Das Goetheanum wurde 1921 als Wochenschrift von Albert Steffen und Rudolf Steiner gegründet.

Letzte Ausgabe

Immer ist’s ein Vieles

Immer ist’s ein Vieles

Der heisseste Ort der Erde liegt in Libyen mit 58˚, der kälteste bewohnte Ort in Sibierien mit-71˚, der feuchteste in Nordamerika (Hawaii) und der trockenste Ort in Südamerika, die Atacama-Wüste. Ob längster Fluss (Amazonas) oder größter See (Kaspisches Meer), höchster Berg oder tiefste Schlucht (Grand Canyon) – wenn es um Superlative geht, ist Europa nie dabei. Der älteste menschliche Fund stammt aus Afrika, der jüngste aus Australien. Auch bei Größe und Artenzahl von Tieren, Pflanzen und Bodenschätzen kann Europa nicht punkten. Europa ist immer mittelmäßig und der Umkehrschluss hieße, überall, wo die Mitte kultiviert wird, wird es europäisch. Im Denken ist es das Interesse, im Gefühl die Empathie und im Willen der Kompromiss, was die Mitte hervorbringt. 

Das Gespräch steht dabei immer am Anfang und für das Gespräch scheint Europa eingerichtet zu sein, denn einen Superlativ darf der alte Kontinent für sich verbuchen: Bei der Anzahl der Länder überragt Europa alle andern Kontinente. Von den 193 Nationen liegen 47 auf europäischem Gebiet, obwohl Europa keine 7% des weltweiten Gebietes auschmacht. «Kein Lebendiges ist ein Eins, Immer ist‘s ein Vieles», so endet Goethes Hymnus an die Natur, und der Hymnus könnte auch Europa gelten. Grenzzäune wie zwischen den USA und Mexiko oder Einschüchterungen wie in Australien sollten deshalb kein europäischer Weg sein, denn sonst, das ist zwischen Slowenien und Kroatien und nun sogar zwischen Deutschland und Österreich zu sehen – gefährdet Europa, was es auschmacht, seine Anlage zum Gespräch, seine Liebezum Gespräch.

Rückentext der Ausgabe:

Das Goetheanum Nr. 49
4. Dezember 2015

PDF

Andrej Belyj Seite 5
Ein Denkmal in Moskau - Wie wird mit Andrej Belyj und seiner Beziehung zur Anthro-posophie heute in Russland umgegangen. Von Hans Hasler

Anthroposophie ist politisch Seite 8
Begriffe der Sozialen Dreigliederung können dem Veränderungswillen vieler Menschen Bewußtsein und den Blick aufs Ganze schenken. Von Gerald Häfner

Von nun an bin ich eine Andere Seite 6
Die Flüchtlinge sehen nicht unbedingt so aus, wie wir sie uns vorstellen. Die Fremdheit wird zur Anerkennung der Gemeinsamkeit. Von Christiane Gerges


Inhalt

Blicke Seite 2-5
Klangforschender Abenteurer Johanna Lamprecht
Klartext und Zeitgeist Andreas Laudert
Lebensmotiv ‹Kalewala› Elisabeth Bessau
Mein Geld Tobias Raedler
Mensch und Ding Hans-Christian Zehnter
Andrej Belyj wahrnehmen Hans Hasler

Zusammenhänge Seite 6-11
Eine Andere Christiane Gerges
Dreigliederung heute?! Gerald Häfner

Gespräch Seite 12
Frauenkunst? Karl-Heinz Tritschler


  ‹Dreigliedriger Fuß› Zeichnung und digitale Werkzeuge 2015, von Asaf Hameiri: Der Fuß besteht aus Fußwurzel, Mittelfuß und Zehen, ist dreigegliedert. Die Umlenkung von Schwerkraft, das Leiten von Muskelspannungen, die feinmotorische Tätigkeit der Zehen, wurden bei mir nicht über Tanz, oder etwa Sport in Erfahrung gerufen, sondern uneingeladen, über den kläglichen Job eines Ausstellungsaufsehers.

 

‹Dreigliedriger Fuß› Zeichnung und digitale Werkzeuge 2015, von Asaf Hameiri: Der Fuß besteht aus Fußwurzel, Mittelfuß und Zehen, ist dreigegliedert. Die Umlenkung von Schwerkraft, das Leiten von Muskelspannungen, die feinmotorische Tätigkeit der Zehen, wurden bei mir nicht über Tanz, oder etwa Sport in Erfahrung gerufen, sondern uneingeladen, über den kläglichen Job eines Ausstellungsaufsehers.


Mit Rudolf Steiner im Gespräch

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