Weltreligion der Freiheit und des Friedens

Weltreligion der Freiheit und des Friedens

Hinweis auf ein Buch von Anton Kimpfler. Es ist die Erzählung von sieben Geschwistern, die einen großen, weltweiten Reigen bilden. In der Reihenfolge ihrer geografischen Verwurzelung entfaltet sie Anton Kimpfler in der vorliegenden Schrift von Ost nach West: Taoismus, Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum, Christentum und eine mit südwestlichen Regionen verbundene Weltreligion. Das, was alle Religionen verbindet, ist im Sinne des Autors die neue Christus-Realität. Diese weist über alle Konfessionen hinaus.


Ein Schlüssel zum Frieden ist sicherlich Religionsfreiheit. Der Staat hat sich ganz zurückzuhalten – jeder Mensch soll seinen individuellen Glaubensweg gehen dürfen, wozu auch der Atheismus gehören kann. Stark betont Kimpfler, dass keine Religion aufgrund von Glaubenssätzen oder Dogmen wahrhaft Bestand haben kann, sondern nur durch das konkrete Tun der Gläubigen sich glaubwürdig erweisen wird. Die Weltreligionen könnten sich wie die Farben des Regenbogens in der Verehrung Gottes ergänzen.

Altes Einheitsempfinden klingt im Taoismus an. Der Buddhismus zeigt den rechten Umgang mit dem Leiden und ein Besänftigen aggressiver Marskräfte. Im Hinduismus mit seinen vielen Göttern werden alle Dinge in ihrer Eigenart gewürdigt, ja geheiligt. Der Islam trägt in sich das hohe Ideal umfassender Barmherzigkeit – danach kann bis zum Ende aller Zeiten gestrebt werden. Ein Zukunftsaspekt des Judentums ist die Erwartung des kommenden Messias – eine reale Brücke zur Wiederkunft Christi. Das Christentum hat ein Bewusstsein von Christus, der als Gottessohn in die ganze Menschheit hineinstarb. Durch seine Auferstehung kann nun alles neu werden. Eine wertvolle Ergänzung tritt noch durch die verschiedenen Naturreligionen hinzu, sodass tatsächlich erst alle Geschwister der Religionen die ganze Menschheitsfamilie bilden und Raum für den göttlichen Vater bereiten können.

Kimpfler schreibt abschließend: «Jeder von uns hat einzigartige Beziehungen zu allem anderen. Das gilt sowohl gegenüber den Mitmenschen und der gesamten Erde als auch gegenüber höheren Weltgebieten. [...] Nur was unser freies Ich bejaht, ist auch als Religion angemessen. [...] Kein einzelnes Bekenntnis kann die alleinige Berechtigung beanspruchen. [...] Zum Beispiel wird häufig beklagt, wie die immensen Gegensätze in der Welt ein Zeugnis dafür abgeben, dass kein gerechter Gott existieren könnte. Vielleicht ist das nur mit uns zusammen zu realisieren? Dann sind wir mitverantwortlich für göttliches Gerechtigkeitswalten!» (S. 107 f.)

Diese Schrift von Anton Kimpfler ist außerordentlich dicht. Ich benötigte als Leser mehrere Anläufe, um ihren Gehalt zu erfassen. Ein Ansporn für dieses langsame, meditative und wiederholte Lesen des Buchs war für mich das Kunstwerk der brasilianischen Malerin Gabriela de Carvalho, das das Titelblatt ziert. Hier ist einer der seltenen Fälle gegeben, wo ein Bild kongenial eine ganze Schrift zusammenfasst und durch Farben und Formen erhellt. Ein schöneres Zusammenwirken zweier Menschen bei diesem umfassenden Menschheitsthema könnte es wohl nicht geben.

Engel über Europa: Rilke als Gottsucher

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Luzifer auf der Deckenmalerei

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