Dichter und Prinzessin: Rainer Maria Rilke im Briefwechsel mit Elya Maria Nevar

Dichter und Prinzessin: Rainer Maria Rilke im Briefwechsel mit Elya Maria Nevar

Im Verlag am Goetheanum erscheint gerade der seit Langem vergriffene Briefwechsel zwischen Rainer Maria Rilke und der späteren Goetheanum-Schauspielerin Elya Maria Nevar. Gegenüber der 1946 erschienenen Erstauflage ist der Briefwechsel um 15 weitere Briefe, die im Goetheanum Archiv entdeckt wurden, wesentlich erweitert und ist mit bisher unbekannten Erinnerungen, Anmerkungen, einer biografischen Skizze von René Madeleyn sowie historischen Fotos ausgestattet.


Christiane Haid Was macht den besonderen Zauber dieses Briefwechsels aus?

René Madeleyn Für mich liegt der Zauber dieses Briefwechsels in den vielen feinen Nuancen, einer gewissen unschuldigen Anmut. Rilke hat Elya Maria Nevar gegenüber nicht seine ganze dichterische Größe ausgebreitet, da gibt es viel bedeutendere Briefe, zum Beispiel an Marie Taxis oder Nanny Wunderly-Volkart oder in großer Leidenschaft geschriebene wie an Magda von Hattingberg. Schon in Elyas erstem Brief fällt der Mut auf, mit dem sie einen der bekanntesten Dichter dieser Zeit gleich duzt und die Liebe zu seiner Seele mit einer Liebe zu Gott vergleicht. Sie war Studentin und mit ihren 23 Jahren 19 Jahre jünger als Rilke. Dann fällt auf, wie Elya ihrer Rolle als Prinzessin, in der Rilke sie kennenlernte, treu blieb. Scheu klopft sie an die Tür des Dichters. Sie haben nie zusammengelebt oder eine gemeinsame Reise unternommen und ihre Freundschaft hatte einen Charakter, den beide mit einem «Nebeneinanderknien im Geiste» beschrieben. Wie Rilke bei den wöchentlichen Treffen in seiner Wohnung in München zu ihren Füßen sitzt und sie gemeinsam Stifter lesen, auch das strahlt einen besonderen Zauber aus.

Haid Mich hat beeindruckt, wie die Freundschaft anfing: der mehrmalige Besuch Rilkes im ‹Georgsspiel›, er hat sie mehrfach in dieser Rolle erlebt. Dann ihre Überlegungen, mit ihm in Kontakt zu kommen, die zunächst zögerlich sind, und dann der erste Brief mit dieser so sicheren und selbstbewussten Anmutung. Sie hatte ja keinen Namen und er war ein bereits berühmter Schriftsteller. Was muss er bei ihren Worten gedacht haben? Sie sind zugleich unschuldig, kindlich und trotzdem sicher treffend, unmittelbar und weisheitsvoll. Können Sie über die ersten Blätter hin und her und den Eindruck, den Sie dabei haben, ein wenig erzählen? Was hofft Elya bei Rilke zu finden und was sucht er bei ihr?

 
Elya Nevar als Helena auf der Goetheanumbühne

Elya Nevar als Helena auf der Goetheanumbühne

 

Madeleyn Ich habe den Eindruck, Elya hat über viele Monate mit der Frage gelebt, wie sie auf Rilke zugehen könnte. In dem ersten, so ungewöhnlichen Brief lebt für mich die ganze Kraft dieses innerlichen Umgangs. Sie hat eine Art von Mitleid, das in die Tiefe geht, erlebt Rilkes – man darf es als Arzt schon so nennen – schwere Depression. Er leidet an der Verwundung seiner die Nationen übergreifenden Liebe zur Welt, war viele Jahre in Paris beheimatet gewesen, und jetzt war Deutschland im Krieg sowohl mit Frankreich als auch mit seinem geliebten Russland. Aber auch eine tragende Lebensgemeinschaft als Ehe war ihm auf Dauer nicht möglich gewesen, er musste Frau und Kind verlassen, um seinen Weg als Künstler gehen zu können, blieb ihnen dabei aber lebenslang verbunden. Dazu kam die weitgehende Unmöglichkeit, in dieser schweren Zeit dichten zu können. Rilke sucht bei Elya, wie er im zweiten Brief schreibt, eine Art von menschlicher Zuwendung, die für ihn zu «einem Ding von höchster Kostbarkeit» geworden war. So gelingt es ihr, zum Kern seiner innersten Seele vorzudringen. Durch «Wolken von Traurigkeit» findet Elya einen Glanz in Rilkes Innerem. Sie finden sich in der Liebe zur Sprache, zum Wort. Dann wird für mich beim Lesen der ersten Briefe eine tiefe Schicksalsverbundenheit deutlich, beide erleben die erste Begegnung wie eine Wiederbegegnung nach langer Trennung.

Sie haben nie zusammen­gelebt oder eine gemein­same Reise unter­nommen und ihre Freundschaft hatte einen Charakter, den beide mit einem «Nebenein­anderknien im Geiste» beschrieben.

Haid Im Finden der Schicksalsverbundenheit von Rilke und Elya spielt das ‹Stunden-Buch› eine große Rolle. Können Sie dies näher beschreiben?

Madeleyn Das ‹Stunden-Buch› ist Rilkes erstes wirklich bedeutendes Werk. Für ihn waren es Gebete, die sich morgens nach dem Aufwachen oder an stillen Abenden aus Worten wie von selbst formten. Es war die Frucht der Russlandreise 1899 mit Lou Andreas-Salomé. Die Wirklichkeit der Auferstehung erlebte er bei der Feier der Osternacht in Moskau im Spiegel der jubelnden Menschen, in der Gemütstiefe der frommen, orthodoxen Russen: «Das war mein Ostern, und ich glaube, es reicht für ein ganzes Leben aus; die Botschaft ist mir in jener Moskauer Nacht seltsam groß gegeben worden, ist mir ins Blut gegeben worden und ins Herz, ich weiß es jetzt: Christus ist auferstanden!», schreibt er 1904 an Lou.

Es war dieselbe Zeit, zu der Rudolf Steiner in «innerster, ernstester Erkenntnisfeier» vor dem Mysterium von Golgatha stand. Bei Rilke war dieses Erleben, ähnlich wie auch das ‹Stunden-Buch›, in das Erleben der Empfindungsseele getaucht, er war 23 Jahre alt. Als Elya anfing, Rilke 1917 aus der Ferne wahrzunehmen, war sie ebenfalls 23 und konnte das ‹Stunden-Buch›, das sie liebte, zum großen Teil auswendig, während Rilke innerlich während der Kriegsjahre und in seinen Beziehungen bereits die Einsamkeitskultur der Bewusstseinsseele mit 42 Jahren durchgemacht hat und vorerst im Dichten verstummt war. Wie in manchen Gedichten mittelalterlicher Mystiker wird im ‹Stunden-Buch› eine innere Nähe zu Gott geschaffen, die mit der Nähe zu einer Geliebten (Lou) wie zu verschmelzen scheint, getaucht in vielfältige, oft sinnliche Bilder.

Das im Brief 69 von Elya zitierte Gedicht ‹Lösch mir die Augen aus …› aus dem ‹Stunden-Buch› kann man sowohl als Gebet zu Gott als auch als Liebesgedicht an Lou verstehen. ‹Frömmigkeit und Liebe› – so könnte man zusammenfassen – schlug über das ‹Stunden-Buch› die Brücke von Elya zu Rilke.

 
Rainer Maria an Elya, 7. Dezember 1923. Die hier abbgebildeten Briefe befinden sich im Goetheanum Archiv.

Rainer Maria an Elya, 7. Dezember 1923. Die hier abbgebildeten Briefe befinden sich im Goetheanum Archiv.

 

Haid Wie sah Elyas eigenes Leben aus, als sie Rilke traf? Wussten ihre Angehörigen von dem Kontakt?

Madeleyn Für Elya fiel die Begegnung mit Rilke in eine Lebensphase, die von einem inneren Umbruch bestimmt war. Sie lebte noch bei den Eltern, studierte Kunstgeschichte in München und war auf dem Weg, Schauspielerin zu werden. Die Eltern waren absolut gegen die Anthroposophie, der sie sich bereits mit Begeisterung zugewandt hatte. Die Vorträge über Kunst, die Rudolf Steiner in dem von Alexander von Bernus begründeten Kunsthaus Das Reich im Februar 1918 gehalten hatte, offenbarten ihr eine Welt, der sie ihr weiteres Leben widmen wollte. Rilke, der vermutlich den wegen Überfüllung des Kunsthauses von Steiner gehaltenen Doppelvortrag gehört hatte, war von ihr damals als erst- und letztmaliger Hörer Rudolf Steiners nicht wahrgenommen worden. Elyas Vater, hoher Offizier bei der Wehrmacht und Katholik, versuchte auch in der Familie mit militärischer Disziplin für weltanschauliche Ordnung zu sorgen. Er lud einen erfahrenen Theologen und Prediger nach Hause ein, um Elya zu überzeugen, dass sie einer Irrlehre anhing, was aber den Widerspruchsgeist in ihr noch verstärkte. Rilke war in der Familie als damals schon berühmter Dichter durchaus gerne gesehen, aber nur wenige Male zu Besuch bei den Hotops. Die schwärmerische Liebe zu diesem Dichter konnte wenig Unheil anrichten. Viel skandalöser war für die Familie, als Elya von dem bereits zweimal verheirateten Schauspieler und Anthroposophen Max Gümbel-Seiling ein Kind erwartete und ihn dann heiratete, das war 1920, als Rilke bereits in der Schweiz war und sich die Beziehung zu Elya in Briefen fortsetzte. Sie wurde mehr oder weniger aus der Familie ausgestoßen, bekam kein Geld mehr, wurde auch später, wie mir der in München lebende Neffe Herbert Hotop erzählte, nicht mehr zu Familienfeiern eingeladen. Ab 1924, nachdem sie mit ihrem Mann nach Dornach gezogen war, hielt sie mehr als 50 Jahre dem Goetheanum und seiner Bühne die Treue, in großen Rollen wie der Helena in Goethes ‹Faust› und dem Luzifer in den ‹Mysteriendramen›.

 
Rilke unter dem Apfelbaum auf Gut Böckel, 1917. Aufnahme von Hertha Koenig.

Rilke unter dem Apfelbaum auf Gut Böckel, 1917. Aufnahme von Hertha Koenig.

 

Haid Es ist erstaunlich, dass Elya mit Rilke gar nicht über die Anthroposophie zu reden versucht oder er ihr gegenüber nicht auf die damalige Erfahrung zu sprechen kommt.

Madeleyn Rudolf Steiner äußerte sich dahingehend, dass Rilke die Anthroposophie nicht brauche, er sei ja Dichter. Elya muss gespürt haben, dass die Sprache der Anthroposophie für Rilke wie eine Fremdsprache sei, und hat so gehandelt wie einem Menschen gegenüber, mit dem man in der Regel nicht in einer ihm nicht geläufigen Sprache spricht. Die geistige Welt, die Welt der Engel und der Verstorbenen, war Rilke auf künstlerische Weise zugänglich, sein besonders intimes, von ihm so genanntes Einweihungserlebnis aus der Zeit der ersten ‹Elegien› in Duino hat er Elya anvertraut: Er fühlte sich dabei aus seinem Körper gehoben, in die andere Seite der Natur und zugleich ins Reich der Verstorbenen versetzt. Auch hat er ihr von einem Besuch bei einer Hellseherin erzählt, die ihn in dieser Fähigkeit als überlegen erlebte. Rilke selbst beklagte seine Schwierigkeiten im Umgang mit Wissenschaft und Philosophie, alles Systematisieren lag ihm fern, so Anthroposophie als Geisteswissenschaft. Seine Einsamkeit hat Elya stark erlebt, er konnte sich niemals einer religiösen oder weltanschaulichen Gruppierung anschließen, musste seinen Weg allein gehen. Sie wiederum hat in ihrem liebenden Herzen Rilke und die Anthroposophie zusammengeführt, hat die Freundschaft nach Rilkes Tod 1926 auf besondere Weise fortgesetzt, wie ihr ‹Requiem› und andere jetzt erstmals veröffentlichte Gedichte aus ihrem Nachlass zeigen.

Haid Ebenso überrascht, dass sie Rilke nicht in ihre eigenen Lebensprobleme einbezieht oder ihn um Rat bittet. Das zeugt doch von innerer Stärke und einem hoch entwickelten Selbstbewusstsein, dieses Verhältnis so ganz auf das zu konzentrieren, was der tatsächliche Inhalt desselben ist, und nichts anderes hineinzumischen. Es scheint, als ob sie sich ganz in einem inneren Lauschen an Rilke und seine Einsamkeit hingibt und versucht, für ihn und seine Seele einen inneren Raum zu bilden.

Madeleyn Doch, Elya hat Rilke in ihre Lebensprobleme einbezogen, aber nur kurz, in der Verarbeitung einer für sie belastenden Beziehung, wie der Brief vom 8.2.1919 zeigt. Sie hat diesen Brief in der Erstausgabe nicht veröffentlicht und über die Identität dieses Mannes ist nichts bekannt. Auf jeden Fall hat Rilke ihr dabei geholfen, wie die wenigen überlieferten Andeutungen zeigen. Vermutlich haben sie sich im persönlichen Gespräch ausgetauscht, Rilke lebte zu dieser Zeit noch in München. Ein weiteres Mal hat er sie während der schwierigen Trennung vom Elternhaus unterstützt, von der Schweiz aus, hat ihr sogar angeboten, einen Brief an ihren Vater zu schreiben (s. Brief 105 und 111). Die Zeit nach dem Wegzug aus München, der Hochzeit mit Max Gümbel-Seiling, der Geburt der beiden Kinder und der beginnenden Arbeit an der künftigen Goetheanumbühne war für Elya eine sehr glückliche Zeit, auch an diesem Glück nahm Rilke regen Anteil.

 
Elya an Rainer Maria, 17.4.1919

Elya an Rainer Maria, 17.4.1919

 

Haid Neben Elya und Rilke hat auch Albert Steffen den schon erwähnten Vortrag von Rudolf Steiner besucht. Steffen kannte ja Rilke etwas und hat in seinem ‹Buch der Rückschau› Eindrücke von der Begegnung mit Rilke festgehalten. Darin finden sich einige Beobachtungen über Rilke, die in ihrer holzschnittartigen Bildhaftigkeit aufmerken lassen. Steffen sah Rilke öfter im Ethos, einem kleinen vegetarischen Restaurant, in dem er zu Mittag aß. Er schrieb: «So musste ich oftmals denken: Diese Stirn ist wie ein Turm. Der Türmer, der Ausblick hält, sieht ein Geisterheer vorüberschweben, aber es sind nicht christliche Engelscharen, sondern islamitische. Und merkwürdig war der Mund. Er erinnerte an den Oberkiefer einer Bachbarbe, mit den langen Bartfäden, der ich als Bube so gern zugeschaut hatte, wenn sie im klar fließenden Quellwasser stille stand, während die Wellen über den glitzernden Steingrund rieselten. Plötzlich verstand ich auch die bald helle, bald schattige Flut aus diesen Augen, den innerlichen Wechsel von Vertrauen und Furcht. Ein Geist, der frei ist und doch spürt, dass über ihm ein Schrecken hängt! Wovor aber hatte dieser Dichter Angst? – Dass er aus seinem Lebenselement gerissen würde …» Das scheint mir zu den inneren Beobachtungen Elyas zu passen. Steffen hat im Tagebuch wohl noch mehr aufgezeichnet und ebenso finden sich Bemerkungen zu Elya.

Madeleyn Elya Nevar und Albert Steffen sind nie wirklich Freunde geworden, obwohl beide zu Rilkes Freundeskreis in München gehörten und in Dornach 40 Jahre gemeinsam für das Goetheanum tätig waren. Elya hatte diese tiefe Seelenliebe zu Rilke, Steffen behielt eine gewisse Skepsis. Er schreibt in seinen bisher nicht veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen, er könne Rilkes Entelechie nicht in seinen Gedichten finden, sie erscheine ihm dort zu wenig lichtdurchdrungen. Christian Morgenstern vergleicht er mit nahrhaftem Brot, Rilkes Gedichte erscheinen ihm ‹nur› wie ein Genussmittel. Das hat natürlich Elya ganz anders erlebt. Der Hinweis auf «islamitische Heerscharen» in Zusammenhang mit Rilkes Blick auf die Engel ist allerdings einseitig, wenn man die vielen Gedichte über Engel in der Zusammenschau betrachtet. Gerade die Charakterisierung des Engels in Aufzeichnungen aus Toledo nähert sich erstaunlich Rudolf Steiners Beschreibung der Angeloi in den Vorträgen von 1909 ‹Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt›. Rilke schätzte besonders Steffens Roman ‹Sibylla Mariana›, den darin vertretenen völkerübergreifenden Friedensgedanken, den auch Rilke vertrat, und die Schilderungen im Grenzbereich zu übersinnlichen Erfahrungen. Er hielt in einem Brief an den gemeinsamen Freund Hans Reinhart Steffens Feder für eine der «ganz reinen». Steffens letzter Traum von Rilke, 1958, ist im Tagebuch so wiedergegeben: «Rilke besucht uns, da er fühlt, hier ist eine geistige Heimat.» Elya Nevar hat ihren Nachlass der Familie, den Briefwechsel mit Rilke aber dem Goetheanum hinterlassen. Dort führte er im Archiv über Jahrzehnte ein verborgenes Dasein, keiner der Mitarbeiter wusste davon. Sicherlich wollte sie mit dieser Geste Rilke ein Stück Heimatgefühl im Goetheanum vermitteln, das trifft sich dann wieder mit Steffens Traum und kann uns immer wieder Anlass sein, diesem stetig suchenden Dichter zu begegnen, der 1904 an seine Frau Clara schrieb: «Denn das Wort muss Mensch werden. Das ist das Geheimnis der Welt!»


René Madeleyn (Hg.)

Dichter und Prinzessin — Rainer Maria Rilke und Elya Maria Nevar

Eine Freundschaft in Briefen, Aufzeichnungen und Dokumenten

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Für Rilke war Elya Maria Nevar die treue Herzensfreundin der späten Kriegsjahre in München. Er entdeckte sie als junge Darstellerin der Prinzessin Elya in einem mittelalterlichen Georgsspiel, das ihr späterer Ehemann Max Gümbel-Seiling inszenierte. Rilke besuchte alle Aufführungen dieses Spiels, ohne zunächst auf sie zuzugehen. Sie wiederum identifizierte sich mit dieser Rolle so, dass sie anstelle ihres ursprünglichen Namens Else den der Prinzessin als Künstlernamen behielt. Im Februar 1918 sind beide in einem Vortrag Rudolf Steiners über das ‹Sinnlich-Übersinnliche in seiner Verwirklichung durch die Kunst›. Elya ist begeistert und widmet ihr weiteres Leben als Schülerin Rudolf Steiners der Anthroposophie, Rilke ist skeptisch, wie er seinem Dichterkollegen Albert Steffen in einem anschließenden Gespräch gesteht. Noch kam es zu keiner persönlichen Begegnung zwischen Rilke und Elya, doch dann führt der erste Brief an Rilke zu einer Einladung, vielen Begegnungen und einer Freundschaft, die sich in den insgesamt 155 Briefen spiegelt und über sieben Jahre fortsetzt. Rilke erlebt den Höhepunkt seiner späten Lyrik einsam im Walliser Schloss von Muzot und dankt in seinem letzten Brief Elya dafür, dass sie die «Hüterin seiner Einsamkeit» in München war. Elya Nevar wirkt als eine der großen Schauspielerinnen der Goetheanumbühne über Jahrzehnte in Dornach, so in «ihren» Rollen des Luzifer in Rudolf Steiners ‹Mysteriendramen› und der Helena in Goethes ‹Faust›.

Der Briefwechsel wird hier erstmals vollständig veröffentlicht, kommentiert und mit bisher unbekannten Dokumenten herausgegeben.

Erschienen im Verlag am Goetheanum, 2019, 272 Seiten, Gebunden, 11,8 × 17,8 cm, 25 € | 32 CHF

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