichen Tagung.


Dieser Satz trifft die Stimmung und Essenz der Landwirtschaftstagung. Freiheit und Schicksal sind normalerweise Widersprüche. Entweder Freiheit oder Schicksal. Unverhofft gibt es Momente, die diese Logik durchbrechen. Man kann sie nicht planen, nur vorbereiten. Ob der Durchbruch in eine Sphäre jenseits von Entweder-oder gelingt, ist eine Gunst des Augenblicks. Die Landwirtschaftstagung war ein solcher Moment. Was erzeugte diese geistige Heiterkeit unter den 750 Teilnehmenden aus 46 Ländern? Waren nicht alle aus schwierigen Verhältnissen angereist? Hatten nicht alle Jahre hinter sich, wo Blitz und Donner niedergingen über der schönen Biowelt? Wer hatte nicht Dürre oder Überschwemmung auf seinem Land? Wer hatte nicht zu wenige Mitarbeitende, Absatzschwierigkeiten und Umsatzeinbußen? Wer war nicht betroffen vom gesellschaftlichen Umschwung von Nachhaltigkeit zu ‹Kriegsfähigkeit›?

Weltgespräch

Woher also die Zuversicht? Eine Quelle war das Thema ‹You never farm alone›. Irgendwie wurde daraus ein Losungswort. Wenn du dieses Wort kennst, schaffst du den Durchbruch! Das Wort kennen heißt, es selbst erdichtet zu haben. Heißt, es der vollen Wucht, dem Abgrund abgerungen zu haben – kämpferisch, poetisch. Das Wunder: Jede und jeder konnte dieses Losungswort sprechen. Ein Weltgespräch – alle konnten mitreden, egal welche Sprache, egal ob Lehrling oder Meisterin, egal ob Köchin oder Händler. ‹You never farm alone› ist für jeden existenzielle Erfahrung. Weil: Die Aussage stimmt gar nicht, jeder ist doch allein! Im Stall, auf dem Feld, beim Jahresabschluss. ‹You never farm alone› wird zu einer richtigen Aussage, wenn das Schicksal frei gestaltet wird. Darüber erzählten die Geschichten, sanfte, dramatische, humorvolle. Das geschah in den Vorträgen, den Panels, den Workshops und den Pausen.

Michael-Gespräch

Eine andere Quelle war die Arbeit jeden Morgen an Rudolf Steiners Michaelbrief ‹Michaels Erfahrungen und Erlebnisse während der Erfüllung seiner kosmischen Mission›. Steiner: Michael war von Anfang an Verwalter der kosmischen Intellektualität und hatte ein Auge auf die Menschheit, als diese noch kindlich in einer kosmischen Ecke spielte. Die Intellektualität ging zum Menschen über. Ahriman profitierte von der Gelegenheit und holte sich ein Stück davon. Christus kam zur Erde, um den Menschen bei Ahrimans Attacken beizustehen. Michael will Freiheit, darum kann er nicht direkt eingreifen, aber seine Intellektualität geistig darlegen. Damit können wir uns frei verbinden – auch mit einem Michaelfest.

Feya Marince und Helen van Zyl haben für und mit der Tagungsgemeinschaft den ersten Teil des Michaelbriefs erarbeitet. Beide sind aus Südafrika, Feya ist indigener Abstammung, Helen europäischer. Feya sagt, für sie sei die kosmische Weisheit immer da, sie müsse sich nur einklinken: «Ich saß vor meinem Rosenbusch, er war mein Gegenüber auf Augenhöhe, fünf Generationen meiner Ahnen waren in ihm vertreten. Ich fragte, was kann ich tun in Afrika? Der Busch antwortete: Folge deinem Weg, du wirst unterstützt werden. Eine Woche später fand ich die Biodynamik, wir haben einen indigenen afrikanischen Verein für Biodynamik gegründet und ich kann in vielen Ländern Afrikas tätig sein.» Helen erzählt: «Ich sehe nur die sinnliche Welt – um hinter den Vorhang zu kommen, muss ich hart arbeiten. Auf einem Rundgang auf der Farm entdeckte ich, dass Bienenstöcke von einem Raubvogel angegriffen wurden. Ich war zu zornig. Erst am nächsten Tag, nach viel innerer Arbeit, hatte ich eine ausreichend milde Haltung errungen, um den Bienen helfen zu können.»

Am zweiten Tag führten Paz Bernaschina und Gloria Sun hier weiter. Paz ist aus Chile und Gloria aus Taiwan – Westen und Osten. Ahriman kann uns helfen, mit Zahlen ein klares Bewusstsein über unsere Food-Systeme zu bekommen. Das zerstört oft ländliche Gemeinschaften, entwurzelt und führt zu Abwanderung mit der nachfolgenden industriellen Massenproduktion. Wie entstehen neue Gemeinschaften auf dem Land? Christus und Michael können helfen, wenn meine seelische Geste über meinen Leib und den Leib des Hofes hinausgeht. Wenn ich nicht rechne. Mit diesem freien Seelischen können Gemeinschaftsgeister sich verbinden, gerade auf Höfen. Auf dem Boden wachsen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Gemeinschaft.

Lehrende und Studierende, das war die Konstellation am dritten Tag, Martin von Mackensen mit ehemaligen Studierenden der Landbauschule Dottenfelderhof. Martin: Der Brief führt von der Ecke zum Fest. Was kann ein Michaelsfest sein? Meine Antwort: Jetzt! – Du! – Zukunft! Wie sind eure Erfahrungen? Rocio: Ich war an der Uni in Mendoza, Argentinien. Ich wollte mehr wissen, aber was geboten wurde, war hart, tot. Was konnte ich machen? Kompost! Ich habe an der Uni das Fach Kompostierung mit praktischer Anwendung eingeführt. Jetzt bin ich Dozentin an der Landbauschule und wir haben eine Kooperation mit der Agraruni in Mendoza begonnen. Eine Gemeinschaft von Kontinent zu Kontinent. Jetzt! – Du! – Zukunft!

Sozialer Boden

Die milde Kraft und die Heiterkeit an der Tagung entstanden von Tag zu Tag, weil durch die vielen Beispiele klar wurde: Auf unseren Höfen können wir Gemeinschaften der Zukunft bilden. Der physische Boden wird sozialer Boden für Friedensgemeinschaften. Frei gestalten wir unser Schicksal.


Bild Eindrücke von der Jahrestagung der Landwirtschaftlichen Sektion 2026, Foto: Xue Li

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