«Ich bin Teil des iranischen Volkes»

«Ich bin Teil des iranischen Volkes»

Leserbrief von Nima Pour Jakub zum Artikel von Louis Defèche ‹Iran, eine kulturelle Frage› in ‹Goetheanum› 29–30/2019.


Ich bin ein Menschenrechtsaktivist aus dem Iran und wurde als Student dort inhaftiert und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Ich liebe mein Land und die iranische Kultur. Ich bin Teil des iranischen Volkes. Als ‹Insider› sehe ich es völlig anders, als in diesem Beitrag beschrieben. Es wurde einerseits von den Moderaten und Hardlinern in der islamischen Republik gesprochen und auf der anderen Seite gesagt, dass im Iran ein toleranter Islam gepflegt wird. Hassan Rohani, der sogenannte moderate Präsident, war der erste überhaupt, der das obligatorische Kopftuch in den Ämtern durchsetzen ließ. Als Parlamentsmitglied wollte er Menschen an Freitagsgebeten erhängen lassen. Er hat die Studenten und Studentinnen, die im Juli 1999 protestierten, als Unwürdige beschrieben und als Sekretär des nationalen Sicherheitsrats deren Repression befohlen. Das iranische Volk hat in seinen Protesten seine Opposition zu dem jetzigen Regime deutlich ausgesprochen (im Januar 2017 in 142 Städten mit dem Slogan «Moderate und Konservative, nun kommt euer Ende»).

Im Islam, der dem Volk im Iran von den Mullahs ausgelegt wird, sind Hinrichtungen, Auspeitschungen in der Öffentlichkeit, Augenrausnehmen, Hände- und Füßeamputieren und Steinigungen immer noch gesetzlich erlaubt. Frauen dürfen nicht Präsidentin werden, erben halb so viel wie ein Mann und ihre Zeugenaussagen vor Gericht zählen nur die Hälfte.

In den letzten 40 Jahren hat das Regime des Iran Terroranschläge versucht, Hizbollah, Hamas und Bashar al-Assad unterstützt, Exil-Iraner in EU-Ländern umgebracht und das jüdische Zentrum in Argentinien mit einem Bombenanschlag zerstört.

Solch ein totalitäres Regime kennt keine Grenzen der Unterdrückung seines Volkes und setzt alles ein, um an der Macht zu bleiben – so wie jedes Regime. Wenn wir heute meinen, mit diesem Regime Wirtschaft zu betreiben, sei eine Lösung zum ‹Frieden›, verkennen wir die aktuelle Situation und stärken nur das Terrorregime, das nicht mit dem iranischen Volk verwechselt werden darf. Denn das iranische Volk sehnt sich nach einem ‹freien Iran›.

Nima Pour Jakub (Präsident von Prisoners’ Rights League in Iran)


Antwort von Louis Defèche

Vielen Dank für die Rückmeldung. Die Natur des Regimes im Iran war nicht Thema meines Artikels, sondern das, was die Bevölkerung erlebt. Ich denke nicht, dass ich das Regime mit dem Volk verwechselt habe. Wenn ich über kulturelle oder wirtschaftliche Beziehungen schrieb, meinte ich damit das Volk. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der wirtschaftliche Krieg für das Volk sehr schädlich ist und dass ein militärischer Krieg eine Katastrophe wäre. Ich unterstütze völlig die Sehnsucht der Iraner nach Freiheit.


Der ursprüngliche Artikel von Louis Defèche können Sie hier lesen.

Titelbild: Teheran, Iran. Author: David Stanley, Quelle: flickr

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