Mit gesunder Erde wächst es auch auf dem Feld des Sozialen besser. Johannes Steegmans, Anfang 20, berichtet über seine Eindrücke von der Konferenz.
Ich habe mein ganzes Leben in der Stadt gewohnt und habe nicht viel Erfahrung mit Landwirtschaft. Deshalb wollte ich die Landwirtschaft und die Menschen, die sich mit ihr beschäftigen und die dringend notwendige Erneuerung voranbringen, besser kennenlernen. Ich kam zur Konferenz, ohne jemanden zu kennen, aber voller guter Erwartung. Landwirtschaft und der Zustand der Erde sind universelle Themen. Das zeigte sich an den Teilnehmenden, die aus aller Welt und allen Altersgruppen anwesend waren. Bäuerinnen und Bauern sind willensstarke Menschen. Das merkte ich sofort an der aktiven Atmosphäre. Der Mensch braucht das Tun, das Denken, aber auch die Kunst – und alle drei kamen zur Geltung. Es war schön, zu sehen, dass sich so viele Menschen die Zeit genommen haben, zu kommen. Das ist nicht selbstverständlich.
Freunde aus dem eigenen Land
Es ist schon ironisch, dass man manchmal in ein anderes Land reisen muss, um Menschen aus dem eigenen Land kennenzulernen. Die landwirtschaftliche Ausbildung in Belgien organisiert jedes Jahr eine Reise für ihre Studierenden zur Konferenz. Ich war nicht Teil dieser Gruppe, wurde aber sehr herzlich aufgenommen. Einer der schönsten Momente für mich war nach der Konferenz. Wir kamen mit allen Teilnehmenden aus Belgien und einem Teil aus den Niederlanden zusammen, um gemeinsam zu kochen und einen gemütlichen Abend zu verbringen. Am Ende blickten wir gemeinsam auf die vier Tage zurück. Für jede und jeden von uns gab es etwas, das sie oder ihn tief berührt hatte. Was sehr häufig genannt wurde, waren die Bewegungsübungen mit Stefan Hasler. Das gemeinsame Bewegen im großen Saal war einer der verbindendsten Momente der Konferenz. Für mich persönlich waren vor allem die vielen Menschen, die ich kennenlernen durfte, wichtig – und besonders, dass ich eine Gruppe von Freunden in meiner Nähe gefunden habe, bei der ich mich wirklich zu Hause fühle.
You never farm alone
Den Satz ‹You never farm alone› fand ich anfangs eher simpel und wenig tiefgehend. Im Laufe der Tage wurde er durch Vorträge, Workshops und Gespräche weiter vertieft. Mir wurde klar, dass es nicht nur um Zusammenarbeit geht, sondern auch darum, eine Gemeinschaft zu pflegen und Beziehungen zu vertiefen. Die Gemeinschaft, die in so kurzer Zeit entstand, war vielleicht das beste Beispiel dafür.
Ein paar Wochen nach der Konferenz, während ich dies schreibe, tut es gut, zu wissen, dass ich Freunde habe – nah oder fern –, die wie ich die Welt auf positive Weise verändern möchten. Das gibt mir Kraft und Motivation, mit meiner eigenen Arbeit weiterzumachen. Vielleicht werde ich eines Tages selbst eine Gemeinschaft gründen. Das ist jedenfalls ein Traum von mir.
Der Wille des anderen ist heilig
Ueli Hurter sprach in seinem Vortrag über die Zusammenarbeit aus freiem Willen und dass der Wille des anderen heilig ist. Er hat bei mir einiges bewegt. Es ist leicht, auf einer Konferenz offen über Ideen zu sprechen und zu diskutieren, denn alle sind interessiert und es steht nicht viel auf dem Spiel. Aber gelingt uns das auch mit den Menschen zu Hause? Mit Menschen, denen wir nicht aus dem Weg gehen können, mit denen uns das Leben zusammengeführt hat, über die wir oft ganz unterschiedliche Vorurteile gebildet haben. Wie kann ich dem anderen in seinen Ideen entgegenkommen, ohne meine eigenen zu verleugnen?
Manchmal weiß man einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll – und vielleicht ist es dann gut, das zunächst zu akzeptieren. Wenn man mit dieser Haltung in eine Besprechung geht und ehrlich versucht, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, kann manchmal ein Wunder geschehen. Ein heilsames Gespräch bedeutet vor allem, einander zuzuhören. Da kann die Antwort plötzlich ganz naheliegen. Wenn man Kritik an der Meinung des anderen hat, äußert man sie nicht in Bezug auf die Person, sondern nur auf die Meinung selbst. So fühlt sich niemand angegriffen, und die Möglichkeit zum Gespräch bleibt bestehen.
Ein Impuls, der weiterwirkt
Mein Studium geht weiter. Doch ich habe einen neuen Impuls, der in mir fortwirkt. Ohne aufzugeben, suche ich die Verbindung zu meinen Mitmenschen. Diese Bemühung trägt Früchte, denn im Moment entstehen verschiedene kleine Projekte – oft mit Menschen, von denen ich es überhaupt nicht erwartet hätte. Ich beginne eine kleine Lesegruppe und habe mich dem Universitätschor angeschlossen. Die Landwirtschaftskonferenz hat mir enorm viel bedeutet. Ich fühle mich in meinem Wollen gestärkt – durch das, was ich gelernt habe, und durch die Freunde, die ich gewonnen habe.
Foto Xue Li




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