Dornach: Einheit und Spaltung

Dornach: Einheit und Spaltung

Historische Beschlüsse bei der Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach.


Am 24. März hat die Anthroposophische Gesellschaft einen historischen Moment erlebt. Einerseits galt es Elisabeth Vreede und Ita Wegman, die 1935 vom Vorstand ausgeschlossen wurden, von der Generalversammlung zu rehabilitieren. Andererseits galt es die Amtszeit von Bodo von Plato und Paul Mackay im Vorstand zu bestätigen. Vor diese Aufgabe gestellt, zeigte die Generalversammlung ein seltsames Bild, indem klare Einheit und harte Spaltung im gleichen Raum auftraten. Die große Einheit: Elisabeth Vreede und Ita Wegman wurden quasi mit Einstimmigkeit rehabilitiert. Ein paar Minuten später erfuhren die Teilnehmer, dass die von der Leitung der Gesellschaft gewollte Bestätigung von Paul Mackay und Bodo von Plato von der Versammlung nicht angenommen wurde. Die Anwesenden verließen den Saal teilweise mit ernsten bis traurigen Gesichtern, teilweise mit auffälliger Zufriedenheit und Freude. Die Versammlung war sich also völlig einig über die Vergangenheit, aber tief gespalten über die Gegenwart.

Dass die Generalversammlung sich so entschieden hat, ist zu respektieren. Dennoch kann man bedauern, dass der Wunsch der Leitung nicht erfüllt worden ist, mit diesen zwei erfahrenen, seit Jahrzehnten weltweit tätigen Menschen weiterzuarbeiten. Paul Mackay mit seiner erfolgreichen, unternehmerischen Energie und Bodo von Plato, der die Anthroposophie mit einer herausragenden Offenheit repräsentiert, tief verbunden mit ihrem Kern: dem ethischen Individualismus. Zu bedauern ist auch, dass nur 1000 Mitglieder, vorwiegend aus der Umgebung, sich an dieser Entscheidungen beteiligen konnten, während die Gesellschaft aus etwa 45 000 in der ganzen Welt lebenden Mitgliedern besteht.

Mit diesen Beschlüssen und Symptomen muss jetzt am Goetheanum und weltweit in der Anthroposophischen Gesellschaft weitergearbeitet werden. Jetzt gilt es nicht, Tatsachen infrage zu stellen, sondern zu spüren, dass mit diesen neuen Verhältnissen sich auch Möglichkeiten für die Zukunft zeigen: Taten und Tatsachen können zum Aufwachen führen und neue Verhältnisse und auch Kräfte entbinden. Dass trotz der Rehabilitierung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede die Anthroposophische Gesellschaft noch längst nicht versöhnt ist, sollte den Blick in die Zukunft nicht verschleiern, denn alles ist noch offen und die Herausforderung einer produktiven Versöhnung, die die Vielfalt der spirituellen Perspektiven respektieren kann, ruft nun zur Arbeit.

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