Musikalisches der Freiheit

Musikalisches der Freiheit

Manfred Blefferts umfassendes Lebenswerk umspannt Komposition, Grafik, Bildhauerei und Instrumentenbau. Über 30 Jahre erforschte und lehrte er außerdem das Musikalische. Er reiste um die ganze Welt, wo heute überall seine Instrumente erklingen.


Wie näherten Sie sich Ihrem Lebensthema, der Erforschung des Musikalischen?

Sehr jung erlebte ich den vollkommenen Zusammenklang mit dem Geistigen in der Natur – alles war musikalisch. Dann erlernte ich klassische Instrumente. Ab dem 14. Jahr traf ich auf die Komponisten der Moderne. Ich war sehr interessiert an elektronischer Musik, da ich darin ein Ideal der freien Klanggestaltung vermutete. Vor allem durch die Begegnung mit Stockhausen realisierte ich aber, das diese Musik nur ein Surrogat für etwas war, dass ich noch nicht gefunden hatte. Ich musste die Frage an die Erde selbst stellen und ich fand, in der Materie schlummere etwas, das mir die Wirklichkeit wiedergibt – darin liegt das zukünftige Musikalische der Freiheit. Mit 21 Jahren wurde ich mir des Nullpunktes, in dem ich und die ganze Kultur stand, sehr bewusst und ich erlebte einen Tonort der Stille – ein reines übersinnliches Erleben einer musikalischen Präsenz, die mich leitet, die um sich die zwölf Töne hat, aber nirgendwo erscheint, obwohl sie das Zentrum ist. Damit war aber auch klar, dass ich mich auf nichts Gegebenes mehr stützen konnte, sondern wirklich nur daraus und bei null beginnen musste.

Was erarbeiten Sie in Ihrer plastisch-musikalischen Arbeitsstätte für Klangforschung, Neue Musik und Gesamtkunstwerk?

Der Tonort der Stille ist der geistige Vorgriff für die Arbeitsstätte, die ich sieben Jahre später in Heiligenberg gründete. Wir arbeiteten zum Beispiel zu der Entwicklung neuer Skalen, der Aufspaltung in Mikrotonalität, der Erweiterung des Musikalischen in andere Künste, einer neuen Viergliederung des Musikalischen und der Instrumente, der Ätherisierung usw. Wir entdeckten den Ton- und Klangprozess. Mit den Instrumenten suchen wir ein zeitgemäßes Klangwesen, in dem der Mensch beim Musizieren von innen heraus mitsingen und die Gesanglichkeit neu entwickeln kann.

Was sind die Zukunftsimpulse für die Musik?

Wie mein Freund Hermann Pfrogner es fasste: «Helfen, heilen, harmonisieren.» Es gibt einen Übergang vom Werkwesen zum Wirkwesen. In Zukunft wird die Musik also wirksam werden, wenn wir sie und die Instrumente entwickeln. Das verlangt auch freiere Verhältnisse im Zusammenspiel. Ebenso wie die Kompositionen immer mehr in die Verantwortung der Spieler übergehen werden.


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