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Wochenschrift für Anthroposophie ‹Das Goetheanum›

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In Memoriam

Louis Defèche

14. Dez. 1935 – 6. Nov. 2016

Adriana Onofrei

Adriana Onofrei wurde als fünftes und letztes Kind in der kleinen Ortschaft Frumu­şica im Nordosten Rumäniens geboren, von gesegneter Landschaft umgeben. Der Vater war Notar, sehr geschätzt und von Leuten der «Mann der Gerechtigkeit» genannt. Die mora­lische Kraft ihrer Mutter hat
sie im Leben begleitet; diese war auch «ein Mensch der Ini­tiative».
Schon gegen Ende der Schulzeit fühlte Adriana den Ruf
einer sich jenseits der Sinne
befindenden Welt. Als studierte Psychologin und aktive Forscherin war sie enttäuscht vom dortigen Menschenbild.
Immer auf der Suche nach dem Wesentlichen in den Dingen, bewegte sie sich in den 1960er-Jahren – auch als Dichterin – im Kreis derjenigen aufrichtigen Menschen, die das Kulturleben im Lande prägten, ohne Kompromisse mit der herrschenden kommunistischen Macht zu akzeptieren. Das blieb nicht ohne Folgen: Manche wurden verhaftet; Adriana Onofrei musste die Forschung verlassen.
Als 34-Jährige wurde sie dann auch noch mit dem überraschenden Tod ihres Verlobten und Gleichgesinnten konfrontiert. Drei Jahre später aber brachte das Schicksal sie in Berührung mit der Anthroposophie. Sie erzählte später: «Mein Leben bekam eine andere Substanz, mein Dasein erhielt andere Dimensionen und Ziele.» Man kann hinzufügen: Auch ihre dichterische Kraft bekam Flügel.
Die 1928 gegründete und 1947 verbotene Societatea Anthroposofică din România (SAR) konnte 1990 neu gegründet werden. Adriana Onofrei wurde ihr langjähriges Vorstandsmitglied. Mit ihrem
ausgezeichneten Sinn für die Sprache war sie – mit zwei,
drei anderen – an der Übersetzung der Mysteriendramen, der Klassenstunden und an­derer Werke Rudolf Steiners
beteiligt.
 Ihre fruchtvolle Arbeit wurde bedauerlicherweise seit etwa 2009 von einer immer intensiver eingreifenden Krankheit behindert – am 6. November 2016, früh am Morgen wurde Adriana Onofrei von diesem Leiden befreit. | Gheorghe Paxino, Stuttgart (DE)


6. Februar 1918 • 22. Jan. 2017

Vojislav Janković

Vojislav Janković wurde in Nizza (FR) geboren. Nach 1919 wuchs er in Belgrad (RS) auf. Ab 1936 studierte er dort an der Universität Maschinenbau, von 1939 bis 1940 besuchte er die Schule für Reserveoffiziere in Sarajevo. Er war von 4. bis 15. April 1941 im Krieg – bis zu seiner Gefangennahme. Es folgte eine Zeit in einem Kriegsgefangenenlager für Offiziere in Deutschland, bis er von den Amerikanern befreit wurde und am 30. Juni 1945 nach Belgrad zurückkehrte.
Von 1946 bis 1958 arbeitete er zunächst als Senior-Techniker in der technischen Verwaltung, dann als freier Konstrukteur und technischer Leiter von ‹Invest-Import›. Von 1959 bis 1978 wirkte er im Außenhandel beim Export von komplexen Industrieanlagen. Dreimal war er längere Zeit unterwegs, und zwar in Indien, Burma, Sudan, Vietnam und Brasilien.
Einsatz für die Anthroposophie
1953 begegnete er durch Slobodan Velicki der Anthropo­sophie. Er gehörte dem inneren Kreis der Anthroposophen in Belgrad an. Seit seiner Pensionierung 1978 übersetzte und schrieb er. Dabei legte er ab 1988 einen Schwerpunkt auf die Dreigliederung des sozialen Organismus. Und er unternahm Versuche zur Spiritualisierung der Kultur (in der Art und Weise von Rudolf Steiner):
Kunst. Vojislav Janković schrieb die fünf Dramen ‹Wir alle wollen das›, ‹Großvaters Geschichten›, ‹Der Goldene Schlüssel für die Prinzessin›, ‹Dunkle Provinz› und ‹Das Neue Zeitalter› sowie zwei Gedichte ‹Ballade› und ‹Hymne›. Er übersetzte ‹Esoterische Geschichten und Gedichte (Auswahl)› von Novalis, ‹Die Entwicklung des Musikerlebens in der Kindheit› von Edmund Pracht sowie Auszüge aus dem Buch ‹Eurythmie› von Wolfgang Veit.
Wissenschaft. Er schrieb ‹Der mathematische Ansatz zur Geis-­­teswissenschaft›, ‹Über Wissenschaft› (übersetzt ins Englische), ‹Über Natur›, ‹Lasst uns unser Denken ordnen› und übersetzte ‹Goethe contra New­ton› von André Bjerke.
Geschichte. Er schrieb ‹Esoterische Deutungen serbischer Volksdichtungen›, ‹Verfall des Westens – ja oder nein?›, ‹Am Ende des 20. Jahrhunderts›, ‹Peter de Rosa schreibt, ich kommentiere›, ‹Was ist die Gegenwart, was ist die Vergangenheit im menschlichen Denken?›.
Religion. Er schrieb ‹Das christliche Mysterium› (übersetzt ins Englische), ‹Freimaurerischer Auftrag von Henri Tort-Nouguès›, ‹Über Jesuitismus›, ‹Das Interview mit Danilo Lazic›.
Kopien und Internet
Geopolitik. Er schrieb: ‹Vier Doppelströmungen zu den Serben› und ‹Aufruf an das serbische Volk›.  Und Erneuerung der Kultur. Er schrieb ‹Belgrad, eine Zeit freien geistigen Lebens›, ‹Vorschlag, um die Verfassung zu verbessern›, ‹Erwerben von Wissen und Moral› und ‹Dreigegliederte soziale Ordnung›.
Theater und Verleger lehnten alle diese Werke ab. Seine Schriften kursieren als Foto­kopien und im Internet. Sein Blog: troclanstvo.blogspot.rs.
Am 22. Januar 2017 starb Vojislav Janković in Obrenovac.
| Slobodan Žalica, Sarajevo (BA)