«Menschlichkeit vor Bürokratie»

«Menschlichkeit vor Bürokratie»

Buurtzorg – auf Deutsch: Nachbarschaftshilfe, hat in Holland Pionierarbeit geleistet, um ein menschliches und auf Gemeinschaft bauendes System der ambulanten Pflege zu entwickeln. Es revolutioniert dabei international die Pflegewelt.


Im Jahre 2007 hat Jos de Blok mit vier Pflegefachkräften in den Niederlanden den Versuch gewagt, ohne Gewinnorientierung und in bewusstem Einbezug des Patienten und seines Umfelds zu arbeiten. Damals war das ganze bürokratische System in der Pflege höchst ineffektiv und zerfasert, was auf die Ausübenden einen zermürbenden und desillusionierenden Effekt hatte. Schon im März 2016 arbeiteten 9700 Frauen und 300 Männer für Buurtzorg. Die Organisation hat die höchste Patientenzufriedenheit im Lande und wurde mehrfach zum ‹attraktivsten Arbeitgeber in den Niederlanden› gewählt.

Woher kommt dieser Erfolg? Das Konzept ist einfach: Pflegefachkräfte sollen in ihrem Einzugsgebiet wirksam sein, selbständig arbeiten können und dadurch wieder Sinn in ihren Aufgaben finden. Das Ziel der Arbeit wird eindeutig formuliert: «Wahrung der Eigenständigkeit und Unterstützung der Unabhängigkeit (je nach Möglichkeit auch von der Pflege).» Die Pfleger müssen sich erst in Gruppen von vier bis zwölf Mitarbeitenden finden, melden sich dann an und werden spezifisch geschult. Wichtige Elemente sind Selbständigkeit und achtsame Kommunikation. Dabei geht es darum, dass nicht die ganze Last auf die professionellen Arbeiter fällt, sondern Verwandtschaft und Institutionen sich aktiv beteiligen. Ein informelles und formelles Netzwerk soll den Patienten möglichst schnell von der ambulanten Pflege unabhängig machen. Alle Planungs- und Genesungsschritte werden genau dokumentiert und sind Beweis für den Erfolg der Pflegenden. So entsteht ein natürliches Verhältnis, in dem die Aufgabe, für pflegebedürftige Menschen zu sorgen, wieder aus der Nachbarschaft übernommen wird. Dabei werden Werkzeuge der Kommunikation und der Arbeitsstruktur eingesetzt, die zukunftsweisend sind. Kommuniziert man, soll man immer darauf achten, was man wem wie sagt und sich die drei Fragen stellen: Ist es wahr? Ist es liebevoll? Ist es notwendig? Der Arbeitgeber stellt nur den Rahmen zur Verfügung, um die Arbeit zu ermöglichen, mit welcher die Angestellten mit ihren Kollegen in der Welt wirken wollen. Die essentielle Frage unserer Zeit nach dem sozialen Miteinander wird hier ganz konkret gelebt. Mittlerweile hat Belgien das Modell schon übernommen und in Japan, China, Singapur, Thailand, Australien, den USA und Großbritannien laufen Projekte.


Mehr: www.buurtzorg-in-deutschland.org

Bild: Das Buurtzorg-Team von Emsdetten (Deutschland)

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