Das Goetheanum wurde 1921 als Wochenschrift von Albert Steffen und Rudolf Steiner gegründet.

Letzte Ausgabe

Ich atme tief ein

Ich atme tief ein

Ich atme tief ein. Der Moment kommt, in dem das Selbst stärker wird als das ‹geht mich nichts an› und die Benommenheit und Faulheit am Kragen packt und sie hinausschleudert in den kosmischen Dom, wo sie in Millionen Splitter zerspringt und eine gebrochene Statue von Wertlosigkeit wird, die vom Selbst auf ihrem Weg zurück gefangen wird und in den zähen Erdkern geschlagen, vollständig besiegt, zerbrochen und machtlos. Das ist der Moment innerer Bewegung. Der Tanz des Atems. Ich bin wieder mit dem Geist verbunden. Diesen Moment nenne ich den ‹Altar der Gegenwart›. Bewusstsein strömt in den Atem und treibt die Dunkelheit, Faulheit und Taubheit aus.
Ich atme tief und kehre in mich selbst ein. Ich erinnere die Sonnenkräfte. Ich erlaube ihrem Abbild, in meine Gedanken einzufallen wie ein balsamierender Blitz, der in die Struktur des Selbst hinein explodiert und mir ermöglicht, die Welt zu erobern. Ja!  Die Welt erobern, denn an diesem Punkt des inneren Kampfes hat das Feld der Möglichkeiten angefangen, in seinem Negativraum Gestalt anzunehmen, und die Umwandlung hat begonnen. Positives Denken regt sich. Alles wird möglich. Auf diesem Feld bin ich ein Samen. Nicht der typische Samen, der wächst und blüht. Nein! [...]
Beim Einatmen fülle ich das Selbst mit Sonnenkräften auf. Beim Ausatmen befreie ich mich von dem dunklen Leben in mir. Das innere Licht wird durch meine Tat genährt. Meine Tat ist ein Moment innerer Anwesenheit, ein Bewusstseinszustand, ein Augenblick des Gleichgewichts. Ich vereine mich mit dem Geist.  (Siehe auch S. 6 im Heft)

 

Rückentext der Ausgabe
Das Goetheanum Nr. 44-45
30. Oktober 2015

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Die große Stille Seite 6
Ted Chiang entwirft Wissenschaften vom Menschen. Hier betrachtet er im Gewand ei­nes Papageien die Schöpfung der Sprache. Von Ted Chiang

Aufwachen in Island Seite 8
Beim Einatmen fülle ich das Selbst mit Sonnenkräften. Beim Ausatmen befreie ich mich von dem dunklen Leben in mir. Erzählung aus Island. Von Sigrún Úa Gunnarsdóttir

Phänomen des Fremden Seite 12
Wie fassen wir das Fremde auf? Was kann aus dem Geist der Fremdheit geboren werden? Wo ist der Ort des Fremden? Von Gilda Rhien

 

Inhalt

Blicke Seite 2-5
Gesundheit durch Grundeinkommen
Michaela Glöckler · Kristina Eva Schwab
Wir Unternehmer Bijan Kafi
Schöpfung wird Leben Gabriela Jüngel
Gralsweg heute? Paul Zebhauser
Der einsame Mensch Wolfgang Held

Zusammenhänge Seite 6-13
Die Große Stille Ted Chiang
Aufwachen Sigrún Úa Gunnarsdóttir
Phänomen des Fremden Gilda Rhien

Gespräch Seite 14-16
Culturscapes Island
Jurriaan Cooiman · Madeleine Ronner

 

‹Holuhraun› ist ein Lavafeld im isländischen Hochland nördlich des Vatnajökull, das durch Spalteneruptionen entstanden ist. Die Bilder entstanden zwischen August 2014 und Februar 2015 durch Sigrún Úa Gunnarsdóttir.


‹Holuhraun› ist ein Lavafeld im isländischen Hochland nördlich des Vatnajökull, das durch Spalteneruptionen entstanden ist. Die Bilder entstanden zwischen August 2014 und Februar 2015 durch Sigrún Úa Gunnarsdóttir.

Seher und Maler

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