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Dornach, 4143
Switzerland

Wochenschrift für Anthroposophie ‹Das Goetheanum›

Nachrichten Blog

In Memoriam

Louis Defèche

14. Dez. 1935 – 6. Nov. 2016

Adriana Onofrei

Adriana Onofrei wurde als fünftes und letztes Kind in der kleinen Ortschaft Frumu­şica im Nordosten Rumäniens geboren, von gesegneter Landschaft umgeben. Der Vater war Notar, sehr geschätzt und von Leuten der «Mann der Gerechtigkeit» genannt. Die mora­lische Kraft ihrer Mutter hat
sie im Leben begleitet; diese war auch «ein Mensch der Ini­tiative».
Schon gegen Ende der Schulzeit fühlte Adriana den Ruf
einer sich jenseits der Sinne
befindenden Welt. Als studierte Psychologin und aktive Forscherin war sie enttäuscht vom dortigen Menschenbild.
Immer auf der Suche nach dem Wesentlichen in den Dingen, bewegte sie sich in den 1960er-Jahren – auch als Dichterin – im Kreis derjenigen aufrichtigen Menschen, die das Kulturleben im Lande prägten, ohne Kompromisse mit der herrschenden kommunistischen Macht zu akzeptieren. Das blieb nicht ohne Folgen: Manche wurden verhaftet; Adriana Onofrei musste die Forschung verlassen.
Als 34-Jährige wurde sie dann auch noch mit dem überraschenden Tod ihres Verlobten und Gleichgesinnten konfrontiert. Drei Jahre später aber brachte das Schicksal sie in Berührung mit der Anthroposophie. Sie erzählte später: «Mein Leben bekam eine andere Substanz, mein Dasein erhielt andere Dimensionen und Ziele.» Man kann hinzufügen: Auch ihre dichterische Kraft bekam Flügel.
Die 1928 gegründete und 1947 verbotene Societatea Anthroposofică din România (SAR) konnte 1990 neu gegründet werden. Adriana Onofrei wurde ihr langjähriges Vorstandsmitglied. Mit ihrem
ausgezeichneten Sinn für die Sprache war sie – mit zwei,
drei anderen – an der Übersetzung der Mysteriendramen, der Klassenstunden und an­derer Werke Rudolf Steiners
beteiligt.
 Ihre fruchtvolle Arbeit wurde bedauerlicherweise seit etwa 2009 von einer immer intensiver eingreifenden Krankheit behindert – am 6. November 2016, früh am Morgen wurde Adriana Onofrei von diesem Leiden befreit. | Gheorghe Paxino, Stuttgart (DE)


6. Februar 1918 • 22. Jan. 2017

Vojislav Janković

Vojislav Janković wurde in Nizza (FR) geboren. Nach 1919 wuchs er in Belgrad (RS) auf. Ab 1936 studierte er dort an der Universität Maschinenbau, von 1939 bis 1940 besuchte er die Schule für Reserveoffiziere in Sarajevo. Er war von 4. bis 15. April 1941 im Krieg – bis zu seiner Gefangennahme. Es folgte eine Zeit in einem Kriegsgefangenenlager für Offiziere in Deutschland, bis er von den Amerikanern befreit wurde und am 30. Juni 1945 nach Belgrad zurückkehrte.
Von 1946 bis 1958 arbeitete er zunächst als Senior-Techniker in der technischen Verwaltung, dann als freier Konstrukteur und technischer Leiter von ‹Invest-Import›. Von 1959 bis 1978 wirkte er im Außenhandel beim Export von komplexen Industrieanlagen. Dreimal war er längere Zeit unterwegs, und zwar in Indien, Burma, Sudan, Vietnam und Brasilien.
Einsatz für die Anthroposophie
1953 begegnete er durch Slobodan Velicki der Anthropo­sophie. Er gehörte dem inneren Kreis der Anthroposophen in Belgrad an. Seit seiner Pensionierung 1978 übersetzte und schrieb er. Dabei legte er ab 1988 einen Schwerpunkt auf die Dreigliederung des sozialen Organismus. Und er unternahm Versuche zur Spiritualisierung der Kultur (in der Art und Weise von Rudolf Steiner):
Kunst. Vojislav Janković schrieb die fünf Dramen ‹Wir alle wollen das›, ‹Großvaters Geschichten›, ‹Der Goldene Schlüssel für die Prinzessin›, ‹Dunkle Provinz› und ‹Das Neue Zeitalter› sowie zwei Gedichte ‹Ballade› und ‹Hymne›. Er übersetzte ‹Esoterische Geschichten und Gedichte (Auswahl)› von Novalis, ‹Die Entwicklung des Musikerlebens in der Kindheit› von Edmund Pracht sowie Auszüge aus dem Buch ‹Eurythmie› von Wolfgang Veit.
Wissenschaft. Er schrieb ‹Der mathematische Ansatz zur Geis-­­teswissenschaft›, ‹Über Wissenschaft› (übersetzt ins Englische), ‹Über Natur›, ‹Lasst uns unser Denken ordnen› und übersetzte ‹Goethe contra New­ton› von André Bjerke.
Geschichte. Er schrieb ‹Esoterische Deutungen serbischer Volksdichtungen›, ‹Verfall des Westens – ja oder nein?›, ‹Am Ende des 20. Jahrhunderts›, ‹Peter de Rosa schreibt, ich kommentiere›, ‹Was ist die Gegenwart, was ist die Vergangenheit im menschlichen Denken?›.
Religion. Er schrieb ‹Das christliche Mysterium› (übersetzt ins Englische), ‹Freimaurerischer Auftrag von Henri Tort-Nouguès›, ‹Über Jesuitismus›, ‹Das Interview mit Danilo Lazic›.
Kopien und Internet
Geopolitik. Er schrieb: ‹Vier Doppelströmungen zu den Serben› und ‹Aufruf an das serbische Volk›.  Und Erneuerung der Kultur. Er schrieb ‹Belgrad, eine Zeit freien geistigen Lebens›, ‹Vorschlag, um die Verfassung zu verbessern›, ‹Erwerben von Wissen und Moral› und ‹Dreigegliederte soziale Ordnung›.
Theater und Verleger lehnten alle diese Werke ab. Seine Schriften kursieren als Foto­kopien und im Internet. Sein Blog: troclanstvo.blogspot.rs.
Am 22. Januar 2017 starb Vojislav Janković in Obrenovac.
| Slobodan Žalica, Sarajevo (BA)

Anträge für die General Versammlung

Louis Defèche

Antrag 1

Antrag zur geheimen Abstimmung an der Generalversammlung
Die Generalversammlung möge in getrennter und geheimer Wahl beschließen:
1.    «Alle Abstimmungen zu Anträgen (mit Ausnahme der Geschäftsordnungs­anträge) erfolgen geheim, sofern dies von den jeweiligen Antragstellern gewünscht wird.»
2.    «Die Abstimmung über die Entlastung des Vorstandes erfolgt immer geheim.»
Begründung: Von einer unbeeinflussten und freien Abstimmung kann angesichts der konkreten Situation in der General­versammlung nicht ausgegangen werden. Es gehört zu der besonderen Situation in Dornach, dass bei der Generalversammlung eine große Zahl von Mitgliedern anwesend ist, welche sich in der verschiedens­ten Weise in Abhängigkeiten vom Goethe­anum befinden, zum Beispiel als freie oder angestellte Mitarbeiter, Pensionsempfänger, Mieter oder gelegentlich engagierte Künstler. Es ist unmittelbar nachvollziehbar, dass sich viele dieser Mitglieder nicht frei fühlen können, gegebenenfalls auch gegen zum Beispiel den Vorgesetzten zu stimmen, der direkt gegenüber auf der Bühne sitzt. Eine wirklich freie Abstimmung kann daher nur eine geheime sein. Der sich ergebende Zusatzaufwand wird bei entsprechender Vorbereitung ver­tretbar sein und durch ein den wirklichen Verhältnissen entsprechendes Abstimmungsergebnis mehr als aufgewogen.
Dornach, den 9. Februar 2017
Tatiana Garcia-Cuerva, Thomas Heck, Gerd-Mari Savin, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Roland Tüscher


Antrag 2

Antrag zur Zählung der Stimm­enthaltungen bei Abstimmungen
an der Generalversammlung
Die Generalversammlung möge in geheimer Abstimmung beschließen: «Bei allen Abstimmungen werden auch die Stimmen gezählt, die sich enthalten haben.»
Begründung: Insbesondere bei Abstimmungen über die Wahl beziehungsweise Wiederwahl von Vorständen und auch bei der Abstimmung über die Entlastung
der Vorstände ist die Differenzierung des Abstimmungsergebnisses in Zustimmung, Enthaltung und Ablehnung von Bedeutung. Derzeit ist es üblich, Enthaltungen
so zu behandeln, als wären die Mitglieder gar nicht anwesend gewesen. Dabei ist die Enthaltung ein wichtiges Ausdrucksmittel zwischen einem klaren «Ja» und einem
klaren «Nein», insbesondere wenn es sich um die Entlastung des Vorstandes handelt. In diesem Sinne ist es nicht sachgemäß, Enthaltungen so zu behandeln, als wären die entsprechenden Mitglieder bei der Abstimmung gar nicht anwesend gewesen.
Dornach, den 9. Februar 2017
Helmut Eicher, Tatiana Garcia-Cuerva, Thomas Heck, Gerd-Mari Savin, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Roland
Tüscher


Antrag 3

[auf Bekanntgabe der Initiative
‹Ein Nachrichtenblatt› in
‹Anthroposophie weltweit›]
Die Generalversammlung 2017 möge
beschließen: «Die Generalversammlung bittet den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft im Sinne eines freien Geisteslebens zu er­mög­lichen, dass sich die Initiative von ‹Ein Nach­richtenblatt› in ‹,Anthroposophie weltweit› vorstellen kann und damit allen Mitgliedern bekannt gegeben wird.»
Begründung: Im Jahr 2011 wurde das von Rudolf Steiner begründete und seit 1924 wöchentlich erscheinende Nachrichtenblatt ‹Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht› nicht weiter heraus­gege­ben. An dessen Stelle erscheint heute für die Mitglieder zehn Mal im Jahr ‹Anthroposophie weltweit›. Erscheinungsweise und Umfang erlauben bei Weitem nicht die früher vorhandene Vielfalt an Bei­­-
trä­gen wie Mitgliederbriefe, inhalt­liche Beiträge, Berichte aller Art, grundlegende Darstellungen zu Gesellschaftsangelegenheiten, Auseinandersetzungen um kon­troverse Themen und vieles mehr.
Damit ist ein lebendiger und zeit­nah-aktueller Austausch zwischen den Mit­gliedern untereinander und mit der Goethe­anum-Leitung nicht mehr möglich und findet auch tatsächlich nicht mehr statt, man vergleiche einmal die heutigen Inhalte mit denen um die Jahrtausendwende.
Um auch weiterhin über ein lebendiges Kommunikationsorgan zu verfügen, wurden Mitglieder initiativ und geben nun
im siebten Jahrgang ‹Ein Nachrichtenblatt› heraus für Mitglieder der Anthroposophi­schen Gesellschaft und Freunde der Anthroposophie.
Eine auch nur ideelle Unterstützung
im Sinne einer positiven Wahrnehmung seitens der AAG-Führung ist bisher nicht erfolgt. Die Existenz dieses Nachrichtenblattes ist auch nach sechs Jahren den
Mitgliedern durch die Redaktion von ‹Anthroposophie weltweit› nicht zur Kenntnis gegeben worden, obwohl dies mehrfach angefragt wurde. Inzwischen hat das Nachrichtenblatt viele Hunderte Abon­nenten. Die Rückmeldungen von Lesern sind weitestgehend positiv, der Bedarf nach einem unabhängigen Nachrichtenblatt ist eindeutig gegeben, so kann ein Stück weit ein freies Geistesleben inner­halb der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft realisiert werden. Um einen Eindruck vom Nachrichtenblatt zu bekommen, können kostenlose Probeexemplare per E-Mail unter ein.nachrichtenblatt@startmail.com oder per Post (‹Ein Nachrichtenblatt›, R. Tüscher, K. Juel, Apfel­seestr. 21, 4147 Aesch, Schweiz) angefordert werden.
Es sollte im Interesse und in den In­tentionen der AAG-Organe liegen, einen lebendigen Austausch und vielfältige
Ver­öffentlichungsmöglichkeiten im Sinne
eines freien Geisteslebens zu fördern und zu unterstützen. In diesem Sinne sollte
es möglich sein, dass sich die Initiative von ‹Ein Nachrichten­blatt› in ‹Anthroposophie weltweit› der gesamten Mitgliedschaft vorstellen kann. Auch einer kon­struktiven Zusammenarbeit sollte aufgrund gemeinsamer anthroposophischer Ziele nichts im Wege stehen. Wir bitten daher die Generalversammlung im Sinne eines freien Geis­teslebens um ein positives Vo­tum.
Dornach, den 9. Februar 2017
Tatiana Garcia-Cuerva, Thomas Heck, Eva Lohmann-Heck, Gerd-Mari Savin,
Angelika Schuster, Leonhard Schuster
 
Liste der Antragsteller zur Generalversammlung 2017 der AAG zu ‹Ein Nachrichtenblatt›: Ernst-Felix von Allmen, Julia Arnold, Iris Blankenhorn, Beate Blume, Jan Fontain, Tatiana Garcia-Cuerva, Bernard Frank Gerritsen, Mozes Foris, Lucius Hanhart,
Thomas Heck, Monica Heredeu von Allmen,
Herbert Holliger, Sirpa Honko-Linde, Dagmar
Jessen, Christian Jüttendonk, Eva Lohmann-Heck, Thomas O'Keefe, Thomas Pittracher, Cora Bettina Richter, Elke-Maria Rischke, Gerd-Mari Savin, Klaus Schäfer-Blankenhorn, Ingrid Schleyer, Roswitha Schumm, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Stephen E. Usher, Carina Vaca Zeller und Paul Peter Vink sowie 27 weitere Unterstützer.


Antrag 4

[auf einen vollständigen Rechenschaftsbericht und einen Mitgliedertag zum ‹Faust›-Projekt]
Die Generalversammlung möge beschließen: «Der Vorstand wird be­auftragt, bis Ende 2017 einen vollständigen Rechenschaftsbericht zu dem ‹Faust›-Projekt zu veröffentlichen und einen Mitgliedertag zu ermöglichen, an dem alle Verantwortlichen den Mitgliedern für
Fragen und Informationen zur ‹Faust›-Inszenierung zur Verfügung stehen.»
Begründung: Der aktuelle ‹Faust›-Zyklus wird wohl mit mindestens drei Superla­tiven in die Geschichte der Goetheanum-Bühne eingehen: der kürzeste, der schlechteste und der teuerste. Nach wenig mehr als einem Jahr wird dieser Zyklus im Sommer 2017 beendet werden, üblich waren in der Vergangenheit sieben bis zehn Jahre Aufführungszeit, und darauf war auch dieser Zyklus ursprünglich angelegt. Insofern müssen triftige Gründe für dieses Ende vorliegen. Es scheint aber so, als sei aus Sicht der Verantwortlichen mit der kurzen Mitteilung in ‹Anthroposophie weltweit› Nr. 1–2/2017 alles gesagt.
Nach den Statuten der an der Weihnachtstagung 1923 gegründeten Anthropo­sophischen Gesellschaft, in deren Nach­folge sich der Vorstand nach eigenem Selbstverständnis sieht – siehe Antritts­erklärungen Bodo von Plato und Sergej
Prokofieff 2001 –, wird in der Jahres­versammlung «[…] von dem Vorstande ein vollständiger Rechenschaftsbericht gegeben […]». Dies geschieht seit Jahren ent­weder nur in sehr verkürzter und wenig aussagekräftiger Form oder gar nicht (Bodo von Plato an der GV 2014).
Wir halten jedoch einen Rechenschaftsbericht in Bezug auf das gescheiterte ‹Faust›-Projekt aufgrund seiner Dimen­sion und Bedeutung als dringend geboten, da der entstandene ideelle und materielle Schaden erheblich sein dürfte. Es werden zahlreiche Mitglieder in gutem Glauben auf eine Neuinszenierung im Sinne Rudolf Steiners gespendet und das Projekt mit­
ermöglicht haben. Eine Aufarbeitung und Transparenz gegenüber den Mitgliedern scheint uns daher unbedingt notwendig. Zum einen sollten die Verantwortlich­keiten konkret sichtbar werden können, zum anderen die Erfahrungen daraus für zukünftige Aufgaben und Projekte fruchtbar werden.
In der Folge einige Aspekte, die un­bedingt der Klärung bedürfen:
Für die allermeisten Mitglieder im räumlichen und informellen Umfeld des Goetheanum war sehr früh absehbar, dass diese Inszenierung nicht aus den Intentionen Rudolf Steiners und der Anthropo­sophie heraus gestaltet sein würde. Dies wurde deutlich unter anderem an der
Besetzung der Regie, an der offensicht­lichen Bevorzugung nichtanthroposophischer Schauspieler, aus den Absagen von kompetenten Mitarbeitern und Künstlern, aus Berichten von Mitwirkenden, aus den Werbeprospekten und Veröffentlichungen aus der Inszenierung, auch im Internet, und vielem mehr. Zum Beispiel war Mar­tina Maria Sam die Verantwortung für die Dramaturgie übertragen worden. Wenige Monate später wurde ihr Name im Zusammenhang mit der ‹Faust›-Inszenierung nicht mehr genannt; Gründe wurden von offizieller Seite hierfür nicht angegeben. Kurz gesagt: In Dornach wusste jeder –
außer den Verantwortlichen am Goethe­anum? –, worauf diese Inszenierung hinauslaufen würde.
Spätestens in den ersten Proben und allerspätestens in der Voraufführung muss­ten die mit dieser Inszenierung verfolgten Intentionen auch dem Vorstand erkennbar gewesen sein. Sofern man bei der Be­auftragung der Inszenierung ‹vergessen›
haben sollte, sich über die Intentionen zu verständigen, hätte man jetzt eingreifen können und müssen. So bleibt die Frage, warum dies nicht geschah und wie es am Goetheanum zu einer solchen Inszenierung kommen konnte?
 Auch wäre zu realisieren, warum die Aufführungen so schlecht besucht waren. Wie aus zahlreichen Gesprächen und Rückmeldungen zur Analyse der ‹Faust›-Ins­ze­nierung (siehe ‹Ein Nachrichtenblatt› Nr. 25/2016) zu erfahren war, haben viele Menschen schon aufgrund der oben beschriebenen Symptome beziehungsweise des Stils der Werbung entschieden, sich diese ‹Faust›-Inszenierung gar nicht erst an­zuschauen. Nach der Voraufführung von ‹Faust I›, der einzigen ausverkauften Aufführung, erschien im Oktober eine Re­zension von Ute Hallaschka in ‹Die Drei›
Nr. 10/2015, die ebenfalls schilderte, was aus der Inszenierung geworden war. Es konnte die bange Frage entstehen, was wohl erst aus ‹Faust II› werden würde, für dessen zahlreiche mythologische Wesen und Figuren Rudolf Steiner eine völlig neue künst­lerische Gestaltung gegeben hatte. Im September 2015 begannen die Voraufführungen zu ‹Faust II› und bestätigten
die Befürchtungen. All dies führte wohl dazu, dass offensichtlich ausgerechnet das in­formierte, anthroposophisch orientierte Kernpublikum den Aufführungen fernblieb und natürlich auch keine Menschen aus deren Umkreis zu einem Besuch angeregt wurden. So stammten die immer wieder offiziell erwähnten positiven Rückmeldungen vermutlich überwiegend gerade von den Besuchern, denen die eigentlichen
Intentionen des Goetheanum fremd oder unbekannt sind. In Bezug auf die Zuschauerzahlen kann ein Vergleich mit den Mys­teriendramen dienen, die gewiss weniger ein ‹normales› Publikum anziehen als ‹Faust› und trotz einer inzwischen mehrjährigen Laufzeit immer noch gut besucht werden.
So stellen sich unter anderen folgende Fragen:
1.    Wer hat den Regisseur beauftragt?
2.    Wer hat die Inszenierung in diesem
Stil und ohne die Einbeziehung der
Angaben Rudolf Steiners so gewollt?
3.    Wie hoch beläuft sich der materielle Schaden?
4.    Wer übernimmt die Verantwortung für den ideellen und materiellen Schaden?
5.    Welche Konsequenzen werden von den Verantwortlichen gezogen beziehungsweise sollen von den Verantwortlichen gezogen werden?
Ein umfassender Rechenschaftsbericht ist unbedingt erforderlich, ganz besonders in ideeller Hinsicht. Es werden zahlreiche Mitglieder gespendet haben in dem guten Glauben, dass die Neuinszenierung aus den Impulsen Rudolf Steiners heraus er­folgen werde. Auch der materielle Schaden – vermutlich in Millionenhöhe – ist erklärungsbedürftig. Die Frage nach den persönlichen Verantwortlichkeiten und den zu ziehenden Konsequenzen muss daher erlaubt sein.
Aus diesem Grund wird der Vorstand
gebeten, einen umfassenden schriftlichen Rechenschaftsbericht zu veröffentlichen und in der Folge einen Mitgliedertag zu
ermöglichen, an dessen Moderation und Gestaltung mehrere Mitglieder und Antragsteller mitwirken können.
Dornach, den 9. Februar 2017
Thomas Heck, Eva Lohmann-Heck, Gerd-Mari Savin, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Roland Tüscher


Antrag 5

Antrag zur Erneuerung
des Antragswesens in der AAG
Zu den leidvollen Erfahrungen aller
Beteiligten an den Generalversammlungen der AAG gehören die zum Teil un­würdigen und unangemessenen Situationen, die sich im Rahmen der Behandlung von Anträgen ergeben haben. Dies ist
bereits seit Jahrzehnten in der AAG der
Fall; wer sich ein wenig mit der Geschichte der AAG beschäftigt, wird reichlich fündig in entsprechenden Berichten von unwür­digen Situationen in Generalversammlungen.
Das Problem trat bald auf nach Rudolf Steiners Tod, kulminiert erstmals in den Ausschlüssen des Jahres 1935, die aufgrund von Mitgliederanträgen im Einvernehmen mit Vorstandsmitgliedern erfolgten. Immer wieder gab es im Rahmen der Generalversammlungen heftige Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedergruppen und dem Vorstand. In konkreter Erinnerung werden vielen Mitgliedern noch die Situ­ationen in den 1990er-Jahren und um die Jahrtausendwende sein.
Die Möglichkeit für Mitglieder, Anträge zu stellen, ist ein hohes Gut und ist bereits in den Statuten der an Weihnachten 1923 gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft explizit enthalten. Dem kommt
insofern eine besondere Bedeutung zu, da in diesen Statuten auf unnötige oder auch nur allgemein übliche Formulierungen von Rudolf Steiner bewusst verzichtet worden war.
Es gab in der Vergangenheit Initiativen von Mitgliedern, das Antragswesen neu zu gestalten, damit einerseits die Generalversammlungen entlastet werden (ein sehn­licher und berechtigter Wunsch vor allem derjenigen Mitglieder, die aus aller Welt anreisen) und andererseits, um ein Rechtsorgan zu schaffen, damit eine Begegnung und Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern und Vorstand auf Augenhöhe möglich wird. So berichtet Karl Heyer, dass er mit einem derartigen Anliegen bereits 1930 gescheitert sei (Quelle: ‹Betrachtungen über die Anthroposophische Gesellschaft› von Karl Heyer aus: ‹Mitteilungen für die Mitglieder der AAG›, Nr. 8, August 1950).
Die Arbeitsergebnisse entsprechender Initiativen von Mitgliedern nach der Jahrtausendwende, deren Behandlung im Rahmen der AAG nur durch einen General­versammlungsbeschluss 2001 ermöglicht worden war, wurden von der Leitung
der Gesellschaft nicht aufgegriffen. Statt­dessen erfolgte der wiederholte Versuch des Vorstandes, im Zuge der geplanten
Reaktivierung der Weihnachtstagungs-Gesellschaft am 28. und 29. Dezember 2002, die Möglichkeit, Anträge zu stellen, weitest­gehend einzuschränken (dokumen­tiert in ‹Ein Nachrichtenblatt› Nr. 4/2017 vom 19. Februar 2017).
Die weltweit zu beobachtende Rück­entwicklung der demokratischen Betei­ligungsmöglichkeiten der Menschen an den gesellschaftlichen Gestaltungspro­zessen kann und darf nicht Platz greifen
in unserer Gesellschaft, sofern wir den
Anspruch, ein Vorbild für die Welt sein zu wollen, nicht fallen lassen wollen. «Die Anthroposophische Gesellschaft muss Menschen vereinigen, die sich heute als den Kern von dem fühlen, was immer weitere und weitere Kreise ziehen muß in der
Zi­vilisation der Menschheit, damit die
Fortschrittsentwickelung der Menschheit wirklich geschehen könne und das Erdenleben nicht verfalle.» (Rudolf Steiner: Die menschliche Seele in ihrem Zusammenhang mit göttlich-geis­tigen Individuali­täten (GA 224), 1992, 2. Mai 1923). Daher möchten die Antragsteller die Initiative ergreifen und erneut einen Versuch unternehmen, in der Gesellschaft ein angemessenes und fruchtbares Organ des Rechts­lebens für die Behandlung von Mitgliederanträgen zu entwickeln.
Beschlussfassung: Die Generalversammlung möge beschließen: «Wir bitten den Vorstand, eine Arbeitsgruppe unter Ein­beziehung der Sozialwissenschaftlichen Sektion ins Leben zu rufen, welche Vorschläge für ein zeitgemäßes und für die AAG angemessenes Antragswesen ent­wickeln soll. Die Arbeitsgruppe soll von Zeit zu Zeit über den Fortschritt der Arbeit
berichten und es ist anzustreben, dass
bis 2019 über die Arbeitsergebnisse ein
Beschluss gefasst werden kann.»
Dornach, 9. Februar 2017
Thomas Heck, Eva Lohmann-Heck, Gerd-Mari Savin, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Roland Tüscher


Antrag 6

Aufhebung der Beschlüsse von 1935
An der Generalversammlung am 14. April 1935 wurde in Bezug auf lta
Wegman und Elisabeth Vreede folgender Antrag gestellt und mit großer Mehrheit beschlossen:
Punkt 3 und 4 der Tagesordnung
«Antrag I.
Die ordentliche Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vom 14. April 1935 spricht aus:
Die beiden Vorstandsmitglieder Frau Dr. lta Wegman und Frl. Dr. Elisabeth Vreede, welche ihre Missachtung des Gesellschaftswillens durch Handlungen zum Ausdruck gebracht haben, die den Charakter eines Selbstausschlusses tragen, werden nicht mehr als Mitglieder des Vorstandes an­erkannt. Um auch den juristischen Erfordernissen genügen zu können, beschliesst die Generalversammlung:
‹Frau Dr. lta Wegman und Frl. Dr. Elisabeth Vreede werden als Vorstandsmitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft abberufen.›
Eine weitere Tätigkeit der beiden genannten Persönlichkeiten im Namen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft erscheint der Generalversammlung unmöglich.» (Nachrichtenblatt Nr. 11–12/
1935 vom 17. März 1935)
Dieser Antrag wurde mit 1691 Ja-Stimmen (76 Nein und 53 Enthaltungen) an­genommen. Obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass die Grundlage dieses An­trages und Beschlusses, insbesondere die sogenannte ‹Denkschrift› aus dem Jahr 1935 (heute zu finden in ‹Wer war lta
Wegman›, Band 3, E. Zeylmans von Em­michoven, Natura Verlag), auf unwahren und unrich­tigen Behauptungen basiert, wurde dieser Beschluss bisher formal nicht aufgehoben und es hat eine gesellschaftsrelevante Aufarbeitung nicht stattgefunden.
An der Generalversammlung 1948 wurden nur Teile der Beschlüsse vom 14. April 1935 aufgehoben. Diese bezogen sich jedoch explizit nicht auf die Abberufung von Eli­sabeth Vreede und lta Wegman (siehe hierzu ‹Nachrichtenblatt› Nr. 16 vom 18. April 1948 und Emil Leinhas, ‹Einige Gesichtspunkte zum Verständnis der Vorgänge in der Anthroposophischen Gesellschaft nach Rudolf Steiners Tod›, Privat­druck, 1963). Die Antragsteller sind der Ansicht, dass es nach über 80 Jahren an der Zeit ist, den Beschluss des Jahres 1935 formal aufzu­heben.
Die Generalversammlung möge daher beschließen:
«Der an der Generalversammlung am 14. April 1935 gefasste Beschluss zum Ta-gesordnungspunkt Generalversammlungs­beschluss zu Antrag 1 des damaligen Tagesordnungspunktes 3 wird hiermit aufgehoben.»
Dornach, den 9. Februar 2017
Tatiana Garcia-Cuerva, Eva Lohmann-Heck, Gerd-Mari Savin, Angelika Schuster, Leonhard Schuster, Roland Tüscher

Wirkung der Anthroposophie zeigt sich erst zukünftig

Louis Defèche

Niels Henrik Nielsen wurde 1964 in Dänemark geboren. Nach anderthalb Jahren in Camp­hill/Schottland wurde er Cellist an der Musikhochschule und spielte viele Jahre in Orchestern und als Kammermusiker. Er ist mit einer Pianistin verheiratet und Vater zweier Töchter (15 und 18). Zurzeit ist er Waldorflehrer und in der Lehrerausbildung tätig.

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Vorstellung von Matthias Girke

Louis Defèche

Ich bin 1954 in Berlin (DE) geboren und habe die gesamte Schulzeit bis zum Abi­tur an der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin durchlaufen. Nach dem Medizinstudium an der Freien Universität Berlin schließt sich die Assistententätigkeit in der Inne-ren Medizin an, danach eine mehrjährige Tätigkeit in der Onkologie einer Berliner Klinik. In diese Zeit fällt auch eine längere Tätigkeit in der Intensivmedizin und im Notarztwagen der Berliner Feuerwehr.

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