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Dornach, 4143
Switzerland

Wochenschrift für Anthroposophie ‹Das Goetheanum›

Wochenschrift

Ägypten und das zweite Goetheanum

Redaktion

Bei der Jahrestagung der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz vom 16. bis 18. Februar spricht Johannes Greiner zum Thema ‹Von den ägyptischen Tempeln zum zweiten Goetheanum›. Zunächst überraschend, ist dies im Zusammenhang mit der Kulturtagung ‹Der Atem Ägyptens›, dem Buch ‹Lotus und Papyrus› von Bruno Sandkühler und der Ausstellung ‹Scanning Sethos› im Antikenmuseum Basel mit der Rekonstruktion von Räumen aus der Grabkammer von Sethos I. plausibel. Erinnern nicht Elemente des Foyers vor dem Grundsteinsaal an eine altägyptische Grabkammer? Waren diese reich mit symbolhaften Hieroglyphen ausgemalt (gleichsam ein Buch in Stein), erscheinen – abgesehen von der Decke im Großen Saal mit imaginativen Bildmotiven – im Goetheanum die spirituellen Inhalte vor allem durch das gesprochene Wort in den Zeitkünsten, im Vortrag und im Gespräch. Ist das Ausdruck dafür, dass es nicht um das Festhalten einer Form für die Ewigkeit geht, sondern um das stets neue Entstehen und Vergehenlassen, worin sich altägyptische Spiritualität und das Geschehen im zweiten Goetheanum wiederum berühren?

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3 Minuten mit Wolfgang Held: Martin Barkhoff

Wolfgang Held

Martin Barkhoff ist aus seiner Wahlheimat China zu einer Rundreise nach Europa gekommen und so besucht er am Goetheanum auch mich. Wir sitzen am Sonntagmorgen in einem Café und es dauert nur Minuten, dann zündet sein Inspirationsfeuerwerk – immer mit Gebärde und mit bewegter Lippe, denn er will den Gedanken fassen und schmecken. Im Krankenhaus müsse es eine ‹Liebeshydraulik› geben, denn sobald die Fürsorge nicht gesehen und ergriffen werde, lecke das System, breche wie beim Strom der Fluss zusammen. Im Wechsel erzählen wir uns Entdeckungen und Vermutungen, jeweils in der Hoffnung, dass der andere noch etwas hinzuzufügen weiß. Von mir kommen Studien zu Rudolf Steiners Abend- und Morgenkräften, zu den Tierkreisbildern Jungfrau und Fische: Die Sternformation der Fische erscheint als ein Tastorgan in den Umkreis, während sich in der Jungfrau alles auf die Ähre, diesen einen hellen Stern Spica, versammelt. Peripherie und Zentrum, das bilde hier die Spanne. Barkhoff, der intime Kenner des Seelenkalenders, springt vor Freude auf, sodass auch die Gäste an den Nachbartischen bei Kaffee und Kuchen innehalten. «Martin, du bist milder geworden», das sage ich ihm nach zwei Stunden Gedankenpingpong und denke: Milde und Feuerwerk, beides sind wohl chinesische Erfindungen.

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Kulturtagung: Der Atem Ägyptens

Redaktion

Die Faszination der altägyptischen Kultur zeigt sich in äußeren Zitaten wie der Glaspyramide vor dem Pariser Louvre sowie in einer intensiven Auseinandersetzung und Identifikation mit dieser Zeit. Um dieses Phänomen besser zu verstehen, kann man auf die Wiederkehr von Kulturimpulsen achten. Solche «Spiegelungen» (Rudolf Steiner) helfen dabei, aufmerksamer zu werden für das, was Geschichte und individuelles menschliches Leben gestaltet. Dies war Thema der Kulturtagung ‹Der Atem Ägyptens› von 2. bis 4. Februar.

Fragt man den Orientalisten Bruno Sandkühler nach Beispielen, weist er auf den enormen technischen Fortschritt hin: «Es gab damals eine unglaubliche Meisterschaft in der Materialbearbeitung, die bei der Herstellung eines Obelisken weder vor der Härte des Granits noch vor den Problemen des Transports und dem Aufstellen eines mehr als 300 Tonnen schweren Objekts zurückschreckte, die zu filigransten Gold- und Silberschmiedearbeiten führte und in großer Sorgfalt den Körper zu erhalten strebte.» Einen Bezug zu heute sieht er beispielsweise in hoch entwickelten Praktiken wie Organtransplantation und Aufbewahren von Eizellen und Spermien für eine spätere Befruchtung.

Darüber hinaus deutet Bruno Sandkühler das Phänomen neuägyptischer Religionen, «deren Mitglieder sich – wie Teilnehmende entsprechender Internetforen – altägyptische Namen geben», als Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung mit dieser Zeit. Für die Kulturwissenschaftlerin und Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften, Christiane Haid, zeigt sich darin der in einer tieferen Schicht liegende persönliche Bezug: «Wir erleben uns als ein Wesen, das nicht erst jetzt seine Existenz begann, sondern Erfahrungen in früheren Kulturen gesammelt hat und nach Selbsterkenntnis und Identitätsbildung strebt.» Wie die Impulse in der Gegenwart produktiv werden, zeigt das Wirken der von Ibrahim Abouleish gegründeten sozialen Unternehmung Sekem bei Kairo. sj

Buch zum Thema: Bruno Sandkühler, ‹Lotus und Papyrus. Der Atem Ägyptens›, 200 Seiten, € 58/Fr. 72, Verlag am Goetheanum, Dornach 2017

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Arequipa: Weisheit mit Transparenz

Redaktion

«Der Feigenbaum ist in der Mythologie zuhause und wird in der Bibel mehrfach erwähnt. Er kann Weisheit, Reichtum und eine Verbindung mit Gott symbolisieren», erzählt Christian Vera. Er selbst hat eine besondere Verbindung mit der Frucht, denn seine Familie betreibt seit einem Jahrhundert eine Feigenplantage in Arequipa (Südperu). Er würde diese Plantage gern in die biodynamische Landwirtschaft überführen und dazu eine besondere Aufmerksamkeit für Fragen der Transparenz in der Distribution und der Vermarktung biodynamischer Produkte entwickeln. www.ficatum.com

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Traumatisierung

Matthias Girke

Fokusthema 5 der Medizinischen Sektion

Zahlreiche Menschen erfahren weltweit erhebliche Traumatisierungen. Sie ereignen sich in der individuellen Biografie – schon in der frühen Kindheit beginnend – durch Naturkatastrophen oder Unfälle und gehören zum Schicksal vieler Flüchtlinge. Welchen Beitrag kann hier die Anthroposophische Medizin leisten, welche Hilfe kann sie bieten? In der Traumatherapie geht es nicht nur um die psychotherapeutische Behandlung. Alle Wesensschichten des Menschen sind betroffen: Traumatisierende Ereignisse können sich bis in den Körper einschreiben. In der anthroposophischen Bewegung gibt es hier schon einige Ansätze: Die Notfallpädagogik ist weltweit im Einsatz und leistet einen ausgesprochen wichtigen und geschätzten Beitrag. Mit jeder Traumaerfahrung werden schockartig Lebenskräfte in Bewusstseinskräfte verwandelt und verbraucht – der traumatisierte Patient muss deshalb eine Unterstützung seiner Lebensorganisation erfahren, wie sie die Anthroposophische Medizin anbietet. Psychotherapie und biografische Perspektiven beziehen sich auf das seelische und geistige Wesen. In der Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Sektion zur Traumatherapie arbeiten deswegen alle therapeutischen Berufsgruppen und Notfallpädagogen zusammen und entwickeln therapeutische Hilfen im Sinne der Best practice anthroposophischer Traumatherapie. Ihre Ergebnisse werden veröffentlicht und sind dann einem großen Kreis professioneller Therapeuten zugänglich.

Dr. med. Matthias Girke ist Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum. Dr. med. Hartmut Horn ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und koordiniert die Psychotherapie in der Medizinischen Sektion.

Mit diesem Beitrag wird die Reihe Care-Themen der Medizinischen Sektion abgeschlossen.

Matthias Girke · Hartmut Horn

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Riga: Löwenzahnferien

Redaktion

Dace Zarina reist regelmäßig zwischen Lettland, Großbritannien und Indien, um Präparatepflanzen zu vermitteln

Was sind deine Projekte?

In meinem Heimatland Lettland oder auch in Deutschland vergisst man leicht, dass man sehr einfach über die Pflanzen verfügt, die für die Präparate benötigt werden. Das ist nicht der Fall in Großbritannien oder Indien. Ich fliege zum Beispiel nach Lettland, wenn der Löwenzahn, oder der Baldrian reif ist, um sie dann nach Großbritannien zu bringen, und auch nach Indien, wo ich mit Briony Young arbeite. Das ist kein großes Unternehmen, ich mache das nur, um etwas zur biodynamischen Bewegung in diesen Ländern beizutragen.

Wie sieht es in Lettland aus?

Die Bewegung ist sehr klein, aber ich sehe da ein echtes Potenzial. Ich glaube, die lettische Kultur hat etwas mit der indischen gemeinsam: Es gibt eine Selbstverständlichkeit, wenn es um Präparate geht. Für mich waren die Präparate von Anfang an eine Evidenz. In Lettland wurde mir immer wieder erzählt, dass die Generation meiner Großeltern ebenfalls Präparate gekannt habe, sie hätten angeblich auch etwas ganz Ähnliches wie die Hornmistpräparate gemacht.

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Uttarakhand: Eine Frage des Schicksals

Redaktion

Mit ihrer Organisation sarg produziert und vertreibt Binita Shah Präparate für 10 000 Bauern in Indien

Was hat Sie dazu bewogen, mit der biodynamischen Landwirtschaft zu arbeiten? Ich hatte das Gefühl, dass das Schicksal es von mir verlangte: Ich musste nirgendwohin gehen, es kam zu mir! Alles begann mit einem Treffen mit Peter Proctor aus Neuseeland, der 1995 nach Indien kam. Er lebte genau in dem Haus, in dem Albert Howard, einer der Väter des biologischen Landbaus, 70 Jahre zuvor gewohnt hatte. Zu der Zeit hatte ich keinen gut durchdachten Plan über biodynamische Landwirtschaft. Meine anfängliche Motivation war es, möglichst vielen Landwirten den Einstieg in die biodynamische Landwirtschaft zu ermöglichen, damit sie ihren sozioökonomischen Zustand bewältigen können. Aus diesem Impuls wurde im Jahre 2002 sarg gegründet, eine Organisation, die von Nainital (Uttarakhand) aus in Indien biologische und biodynamische Landwirtschaft fördert.

Was ist der spezifische Beitrag der Biodynamik in Indien? In Indien ist die Bevölkerung so groß, dass die Regierung nicht in der Lage ist, allen Landwirten Dienstleistungen zu erbringen. Deshalb wurde diese Rolle oft von Unternehmen übernommen, die zu 95 Prozent auf Agrarchemikalien basieren. Mit der biodynamischen Landwirtschaft sah ich, dass es möglich war, einen konkreten und sofortigen Ersatz dieser chemischen Produkte durch Kompost zu ermöglichen, was die Kosten reduzierte und es den Landwirten erlaubte, von dieser Industrie unabhängig zu sein. Heute haben wir Partnerschaften mit drei Regionalregierungen, die uns jetzt für Ausbildungen unterstützen. Im Allgemeinen werden die Methoden der biodynamischen Landwirtschaft als offensichtlich angesehen, da sie den lokalen Traditionen, die auf 5000 oder 6000 Jahre zurückgehen, sehr verwandt sind. www.sargindia.org

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Dottenfelder Hof: Das Kieselpräparat der Tagung

Jonas Lismont

Manfred Klett feiert bald seinen 85. Geburtstag und ist nach sieben Jahren endlich wieder an der Jahrestagung der Landwirtschaftlichen Sektion dabei. Die Termine der Landbauschule hätten es diesmal möglich gemacht, erklärt er. Kaum einen Satz kann man mit dem Fels der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wechseln, da grüßt oder umarmt ihn jemand aus dem Strom der Tagungsteilnehmenden. Er müsse jetzt mit seiner Energie haushalten, sagt er, und man sieht, dass er blasser geworden ist. Nicht mehr Granit, sondern jetzt Kiesel. «Ich will nicht sagen ‹Locker vom Hocker›», aber wie die Jungen das jetzt machen, das Miteinander, das sei neu. Ihn beeindrucke die Kraft und der Aufbruch, da gehe manche Saat auf. Auf die Frage, ob diese Generation die Präparate von Neuem ergreifen müsse, antwortet er, zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft, ja zur Anthroposophie gehöre, dass sie ein Ewiges in sich trage. Das zu erkennen und mit Leben zu erfüllen, sei die immer wieder neue und doch gleiche Aufgabe.

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Córdoba: Viele Gruppen, ein Saatgut

Redaktion

«Zurzeit gibt es acht regionale Gruppen der Argentinischen Assoziation für biodynamische Landwirtschaft», erzählt Diego Vergelin aus Córdoba. «Diese Gruppen wirken zusammen, um eine landesweite Organisation für Saatgut zu schaffen, die assoziativ mit den Produzenten arbeiten wird.» Ebenso entstehen permanente Ausbildungen, was die Aufmerksamkeit für Biodynamik im Land erhöhen könnte.

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Äquator: Casita biodinámica

Redaktion

Biodynamische Landwirtschaft wird durch Begeisterung und Erfindungsgeist in Südamerika befruchtet, das hat man durch den bewegenden Beitrag von René Piamonte vor dem vollen Großen Saal des Goetheanum spüren können. Wie sollte man mit den Präparaten umgehen, die während der Wintermonate unter der Erde ruhen müssen, wenn man auf der Äquatorlinie steht und Winter und Sommer nur durch ein paar Kilometer getrennt sind? «In Ecuador werden 400 bis 500 Hörner für sechs Monate nördlich der Äquatorlinie begraben, um gleich danach für weitere sechs Monate südlich der Linie vergraben zu werden.» Weiter schuldet man Bauern aus Chile die Erfindung der Casita biodinámica (Biodynamisches Häuschen), wo die Präparate in respektvoller und kunstvoller Art auf den Betrieben gelagert werden. Die biodynamische Bewegung in Südamerika, die ihren Anfang in den 1980er-Jahren fand, als junge, im Emerson College ausgebildete Menschen nach Brasilien kamen, zählt heute 300 Betriebe, auf denen 7000 Familien arbeiten.

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China: 牛牛

Redaktion

Liang Ziqi begrüßt zur Tagung

牛牛 (Niu-Niu, übersetzt: Kuh-Kuh) hieß die erste Kuh von Liang Ziqi. Sie zeigt Bilder von ihr und erinnert voll Gefühl: «Die Kuh ist die Liebe des biodynamischen Hofes». Die 900 Anwesenden sind berührt, fühlen sich mit dem Tier verbunden und sind mitten in China angekommen. Weiter erzählt Liang Ziqi, dass die biodynamische Landwirtschaft im Land der 700 Millionen Bauern mit viel Enthusiasmus und Lernbegier aufgenommen wird. Eine Gruppe hat sich zusammengefunden, um über die Messenger-App WeChat den Landwirtschaftlichen Kurs ins Chinesische zu übersetzen. Die biodynamische Landwirtschaft in China hatte ihre Anfänge im Jahr 1998. Heute gibt es landesweit sieben Demeter-zertifizierte Betriebe.

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Ukraine: Große Seele

Redaktion

Marius Hörner lebt in Freiburg/Deutschland, ist jedoch häufig in der Ukraine unterwegs. Er erzählt von einem Arzt, der große Flächen für den Anbau von Demeter-Wein gekauft hat. Ein typisches Beispiel für die vielen Menschen, die neu zum anthroposophischen Landbau stoßen. Die Hänge seien alles andere als ideal gewesen und umso erfreulicher sei es gewesen, dass die Reben schon nach zwei Jahren an Bodenarbeit mit den Präparaten grüner und vitaler waren und der Trockenheit trotzen konnten, als dies bei den benachbarten konventionell arbeitenden Winzern der Fall war. Die Frage, was er denn kulturell in der slawischen Welt lernen musste, beantwortet er überraschend: Er sei ja nicht auf den Mund gefallen, aber wenn man mit ukrainischen Gärtnern und Landwirten zusammensitze, werde man bescheiden: Da gibt eine Rede, ein Spruch, eine Widmung das Stichwort für die nächste Ansprache. Selbst der einfache Knecht wisse dann etwas Kluges, Berührendes in die Runde zu geben. Das Maß der Zustimmung zeigt dann die Größe des obligatorischen Schlucks aus dem Glas. Trifft man mit seinen Worten den Nagel auf den Kopf, so wird das Glas ganz geleert.

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Identitätskriege

Lorenzo Ravagli

Demokratische Gesellschaften beruhen grundsätzlich auf der Anerkennung des Individuums, auf der Unantastbarkeit seiner Würde und seiner Rechte. Religionen, Traditionen und Nationalismus, die lange als Fundament der Gesellschaft galten, verschwinden vor diesen neuen Prinzipien. Ohne ein verbindendes Element drohen diese neuen Gesellschaften auseinanderzufallen. Sind hier neue Gemeinsamkeiten zu erfinden?

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Aufmerksamkeit: Das neue Gold der Zivilisation

Holly Koteen-Soule

In der aktuellen technischen Zivilisation gewinnt Auf­merksamkeit zunehmend an Bedeutung. Für die Verwand­lung der Welt wie für die Verwandlung von uns selbst spielt Aufmerksamkeit eine entscheidende Rolle. Parallel ist die Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch digitale Technologien, eine kostbare Ware für die Wirtschaft geworden. Holly Koteen-Soule wirft einen Blick auf diese insbesondere in Bezug auf Kinder und die Erziehung akute Frage.

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Wind & Versenkung: Simon Reakes

Simon Reakes

Simon Reakes’ Hintergrund ist Ho­möopathie, kontemplative Praxis und Meditation. Ausgehend vom Field Centre (Ruskin Mill Trust Education Center), unterrichte­­te er angehende Heilpädagogen, Landwirte und Lehrer in Kursen zur Biografie Rudolf Steiners und zu den Grundlagen der Anthroposophie und gab Einführungen in die goetheanistische Wissenschaft.

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Der Horchwinkel des Universums

Wolfgang Held

«Sie krallen Ihre Zehen zusammen, so können Sie nicht frei sprechen!» Jörg von Kralik stand am anderen Ende des Raumes, als ihm die Studentin ihre Sprachübung vortrug. Doch was der Sprachlehrer von seiner Position aus korrigierte, war nicht die Stimmführung oder Atmung, sondern die Zehenstellung. Erst so angesprochen, bemerkte die Studentin, dass ihre Zehen in den Schuhen tatsächlich gekrümmt und angespannt waren. Das ist die hohe Schule der Aufmerksamkeit, dass das Schauen, Tasten oder Lauschen nach all der Beschränkung und Konzentration, die man ihm um der Kunst und des Könnens willen auferlegt, von Neuem weit wird. Doch wie befreit man sich aus der Bindung?

Der erblindete französische Schriftsteller Jacques Lusseyran gab in seinem publizierten Vortrag ‹Blindheit, ein neues Sehen der Welt› eine Antwort. Er schilderte, dass nicht die physische Blindheit ihn beschränke, sondern wenn er von der geistigen Blindheit geschlagen sei. Diese geistigen Augen würden sich verschließen, wenn man mit sich und der Welt hadere. Es sei, so Lusseyran, die Liebe, die diese geistigen Augen öffne und es ihm möglich mache, als Blinder ohne Blessuren alleine durch einen Wald zu gehen. Liebe und höhere Aufmerksamkeit werden hier vermutlich eins. Lusseyran: «Die Aufmerksamkeit ist ein Zustand des Seins. Es ist der Zustand, ohne den wir nie fähig sein werden, vollkommen zu sein. Es ist im eigentlichen Sinn der Horchwinkel des Universums.» Dieser Horchwinkel war Jörg von Kralik vermutlich vertraut, als er nicht die Stimme, sondern die Zehenstellung korrigierte.

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Meditative Praxis Perspektiven der Aufmerksamkeit

Florian Osswald

Zieht uns die Außenwelt im Alltag ganz in ihren Bann, treten einzelne Lebensaugenblicke weniger ins Bewusstsein. Nur wenn wir die Aufmerksamkeit intensiv auf sie richten, leuchten sie auf: das Wort eines Schülers, ein provokantes Verhalten im Unterricht oder ein fragender Gesichtsausdruck. Wir schauen durch Sprache und Gestik hindurch auf die tiefere Intention dieses jungen Menschen – und die Erfahrung zeigt: Der Lebensaugenblick verwandelt sich. Für einen Moment steht ein anderer Mensch vor uns, und im Nachklang entsteht fragendes Interesse. Rudolf Steiner hat den Pädagogen Übungen und Meditationen zur Verfügung gestellt, um die eigene Aufmerksamkeit zu steigern und dadurch neue Kräfte zu bekommen. Bei der Tagung ‹Meditative Praxis› von 16. bis 18. Februar geht es darum, individuelle Übungsansätze zu finden, um Brücken zwischen der meditativen inneren Arbeit und der Begegnung mit den Schülern im Unterrichtsgeschehen zu schlagen.

Florian Osswald · Claus-Peter Röh

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Die Präparate

Ueli Hurter

Anfang Februar kommen mehr als 800 biologisch-dynamisch arbeitende Landwirte, Gärtnerinnen und Händler zur Jahrestagung der Sektion für Landwirtschaft zusammen. Dieses Jahr widmet sich die Konferenz den Präparaten, jenen acht alchemistischen Substanzen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Gespräch mit Ueli Hurter und Benno Otter.

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Unendlichkeit

Renatus Ziegler

Am 6. Januar 2018 wäre Georg Cantor hundert Jahre alt geworden – ein Grund, über das Unendliche nachzudenken. Georg Cantor (1845–1918) gehört zu den Begründern der modernen mathematischen Lehre vom Unendlichen und unterschied verschiedene Formen von Unendlichkeiten. Darüber hinaus vertiefte er sich auch in philosophische und theologische Fragestellungen im Umfeld des Unendlichen. Die folgenden elementaren Gedanken sollen an diesen Pionier erinnern. 

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Jerusalem: Therapie an der Westküste

Redaktion

Fortgesetzte Forschung für die Therapie

Jan Ranck, Leiterin des Jerusalem Eurythmie Ensemble und der Jerusalemer Akademie für Eurythmie, bietet für Heileurythmisten und Ärzte einen Einblick in das Menschenwesen in Verbindung zur Toneurythmie an. In seinem Vortragszyk­lus ‹Eurythmie als sichtbarer Gesang› weist Rudolf Steiner auf die Elemente hin, die aus dieser Bewe­gungskunst für die Heilung effektiv gewonnen werden können. Durch seine Beispiele wurden auch die Eurythmistin Lea van der Pals und die Ärztin Margarete Kirchner­ Bockholt inspiriert und sie arbeiteten bis in die späten 50er­Jahre daran weiter, um eine Reihe therapeutischer Übungen zu entwickeln. Die Fortbildung findet zwischen dem 22. Juni und 1. Juli in Portland, usa, statt.

www.rudolfsteiner.org

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Dornach: In eigener Gestaltung

Jonas Lismont

Mit dieser Ausgabe verabschieden wir Stephan Siber aus der Redaktion. Er ist zurück nach Wien gegangen, um sich seiner Dissertation zu widmen. Er wird uns weiter begleiten mit gelegentlichen Beiträgen und in Korrekturfragen. – Für Franka Henn ist die Zeit gekommen, Mutter zu werden, nachdem sie zuvor in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft unseren neuen Heft­bereich ‹Goetheanum Weltweit› aufbaute. Wir hoffen, sie zwischen Wickeltisch und Tragetuch bald erneut zu begrüßen. – Neu im Team seit November ist Mathias Thamm, Mitautor von ‹Heal Your Hospital›. Derzeit widmet er sich seiner Masterarbeit an der Uni Witten-­Herdecke. Bei uns ist er der neue Ansprechpartner für Anzeigen und Sponsoring. – In der Redaktion eingetroffen ist Jonas Lismont. Bis Dezember arbeitete er in der äthiopischen Botschaft in Brüssel und wird nun im Besonderen den Heftbereich ‹Goetheanum Weltweit› betreuen und unsere digitale Entwicklung voranbringen.

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Dornach: Das geistige Goetheanum

Redaktion

«Meine lieben Freunde, wie es gestern Jahresfrist war, dass wir hinschauten auf die züngelnden Flammen, die uns das alte Goetheanum verzehrten, [...] so dürfen wir schon heute wohl darauf hoffen, dass wir, wenn das physische Goetheanum dastehen wird, so gearbeitet haben werden, dass das physische Goetheanum bloß das äußere Symbolum ist für unser geistiges Goetheanum, das wir mit als Idee nehmen wollen, wenn wir jetzt in die Welt hinausgehen.»

Rudolf Steiner am 1. Januar 1924, 8.30 Uhr abends (GA 260)

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