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Wochenschrift für Anthroposophie ‹Das Goetheanum›

Mit Rudolf Steiner im Gespräch

Hefte

Mit Rudolf Steiner im Gespräch

Wolfgang Held

Es war wie so oft bei seinen Vorträgen ein Schlussakkord, der nicht enden wollte. Werner Rauer, der neun Waldorfschulen gegründet hatte, formte mit Herz und Blut vom Rednerpult eine geistige Gemeinschaft. In ihr durfte sich jeder erhoben und aufgehoben fühlen – nur er selbst, Werner Rauer, nicht. Das spürte ich, wenn ich als sein Student ihn dann im Auto nach Hause fuhr. Da saß der Redner in sich versunken auf dem Beifahrersitz und je heller das Rampenlicht während der Reden schien, desto stiller war es nun um ihn. Öffentliche Menschen sind einsame Menschen. Was uns aus unserer Einsamkeit befreit, das ist, dass jemand an unseren Selbstgesprächen teilnimmt, zuhört, wenn wir zweifeln, doch wie, wenn eben dieses Selbstgespräch sogleich als Rede missdeutet wird, ins Licht gezerrt wird?
Deshalb versagt das Schicksal den öffentlichen Menschen diese Zuhörerschaft, lernen sie oft, auf das freundschaftliche Ohr zu verzichten. Der Clown, der sich im Spiegel von seiner Schminke befreit, ist das strapazierte Bild dieses Opfers. Er erlöst uns von unserer Insel und bezahlt es mit dieser. Und doch gibt es bei denen, die so vorangehen, eine Spurensuche dieses Rates mit sich selbst. Bei Rudolf Steiner sind es unfassbare 600 Notizbücher, sind es Änderungen in den Ausgaben seiner Werke, ist es ein unendliches Netz von Bezügen, die den Blick von dem, was er ‹sagte›, zu dem, was er ‹meinte›, lenken. Man solle, so schreibt er selbst, die Lektüre seiner Bücher als ein Gespräch mit ihm selbst auffassen. Die menschlichen, die geistigen oder alltäglichen Beziehungen in seinen Werken zu studieren, heißt, in den Raum seines Selbstgespräches einzutreten, heißt, ihm etwas Einsamkeit zu nehmen und zu bemerken, weil die einzelnen Worte nun nicht mehr den Halt bieten, dass man selbst dabei gewollt etwas einsamer wird.

Rückentext der Ausgabe:

Ad fontes – per aspera ad astra: Durch das neu gegriffene Erschließen der Quellen wird eine neue Grundlage für geistige Forschung gelegt. Basisfotografie ‹Editionsquellen› von Ivana Suppan


Ad fontes – per aspera ad astra: Durch das neu gegriffene Erschließen der Quellen wird eine neue Grundlage für geistige Forschung gelegt. Basisfotografie ‹Editionsquellen› von Ivana Suppan

Das Goetheanum Nr. 50
11. Dezember 2015
PDF

Gesamtausgabe Rudolf Steiners Seite 6
Der neue Toneurythmiekurs leitete den Schritt von Lese- zu Studienausgaben ein. Ein Gespräch über Bedürfnisse aus einzelnen Berufsfeldern.
Von Sebastian Jüngel

Selbstbewusstes Europa Seite 5
Die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert wirft ein Licht auf ihre Natur und Identität,
aber auch auf die gegenwärtige Weltlage.
Von Jonas Lismont

Diskurs & Poesie Seite 10
Während Karl-Ove Knausgårds wuchernde Romane das Ich offenbaren, verbergen es Philip Kovces Aphorismen im Denk-Keim.
Von Andreas Laudert

INHALT

Blicke Seite 2-5
Jenseits der Vorstellungen Wolfgang Held
Ergebenheit Andreas Laudert
Un-Erhört! Jonas von der Gathen
Poesien Sebastian Jüngel
Dezemberstimmung Renatus Derbidge
Selbstbewusstes Europa Jonas Lismont

Zusammenhänge Seite 6-9
Von der Edition zur geistigen Forschung Sebastian Jüngel
Im Gespräch mit Felix Lindenmaier Wolfgang Held

Gespräch Seite 10-13
Diskurs & Poesie Andreas Laudert
Walter Kugler · Johannes Nilo

Zuschriften Karl Kaltenbach · Emanuel M. Pusterer