Annäherungen an ein heikles Thema

Annäherungen an ein heikles Thema

Zu Steffen Hartmann, ‹Die Michael-Prophetie Rudolf Steiners und die Jahre 2012 bis 2033›, Edition Widar 2017


«Es ist etwas, was leben sollte in den Herzen, in den Seelen derjenigen, die sich Anthroposophen nennen. Und das wird einem die Kraft geben, nun weiter zu wirken; denn diejenigen, die heute Anthroposophen sind, im ehrlichen, wahren Sinne Anthroposophen sind, die werden einen starken Drang haben, bald wiederum zur Erde herunterzukommen. Und innerhalb der Michael-Prophetie sieht man voraus, wie zahlreiche Anthroposophenseelen mit dem Ende des 20. Jahrhunderts wiederum zur Erde kommen, um das, was heute mit starker Kraft als anthroposophische Bewegung begründet werden soll, zur vollen Kulmination zu bringen.» (Rudolf Steiner, 27.8.1924, GA 240)

Wer sich als Anthroposoph immer wieder mit diesen und weiteren gleich lautenden Aussagen Rudolf Steiners über das Karma der anthroposophischen Gesellschaft und ihrer Mitglieder beschäftigt hat, wird sich wohl auch die Frage gestellt haben, ob die darin ausgesprochene «Michael-Prophetie», dass die damals anwesenden Schüler Rudolf Steiners, die Schüler der «Michael-Schule», nach einer außergewöhnlich kurzen Zeit zum Ende des 20. Jahrhunderts wieder inkarniert sein würden, nun tatsächlich eingetreten sei und wenn ja, auf welche Weise. In den meisten Fällen hat man sich diese Frage jedoch nicht wirklich beantworten können oder auch nicht beantworten wollen – wohl auch aus einer Scheu vor allzu spekulativen Gedanken oder Schlussfolgerungen.

Wer nun aber einem nicht spekulativen, zugleich aber mutigen, weil auf eigenen Erfahrungen beruhenden Weg folgen will, dem sei das vorliegende kleine und sehr lesbare Buch Steffen Hartmanns zur Lektüre empfohlen. Dessen Inhalte hier in Gänze zu referieren, wäre der Intimität des Themas und dem Anliegen des Autors nicht angemessen, daher sei hier so viel nur verraten, dass sich die Lektüre auf jeden Fall lohnen wird. Denn auch wenn man nicht mit allen Darstellungen des Autors übereinstimmt, so sind diese doch ein Gewinn, weil sie zur eigenen Beschäftigung mit dem Thema anregen und helfen, auf die bisher vielleicht unbeantworteten Fragen eine Antwort zu finden. Hierzu nur ein Beispiel.

Bislang ging man berechtigterweise davon aus, dass sich die Michael-Prophetie bezüglich der Wiederkehr der damaligen Anthroposophen und der von Steiner damit verbundenen «Kulmination» und «Spiritualisierung» der Anthroposophie auf das Ende des 20. Jahrhunderts bezog, weil Steiner das nun einmal so gesagt hat. Daher also, so die Schlussfolgerung, sei das vorhergesagte Ereignis nun also bereits vorübergegangen. Ob die «Kulmination», vor allem aber die damit verbundene «Spiritualisierung» nun tatsächlich eingetreten sei, darüber jedoch sind die meisten Interpreten sehr im Zweifel. Umso mehr, als man sich wie schon gesagt die Frage, ob die Anthroposophen von damals denn nun tatsächlich wiedergekehrt seien, eben nicht beantworten konnte oder wollte.

Hartmann macht nun unter anderem auf eine bereits von Anton Kimpfler bemerkte Eigentümlichkeit der Kalenderrechnung Rudolf Steiners aufmerksam. Dieser hatte seinen Kalender 1912/13 auf das Jahr «1879 nach der Ich-Geburt» datiert. Damit würde unsere Zeitrechnung mit dem Tod des Christus-Jesus auf Golgatha im Jahre 33 einsetzen. Mithin wäre in dieser Betrachtungsweise das Ende des 2. Jahrtausends im Jahre 2033. Daraus aber, so Hartmann, ergäbe sich für die Aussagen Steiners über das Ende des 20. Jahrhunderts eine neue Perspektive: «Es mag das bedeuten, dass wir durch Christus im Zeitraum von 33 Jahren eine nochmalige Chance bekommen, etwas aufzugreifen, das vorher nicht genug fruchten konnt …» (S. 27) Damit unterscheidet Hartmann nun eine mehr äußerliche Betrachtungsweise, die sich auf das bereits gewesene Jahrtausendende und äußerliche «Kulmination» bezieht, von einer mehr innerlichen, die sich auf das eben noch bevorstehende Jahrtausendende richtet. Hartmann meint in diesem Sinne deutlich wahrnehmen zu können, dass sich seit etwa 2012 etwas in der geistigen Atmosphäre der Erde verändert habe, wodurch es möglich sei, dass sich die Michael-Schüler seither direkter begegnen und in ihrem Wesen begreifen könnten.

Das Büchlein bietet mit solchen und weiteren, auf eigene Wahrnehmungen gestützten und mutigen Aussagen zur Michael-Prophetie eine gute Grundlage, um dieses Thema vor allem im Gespräch mit Freunden weiter zu vertiefen und durch eigene Beobachtungen zu ergänzen, wie überhaupt die Intention des Autors darin besteht, nicht nur die Selbsterkenntnis, sondern das «Wiederbegegnen» innerlich anzuregen: «Denn geschrieben steht über uns mit übersinnlichen Lettern: Werdet euch bewusst, dass ihr ja wiederkommen werdet vor dem Ende des 20. Jahrhunderts und am Ende dieses 20. Jahrhunderts, das ihr aber vorbereitet habt! Werdet euch bewusst, wie das dann sich ausgestalten kann, was ihr vorbereitet habt!» (Steiner, 28.7.1924, GA 237)

Offene Lektüren 5

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Spuren, in den Sand gelegt

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