Mit dem Tischpuppentheater durch Serbien

Mit dem Tischpuppentheater durch Serbien

Die Pädagogin Olivera Todorović begegnete der Anthroposophie mit 33 Jahren im ehemaligen Jugoslawien durch ein Seminar. Als Jugoslawien zerfiel, studierte sie in Ittigen (Schweiz) Waldorfkindergartenpädagogik und ging danach zurück, um etwas aufzubauen. Doch die schwierigen Umstände im jungen Serbien versperrten zunächst den Weg. Deshalb begann sie außerhalb von Belgrad in einem Staatskindergarten, Waldorfpuppenspiele zu zeigen und sich ein Repertoire sowie Puppen und Kulissen zu bauen. Seit 15 Jahren reist sie nun im Linienbus als Puppenspielerin durch das Land.


Wie steht es in Serbien um die Anthroposophie?

Es gibt eine Kindergarteninitiative von drei Leuten aus dem Seminar in Zagreb. Außerdem eröffnen Claudia und Samo Simčič aus Dornach in Belgrad eine Waldorfausbildung. Einige Serbinnen studieren im Ausland Eurythmie. Dann gibt es eine Lesegruppe, viele Bücher von Rudolf Steiner, die schon seit dem Zweiten Weltkrieg übersetzt wurden, sowie einen biodynamischen Hof.

Wie hat Ihre Arbeit mit den Puppen angefangen – war das ganz neu?

In Kindergärten finden manchmal Theater statt. Aber das sind immer Schauspielgruppen und es ist immer laut und es sind keine Märchen. Märchen als Puppenspiele für Kinder zu zeigen, das war ganz neu. Vor allem die Ruhe war ungewöhnlich. Ich muss viel improvisieren, die Kulissen schnell auf- und abbauen können. Ich führe eine halbe Stunde auf und fahre dann weiter. Manchmal habe ich in einem Monat 20 Aufführungen.

Und wie reagieren die Kinder?

Sehr begeistert. Fünf- oder Sechsjährige reagieren sehr gut und sie schauen genau, wie ich das mache. Es schauen mir ja tausend Kinder pro Jahr zu; das ist eine richtige Vernetzung. Wenn ich mit Erwachsenen spreche, dann verstehen sie kein Wort, doch wenn sie sehen, wie die Kinder zuschauen, sind sie schon ein bisschen interessiert. Durch diese Aufführungen haben auch ein paar Menschen begonnen, sich für die Anthroposophie und die Waldorfpädagogik zu interessieren.

Wird durch diese Art von Märchenerzählung auch die Waldorfpädagogik besser verstanden und vorgestellt, weil es das sonst noch nicht gibt?

Ja, das gibt es sonst nicht. Aber zum Beispiel in der Region Vojvodina (nördlich von Belgrad bis Ungarn), die schon mehr mit Österreich verbunden ist, ist die Waldorfpädagogik viel bekannter, und es gibt jetzt ein paar staatliche Kindergärten, in denen täglich Märchen erzählt werden.


Kontakt: olja.presevska@gmail.com

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