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Wochenschrift für Anthroposophie ‹Das Goetheanum›

Proletarische Orte

Hefte

Proletarische Orte

Louis Defèche

«Das Gute und das Böse sind nicht Größen, die vollkommen entgegengesetzt sind; das Gute bringt oft das Böse, während die Möglichkeit, dem Bösen ins Gesicht zu schauen, uns die Fähigkeit eines relativ Guten gibt», sagte der vor Kurzem gestorbene französische Philosoph André Glucksmann. Die aktuellen Weltereignisse werfen große Fragen nach dem ‹Bösen› auf. Die Anregungen der Philosophen treffen die heutige Gesellschaft wenig. Doch fordert die Weltlage nicht eine Vertiefung grundlegender Fragen, so, dass sie breitere Kreise ansprechen könnten? Reicht hier die Philosophie aus?
Die drei Monotheismen haben das Motiv des Antichrist gemeinsam. Im Judentum wird er ‹falscher Messias› und im Islam ‹Daddschal› genannt. Imaginativ gesehen erscheint diese Figur in einer künftigen Offenbarungszeit, in der auch der eigentliche Messias erscheinen soll, als ob die Fähigkeit, den ersteren zu enttarnen, die Möglichkeit, den letzteren zu erkennen, bedingen würde. Im Islam, wo dieses Ende der Zeiten mit einem großen Krieg verbunden ist, wird zuerst von dem Mahdi gesprochen, der als Retter kommt, gefolgt von ‹Jesus, Sohn der Maria›, der in Damaskus auftreten soll. Bemerkenswert ist, dass dieser letzte Krieg die Region von Syrien, Irak und Arabien verwüsten soll.
Es bleibt unmöglich, solche Bilder und Gedanken mittels des vorstellenden Denkens zu deuten. Hier scheint eine imaginative Fähigkeit vonnöten, die aus einer Anthroposophie entstehen kann. Sprechen die Fragen unserer Zeit nicht von der Aufgabe, eine Geisteswissenschaft zu entfalten, die sich nicht an Spezialisten wendet, sondern an jeden denkenden Menschen? Sprechen sie nicht von der Notwendigkeit, Gesprächsräume zu schaffen, als offene, proletarische Orte der gemeinsamen Vertiefung bedrängender Fragen?

 

Rückentext der Ausgabe
Das Goetheanum Nr. 48
27. November 2015

PDF

Gesicht des Antichrist Seite 5
«Kindlein, liebet einander!», sagte er. Wie kann unsere Gegenwart anhand der Apokalypse des Johannes beleuchtet werden? Von Mechtild Oltmann und Bernd Lampe

Notation für Eurythmie Seite 4
Tanz wird von der Komponistin Mela Meierhans als eigenständiges Instrument angeschaut. Werkstattstudie zur Jenseitspentalogie. Von Theresa Prüssen

Fremd bin ich eingezogen … Seite 10
«Herr Nima, ich habe heute gelernt, dass hinter jedem Menschen ein Gesicht steckt.» Das sind für mich die schönsten Geschenke. Jonas von der Gathen spricht mit Nima Pour Jakub

Inhalt

Blicke Seite 2-4
Mein Gehirn sagt mir nichts Philip Kovce
Sorge Tristan Chaudon
Geschichten aus Syrien Stefan Pangritz
Nacht durchwachen Theresa Prüssen
Rätsel Einstein Johannes Roth

Zusammenhänge Seite 5-9
Apokalyptische Gegenwart Mechtild Oltmann
Kindlein, liebet einander! Bernd Lampe

Gespräch Seite 10-12
Fremd bin ich eingezogen
Nima Pour Jakub · Jonas von der Gathen
Zuschrift Karl Kaltenbach

Titelbild von Jasminka Bogdanovic ‹Hommage an Studenica 3›, 2015, Tempera auf handgeschöpftem Papier, ca. 57.6 × 76.2 cm. www.bogdanovic.ch


Titelbild von Jasminka Bogdanovic ‹Hommage an Studenica 3›, 2015, Tempera auf handgeschöpftem Papier, ca. 57.6 × 76.2 cm. www.bogdanovic.ch