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Methodischer Zweifel

«Und so kann auch das, was ich sage oder was ich schreibe und geschrieben habe aus der Geisteswissenschaft heraus, von jedem denkenden Menschen nachgeprüft werden. Da werden gewiss mancherlei Irrtümer enthalten sein, selbstverständlich, aber das ist genau so wie bei den anderen Forschungen.»*


Mit diesen Worten befreit Rudolf Steiner jeden, der ihm folgen will, von der Fessel, an ein bestehendes, absolutes Weisheitsgebäude gekettet zu sein.

Anthroposophie beruht weniger auf Ideen und Begriffen, sondern beschreibt vielmehr eine Tätigkeit des Denkens (GA 4, 4. Kapitel). In ihrer Erkenntnissuche kann sie sich dabei nicht mit dem Vergangenen zufrieden geben: Das Denken ist eine Tat, die das Bestehende befragt und die Wirklichkeit fortwährend neu beleuchten will. Das Denken geschieht jetzt, in der Gegenwart und rechnet dabei mit zweierlei:

• Vergangene Ideen und Begriffe können nicht ohne weiteres wahr sein, sondern stellen aus Perspektive der Gegenwart sich als Frage, manchmal als Irrtum dar.

• Ich selbst, als tätig Erkennender, kann mich irren, muss mich irren. Zum Leben in der Tat gehört auch die Möglichkeit des Irrtums.

Wenn sich anthroposophische Geisteswissenschaft so auch durch Irrtümer entwickelt, dann trägt sie das Gesicht einer Wissenschaft. Jeder kann sich berufen fühlen, an dieser Wissenschaft teilzunehmen, der in sich den Mut findet, offen zu denken.


* Rudolf Steiner, Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik. Öffentlicher Vortrag, gehalten an der Technischen Hochschule in Stuttgart am 17. Juni 1920.

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