Kein Frieden ohne Ideen

Kein Frieden ohne Ideen

Über 70 Jahre herrscht innerhalb der Grenzen der Europäischen Union Frieden. Das ist zum großen Teil diesem einmaligen Vertrag von mittlerweile 27 Ländern zu verdanken.


Ein ständiger Dialog unter den Regierungsverantwortlichen über Wirtschaftsfragen und politische Interessen half, Widersprüche und Spannungen durch Verhandlungen und Abkommen abzubauen. Doch man sollte sich nicht täuschen: Es drohen andere Kriege innerhalb Europas. Die Unmöglichkeit für viele Menschen, sich in ihrem sozialen Umfeld entfalten zu können – wirtschaftlich und dadurch auch geistig, ist eine ständige Verletzung ihrer menschlichen Würde. Weitere Spannungen entstehen überall dort, wo der Staat versucht, vorzuschreiben, was Einzelne an Schulen oder in Arztpraxen und Krankenhäusern bekommen und nicht bekommen sollen.

Die Zeit des Friedens innerhalb der Europäischen Union müsste dazu benutzt werden, sich mit allem Nachdruck zu fragen, wie die Wirtschaft einen Weg zur Menschlichkeit finden kann und wie man dem Individuum die Möglichkeit gibt, sein Leben frei zu gestalten. Staatliche Institutionen können keine neuen Ideen schaffen. Es ist ein anderer Teil der Gesellschaft, von dem der Staat inspiriert wird: von der Zivilgesellschaft, von freien Initiativen, vom Kulturleben. Müsste es also nicht unsere gemeinsame Priorität als Europäer sein, dieses freie Kulturleben zu stärken? Denn: «Um den Frieden zu halten, braucht man Ideen, sonst kommen Kriege und Revolutionen. Das ist ein innerer spiritueller Zusammenhang. Und alle Deklamationen über den Frieden nützen nichts, wenn nicht diejenigen, die die Geschicke der Völker zu leiten haben, sich bemühen, gerade in Friedenszeiten Ideen zu haben. Und sollen es soziale Ideen sein, so müssen sie sogar von jenseits der Schwelle herrühren. Wird eine Zeit ideenarm, so schwindet aus dieser Zeit der Friede.» (Rudolf Steiner, Vortrag vom 24. November 1918, GA 185a)


Bild: Adrien Jutard, Fabian Roschka, Illustrationsreihe 2/G18

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Friede

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Wer bleibt stehen?

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