Ein Stück Begegnung mit der Welt

Ein Stück Begegnung mit der Welt

Auf Jahrestischen, in Weihnachtskrippen oder kleinen Bauernhöfen: Die Holzfiguren der Firma Margarete Ostheimer haben Generationen von Kindern begleitet. Gespräch mit Sibylle Engstrom, Geschäftsführerin des Unternehmens und des Online-Portals für Eltern www.spielundzukunft.de.


Was braucht es, um ein schönes Holzspielzeug entstehen zu lassen?

Ich glaube, man muss sich vor allen Dingen in den Blick des Kindes einleben. Wie schaut es auf die Welt? Zunächst ist da der bewundernde Blick, der in allem das Wesentliche zu erfassen sucht, das Urbildhafte mehr als das Detail. Holz fordert geradezu, nicht zu sehr ins Detail zu gehen, wenn das Spielzeug für Kinderhände stabil genug werden soll. So entstehen einfache Formen, die ganz aufs Wesentliche bzw. Wesenhafte reduziert sind – ob es sich nun um eine Tierfigur aus Holz oder um ein Fahrzeug handelt. Durch die Wärme und lebendige Ausdruckskraft des Holzes erhält das Spielzeug zusätzlich Erlebnistiefe für Kinder.

Welchen Stellenwert nimmt das Holzspielzeug im digitalen Zeitalter ein?

Während virtuelle Erfahrungen in Kindern die Lebenskräfte abbauen, kann Holzspielzeug sie stärken. Im Holzspielzeug kann ein Stück Begegnung mit der Welt der Natur stattfinden, aber auch mit der Kulturtat des Menschen, der es entworfen und gestaltet hat. Holz reagiert auf meine taktile Berührung, indem es Wärme annimmt und abstrahlt. Es regt die Sinne an: Seine Zeichnungen sind lebendig und einzigartig, es kann eine samtige oder auch raue Oberfläche haben, es hat einen Geruch und einen Klang. Man kann erfahren, wie es die Bildekräfte anregt und sie zugleich ernährt.

Welche Wirkung hat das Material Holz? Und inwiefern ist die Machart des Spielzeugs entscheidend?

Holz ist ein Werkstoff, zu dem wir einen seelischen Bezug herstellen. Oft sprechen wir davon, dass Holz Atmosphäre schafft. Es ist nie neutral und ausdruckslos, es sei denn, man beraubt es seiner Ausdruckskraft, indem man es deckend übermalt und lackiert. Insofern nutzt man Holz in der Spielzeugherstellung optimal, wenn man es so verarbeitet, dass es lasierend bemalt wird und in seiner Maserung erlebbar bleibt. Behandelt man die Oberfläche nur mit Öl oder Wachs, so kann man die warme, wunderschöne Haptik erhalten. Wir sind bei Ostheimer auch überzeugt, dass dieser Werkstoff durch die Handbearbeitung vom Menschen sehr viel annimmt und dem Kind übermittelt. Man kann an sich selbst gut erfahren, wie viel sprechender und lebendiger ein handgefertigtes Holzprodukt im Gegensatz zu einem rein maschinell gefertigten wirkt.

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Bild des Menschen

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Waldorfspielzeug inspiriert Mainstream

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